"Aber sie stimmen nicht!"

5. Juni 2009, 17:25
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Rechtsirrtümer deckt der Anwalt Ralf Höcker in Lexika auf, ab 10. Juni auch in einer Show auf RTL - Den STANDARD klärte er über wichtige und weniger bekannte auf

STANDARD: Justiz und Unterhaltung - wie verträgt sich das?

Höcker: Mitunter muss man auch vor Gericht bisschen Show machen. Bei Anwälten gehört das dazu. Vollkommen fern ist das Thema deshalb schon nicht. Unterhaltung und Informationsvermittlung gehören für mich zusammen.

STANDARD: Offenbar gibt es einen riesigen Bedarf an volksnaher Interpretation von Rechtssprechung. Sehen Sie sich als Übersetzer?

Höcker: Absolut. Alles, was täglich um uns passiert, hat mit Recht zu tun. Der Verkäufer nimmt reklamierte Ware nur mit Kassazettel zurück, Schilder mit der Aufschrift "Eltern haften für ihre Kinder" oder "Für Garderobe wird gehaftet": Behauptungen, mit denen jeder von uns Tag für Tag konfrontiert ist. Aber es sind Behauptungen, die nicht stimmen! Nur ist es sehr schwer für Normalbürger das herauszufinden. Deswegen ist es notwendig zu versuchen auf möglichst einfache Weise Menschen diese Dinge näher zu bringen.

STANDARD: Wie zum Beispiel, dass es kein Umtauschrecht gibt?

Höcker: Zum Beispiel. Jeder glaubt, man kann zwei Wochen alles ins Geschäft zurückbringen. Manchmal nimmt das aber auch eine andere Richtung. Die Verkäufer können aus Kulanz Ware zurücknehmen und Bedingungen stellen: Ich möchte den Kassenbon sehen oder reduzierte Ware nehme ich nicht zurück. Das funktioniert aber nicht, wenn es sich um einen Reklamationsfall handelt. Viele Käufer und Verkäufer kapieren den Unterschied nicht zwischen Umtauschrecht und Reklamation.

STANDARD: In der Show helfen Sie Studiogästen bei Rechtsproblemen. Eignen sich die für leichte Fernsehkost?

Höcker: Wir breiten keine menschlichen Schicksale in der Sendung aus. Das sind eher skurrile Fälle, die jedem passieren können. Eine Frau wurde von der Polizei angesprochen, weil sie sich vom Sperrmülle eine Lampe mitgenommen hat. Ist das Diebstahl oder nicht?

STANDARD: Ist es, oder?

Höcker: Das werden wir in der Sendung klären.

STANDARD: Mit Andrea Kiewel haben Sie eine Moderatorin an der Seite, die wegen Schleichwerbung das ZDF verlassen musste?

Höcker: Das kann man so nicht sagen. Denn was sie gemacht hat, war nicht illegal.

STANDARD: Schleichwerbung ist nicht illegal? Ein neuer Rechtsirrtum?

Höcker: Einen Verstoß gegen den deutschen Rundfunkstaatsvertrag hat sie nicht begangen. Das kann ich medienrechtlich guten Gewissens sagen. Sie hat definitiv keinen Gesetzesverstoß begangen. Sie hat natürlich nicht die Wahrheit gesagt.

STANDARD: Sie vertreten Heidi Klum. Gab's schon Klagsandrohungen für "Germany‘s Next Topmodel"?

Höcker: Ich kann natürlich nichts zu konkreten Fällen sagen. Dazu bräuchte ich ein ausdrückliches Einverständnis meiner Mandantin.

STANDARD: "Erwachsen auf Probe": Ist das rechtlich bedenklich? Eine Gruppe kündigte eine Klage gegen "Körperverletzung Schutzbefohlener" an. Kommen sie durch?

Höcker: Ich möchte mich ungern zu etwas äußern, was ich noch nicht gesehen habe. Eine Körperverletzung würde aber bedeuten, dass Babies wirklich am Körper verletzt würden. Das kann ich mir nicht vorstellen.

STANDARD: In Ihrem Buch „Anwalts - Deutsch; Deutsch - Anwalt" beschreiben Sie den US-Bildungsgrad "LLM": Das bedeute, dass man ein Jahr lang an angloamerikanischen Eliteuniversitäten die Sau rausgelassen habe. In Ihrer Biographie findet sich dieses "LLM" wieder. Haben Sie?

Höcker: Ich kann guten Gewissens sagen, dass große Teile dieses Buches autobiographisch geprägt sind. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 6./7.6.2009)

Zur Person
Ralf Höckers Spezialgebiet ist Marken- und Medienrecht. Seine drei Lexika über Rechtsirrtümer sind Bestseller. In seinem neuen Buch "Anwalt - Deutsch; Deutsch - Anwalt" nimmt er die vertrackte Juristensprache auseinander.

  • Anwalt Ralf Höcker
    foto: rtl

    Anwalt Ralf Höcker

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