Die Definition von Verantwortung

5. Juni 2009, 16:54
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Was Corporate Social Responsibility ist und sein kann, darüber scheiden sich die Geister - Ein Gutteil österreichischer Unternehmen kann mit dem Konzept CSR gar nichts anfangen

Noch immer kursiert CSR (Corporate Social Responsibility) als Schlagwort mit unklarer Bedeutung durch Österreichs Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Herbst 2008 durchgeführte Erhebung des Netzwerks Soziale Verantwortung (NeSoVe) „Corporate Social Responsibility in Österreich", für die 600 heimische Unternehmen befragt wurden. Allgemein bestehe ein eher vages oder punktuell auf einzelne Aspekte - wie etwa Gesundheit am Arbeitsplatz - beschränktes Verständnis von CSR, so ein Fazit.

Harte bis gar keine Debatte

Grundsätzlich gelte: Je größer und je internationaler ein Unternehmen sei, respektive agiere, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass das Konzept "CSR" bekannt sei, so die Studie. Dort, wo CSR verankert sei, werde der Bereich häufig zur Chefsache gemacht, wobei tendenziell auch PR- und Kommunikationsabteilungen mit diesem Tätigkeitsfeld betraut werden. 

Im Bundesdurchschnitt - also in Bezug auf rund 90 Prozent in Österreich ansässigen Klein- und Mittelbetriebe - habe aber kaum ein Drittel der befragten Unternehmensvertreter von CSR gehört. Dazu kommt, dass die allgemeine Debatte, bezogen auf besagte Relevanz von CSR in Österreichs Unternehmen, eher sophistiziert geführt wird und deren Teilnehmer in zwei Lager teilt: jenes, das den Nutzenaspekt von CSR hervorhebt und den Marktmechanismus zur Innovation und Verbreitung von CSR ansehe, und das andere, das eine "illegitime Privatisierung gesellschaftlicher Verantwortung" orte und nach demokratischer Kontrolle und verbindlicher Regelung strebe. 

Was für die einen neben einer Verbesserung der Außenwirkung oder der Stärkung eines Standortes auch "ein Wert an sich" sei, sollte, so die Studie sinngemäß, für die anderen darüber hinaus für institutionelle Ziele - wie Arbeitnehmerrechte, ökologische oder entwicklungspolitische Ziele - instrumentalisiert werden. Hier sei nicht nur Eigeninitiative im besten Sinne, sondern ein deutlicherer politischer Wille, ein Regelwerk auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene gefragt.

Handlungsspielraum definieren

Einigkeit herrsche darüber, dass sich gesellschaftlich verantwortliches Handeln für Unternehmen langfristig auszahlen könne, weiter an Bedeutung gewinne und dass sich CSR auf dem Bereich der Gewinnerzielung sowie auf die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens zu beziehen habe. Am ehesten werde gesellschaftliche Verantwortung dort wahrgenommen, wo es - in dieser Reihenfolge - durch geltende Regelungen erfordert, ökonomisch nützlich und moralisch geboten sei.
Der Trend zur Entwicklung überprüfbarer Instrumente im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung lasse, so die Studie, zunächst eine Ausdifferenzierung zwischen dem traditionellen philantropischen CSR-Verständnis und einer neuen Auffassung von CSR als Managementinstrument und integralem Bestandteil der Unternehmensstrategie erwarten. 

So wären notwendige Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume für alle Akteure und Aktivitäten klar abgesteckt. Auch falle der - laut Studie - noch wenig entwickelte „Business Case" CSR - sinngemäß - auf fruchtbareren Boden. Entsprechende „Politikansätze" fehlen hier aber noch.
Gezielte Förder- und Informationspolitik erachten die Studienautoren zur Verankerung und Verbreitung von CSR-Konzepten ebenso für sinnvoll wie den Aus- und Aufbau von öffentlichen CSR-Beratungsangeboten, um Know-how-Defiziten zu begegnen. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.6.2009)

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    Was für die einen "der Wert an sich" ist, benötigt für die anderen zudem klare Regelwerke. Die Definition von CSR scheidet Geister.

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