Klavier rein, Klavier raus...

5. Juni 2009, 17:31
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Einst hieß das Schönbrunn-Spektakel "Konzert für Europa" - Aber Europa ist wohl nicht mehr genug

Einst hieß das Schönbrunn-Spektakel "Konzert für Europa". Aber Europa ist wohl nicht mehr genug. Dieses nun von etwa 60 TV-Stationen übertragene Konzert strebt eher jene Quote an, die Neujahrskonzerte erreichen. Der ORF überträgt sicher bis 2012; etwas Zeit bleibt also noch, das Geschäft zu entwickeln. Warum auch nicht?

Das Konzert ist gratis, was bei der Tonqualität, die per Lautsprecher geboten wird, auch sehr zu begrüßen ist. Jedenfalls garantiert es einen üppigen Besucherstrom, der eine vermarktbare Kulisse abgibt. Als TV-Konsument sieht man indes (im Vergleich zu Neujahr) bei der "Sommernacht" noch dramaturgische Defizite. Es war zwar schön, Maestro Barenboim dirigierend am Klavier zu erleben. Das Hereinholen und Wegbringung des Tastengeräts produzierte jedoch Leerlauf, den Barbara Rett erzählend zu überbrücken suchte. Da muss jedoch mehr kommen. 

Es stellt ja auch die Darstellen von Musik prinzipiell eine Überforderung der Kameraarbeit dar. Da wurde jede Blume, jede Skulptur, jeder Grashalm gezeigt. Natürlich die Bühne - vom Weiten und von der Nähe. Selbiges widerfuhr den Musikern. Das wirkt schnell redundant. So half es auch wenig, dass Barenboim mit dem philharmonischen Vorstand lustig parlierte und die Veranstaltung kurz ins Politische hob, indem er Obamas Rede an die arabische Welt erwähnte. Man spürte: Hier übt man noch. Ein Nachteil gegenüber dem Neujahrsevent bleibt aber ewig, man kann nie sicher sein, ob in Schönbrunn gespielt wird. Das Wetter! 

Immerhin: Trotz Subventionen sprach kein Bundeskanzler und auch kein Bürgermeister. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD; Printausgabe, 6./7.6.2009)

  • Durchaus souverän auch unter freiem Wiener Musikhimel - Dirient Daniel Barenboim.
    foto:orf/ali schafler.

    Durchaus souverän auch unter freiem Wiener Musikhimel - Dirient Daniel Barenboim.

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