Die Probenzeit als spannende Lebensphase

5. Juni 2009, 18:32
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Josef Ernst Köpplinger inszeniert an der Volksoper "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss - Daniela Fally ist "seine" Zerbinetta

Ein Gespräch über die Beziehung zwischen Regisseur und Sängerin.

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Wien - Nett dieser Regisseur: "Arbeitszeit ist auch Lebenszeit! Deshalb versuche ich, Proben für alle spannend zu gestalten." Daniella Fally muss da Josef Ernst Köpplinger gleich ins Wort fallen: "Der Josef kommt auf die Bühne und weiß alles; wir müssen uns anschnallen, haben unsere Klavierauszüge in der Hand und schreiben mit."

Ihr ist dieser Grad an Selbstorganisation und Vorbereitung lieb. Lieber jedenfalls als "jene Situationen, bei denen erst bei Proben langsam entwickelt wird. Da gibt es Leerläufe, da will man dem Regisseur am liebsten zwei Tage Nachdenkpause gönnen, damit er die Sache für sich klärt. Es ist ja auch so: In der Endprobenphase will sich ein Sänger auf die vokalen Feinarbeit der Partie konzentrieren. Hier, bei der Ariadne, wird mir sowieso in keinster Weise fad. Die Rolle der Zerbinetta ist heikel; wenn man sich da ein bisschen gehen lässt, legt einem Komponist Richard Strauss gleich ein Ei."

Köpplinger wiederum, der mit Fally an der Ariadne auch schon am Stadttheater Klagenfurt (wo er auch Intendant ist) gearbeitet hat (wie auch bei Fra Diavolo, der letzten Volksopern-Premiere), muss gleich Komplimente zurückgeben: "Ich merke, da wir doch schon eine Weile zusammenarbeiten, wie sie sich als Singschauspielerin entwickelt. Und sie hat auch jene Menschlichkeit, die ich mir wünsche. Wenn ich das nicht so empfinden würde, schwiege ich jetzt - glauben Sie mir! Ich kann nur mit Künstlern zusammenarbeiten, die Menschen sind auf der Bühne. Alles andere geht in den Bereich Selbstdarstellung und Selbsttherapie. Das ist nichts für mich! Wobei: Eitelkeit muss wiederum nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Sie kann eine gewisse Energie hervorbringen. Peinlich und peinigend wird es nur, wenn die Eitelkeit größer ist als das Talent."

Einige Theatertricks

Etwa größer auch als das schauspielerische Talent von Sängern? "Es gibt natürlich jene, die gar nicht spielen können - in der Branche nennen wir sie die ,No Ways‘" . Das wären also jene, denen auch der geduldigste Regisseur kaum zu glaubhafter Bühnenpräsenz verhelfen kann. "Was macht man da? Es gibt Theatertricks wie das Requisitenspiel. Man gibt demjenigen etwas in die Hand; das aber kann das Ganze noch schlimmer machen. Natürlich spricht man mit dem Sänger. Aber wenn auch das nichts hilft, spricht man eben mit der Direktion ..."

Fally fällt natürlich auch die Regie betreffend etwas ein: "Was Regie nicht darf: etwa Bühnenbilder bauen, die akustisch katastrophal sind. Offene Bühnen sind schwierig für Sänger. Auch Dinge ohne Rücksichtnahme auf musikalischen Gegebenheiten zu verlangen ist unfein." Am schlimmsten aber sei, "wenn Regisseure unkooperativ sind, wenn man nicht reden kann. Ich versuche ja zuerst, alles zu machen, was verlangt wird. Man muss aber diskutieren dürfen, wenn etwas nicht sinnvoll oder nicht praktikabel scheint. Der Josef etwa ist ein guter Pianist. Das ist eigentlich ein Luxus für einen Sänger, wenn man so einen musikalischen Regisseur hat." Köpplinger ergänzt die Typologie der Regisseure: "Es gibt natürlich auch jene Kollegen, die ihre eigenen handwerklichen Schwächen an den Darstellern abarbeiten."

Er sei aber keiner von diesen, so Fally. Auf jeden Fall ist er aber einer, der sie gerne wieder nach Klagenfurt holen würde. Wird nicht leicht sein. Die Niederösterreicherin wechselt an die Staatsoper, hat auch international zu tun.

Wieder Volksoper? "Ich hoffe und ich wünsche es mir, man wird sehen." An der Staatsoper jedenfalls wird sie einiges zu tun haben. Unter anderem wird sie sicher bei Repertoireabenden nicht nur einen Regisseur wie Köpplinger vermissen. Eher überhaupt einen Regisseur. Wobei: "Wie oft habe ich erlebt, dass die Regie gelobt wurde, dabei haben wir Sänger durch eigene Personenführung das Ganze gerettet!"

Im Haus am Ring wird sie dazu reichlich Gelegenheit bekommen.

(Ljubiša Tošić, DER STANDARD/Printausgabe, 06./07.06.2009)

  • Daniella Fally hält ihn "für einen musikalischen Regisseur; Josef Ernst Köpplinger hält sie für eine "gute Sängerdarstellerin".
    foto: urban

    Daniella Fally hält ihn "für einen musikalischen Regisseur; Josef Ernst Köpplinger hält sie für eine "gute Sängerdarstellerin".

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