Liebe, Krieg, Zahnradpumpe

5. Juni 2009, 17:31
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Unveröffentlichte Autografen: Liebesbriefe der Piaf und ein Patentdisput von Johannes Kepler

Mit Hits wie Milord und Non, je ne regrette rien hatte sich Edith Piaf (1915-1963) in den 40er- und 50er- Jahren weltweit eine Gemeinde von Bewunderern ersungen. Dieser Tage wird nun ein bislang geheimes Kapitel der für ihre Liaisons legendären französischen Chanteuse öffentlich: Am 25. Juni versteigert Christie's in Paris (Alte Bücher, Autografen und Manuskripte) eine Sammlung von bislang unveröffentlichten Liebesbriefen aus einem Zeitraum vom 15. November 1951 bis zum 18. September 1952 und damit einen Monat vor ihrer Hochzeit mit dem Sänger Jacques Pills.

Die leidenschaftlichen und streckenweise sehr intimen Schreiben stammen aus französischem Privatbesitz. Für eine späte - mit einem geschätzten Auktionserlös von 60.000 bis 90.000 Euro immerhin sehr lukrative - Rache der betrogenen Ehefrau gilt die Unschuldsvermutung. Denn die insgesamt 54 Briefe dokumentieren die Affäre der Piaf mit dem verheirateten Radsportler Louis Gérardin. Sein öffentliches Resümee streute dem "Spatz von Paris (La Môme Piaf)" nur bedingt Rosen: 48 Stunden mit Piaf seien ermüdender als eine Etappe der Tour de France.

Militärische Kartografie

Mit Ernsthaftigkeit und historischer Güte punktet dagegen das vom Dorotheum am 15. Juni versteigerte Angebot der Sparte Autografen. In der Kategorie Militärkartografie wartet für Anhänger der österreichischen Kriegsgeschichte eine bedeutende Sammlung von 43 Manuskriptkarten aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763), für die zumindest 20.000 Euro veranschlagt sind. Die Kartenserie dokumentiert den von Feldmarschall Leopold Graf Daun geführten deutschen Kriegsschauplatz in Sachsen und Schlesien inklusive verschiedener Stellungen, Lager und Truppenbewegungen der österreichischen Armee im Zeitraum von Anfang Juni bis zum 19. Oktober 1760.

Die Kriegsgeschichte des 20. Jahrhunderts repräsentiert eine 42-seitige, am Vorabend des Ersten Weltkriegs im Jänner 1914 verfasste Denkschrift Conrad von Hötzendorfs, die nicht unter 8000 Euro den Besitzer wechseln soll. "Allergnädigster Herr! Die Balkan-Ereignisse der Jahre 1912/13 haben derart tief greifende Veränderungen in der politischen Lage hervorgerufen" , wendet sich der Chef des Generalstabs der k. u. k. Armee an Kaiser Franz Joseph und Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, dass es ihm unerlässlich schien, die Lage detaillierter "in Betracht zu ziehen und die daraus sich ergebenden Konsequenzen zu fixieren" . Das Typoskript inkludiert - unter dem Hinweis auf strengst geheime Behandlung - auch die ersten Kriegsvorbereitungen.

Um Fragen zu Patentschutz und zum Recht auf geistiges Eigentum geht es dagegen in einem bislang unbekannten und auf 15.000 Euro taxierten Schreiben von Johannes Kepler an Kaiser Rudolf II. aus dem Jahr 1604. Der berühmte Astronom, Mathematiker und Physiker wollte damit ein Plagiat seiner einzigen und noch heute verwendeten Erfindung der Zahnradpumpe verhindert wissen. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 06./07.06.2009)

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