Sex am Radständer

7. Juni 2009, 16:41
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Ja doch, die Geschichte hält, was der Titel verspricht – und Ursula Stenzel kommt auch vor

Ehrlich gestanden hab ich keine Ahnung - und ganz ehrlich gestanden will ich auch keine Ahnung davon haben, welche schmutzigen Lettern der Graf Foto in die unschuldig, ja jungfräulich weiße Tastatur seines Computers gedroschen hat, dass er die Geschichte von diesem spanischen Radlständer fand.

Jedenfalls gab es eines schönen Mai-Wochenendes in der spanischen Stadt Zamora einen illustren Auflauf. Alle möglichen Leute, die an jenem Radlständer vorbeigingen, der die Hauptrolle dieser Geschichte spielen darf, blieben stehen und schauten wie gebannt auf das ihnen gebotene Schauspiel. Manche Passanten starrten, andere regten sich auf, die meisten lachten - wie jene Politesse, die von einem Aufgebrachten alarmiert wurde.

In Zamora wurde das Bildschirmsystem eines öffentlichen Radständers gehackt, worauf dieses statt seiner üblichen Infos lieber einen Pornofilm zeigte - und das in "unerwarteter Schärfe", wie der Gemeindebeamte Francisco Guarido feststellte. Er war wohl genauso amüsiert wie die Politesse, die immer noch lachend, über Funk den Posten verständigte.

Nach einer Stunde - die Zuschauer haben sich inzwischen längst von einem Grüppchen zu einer stattlichen Menge verwandelt - verhängten Polizeibeamte den Bildschirm, indem sie zwei Papierblätter über den Screen klebten, bevor der Betreiber der Displays den Film abschalten konnte. Die Stadtvertreter von Zamora gaben inzwischen auch Lücken im Sicherheitsnetz jenes Computersystems, das für die Bildschirme zuständig ist, zu. Jedenfalls steht das auf Gizmodo, wo man auch ein Bild des Radständers sehen kann, auf dessen Bildschirm gerade zwei Menschen versuchen, in der Horizontalen zappelnd, auf einem Sofa Platz zu finden, das gerade einmal zum ruhigen Sitzen genug Platz bietet.

Ich weiß, Sie stellen sich auch gerade die Frage, wie der Graf Foto die Suchmaschine gefüttert hat, dass er auf die Geschichte gestoßen ist. Ich habe damit aufgehört, als ich mir vorstellte, was wohl wäre, würde das gleiche in Wien passieren.

Angenommen, am Citybike-Stand am Stephansplatz rennt auf einmal statt "Bitte fladern Sie das Radl nicht - mieten kostet eh fast nix" ein Sexfilm. Wie lange würde es dauern, bis darauf jemand aufmerksam wird? Gut, wenn die Entnahmeständer Ton hätten, vielleicht dass ein "Achtung Kamera"-Resistenter nachschaut, welche einsilbig gebildete Dame man in das Kastl verfrachtet hat. Aber wenn der Erste dem Szenario am Bildschirm erst einmal ein paar wertvolle Minuten seines Lebens widmet, werden sich schnell ein paar Mitmenschen einfinden, die dem Ersten gerne beim Schauen helfen. Jetzt ist es nimmer lang, bis der erste Hilfs-Sheriff auftritt, erst Sodom und Gomorrha schreit und dann die Polizei holt.

Bis dahin läuft ja alles noch mehr oder weniger so wie in Spanien. Was dann passiert, wenn die Exekutive auftaucht, will ich mir nicht mehr ausmalen. Ich stell mir lieber vor, wer der Gemeindevertreter sein könnte, der, wie Francisco Guarido zufällig auf das Gestoße und Gestöhne trifft. Ursula Stenzel würde ich ehrlich gestanden schon gerne in der Szene sehen - der Graf Foto würde das sicher für die Nachwelt festhalten - wie sie ihr Citybike zurückgeben möchte und dann mit der nackten Wahrheit des Lebens konfrontiert wird. Aber die Frau Stenzel natürlich nur deswegen, weil ich mir den Michael Häupl nicht auf einem Citybike vorstellen kann. (Guido Gluschitsch)

  • Nicht auszudenken was passieren würde, würde der Monitor des Citybike-Stands in der Wiener Innenstadt plötzlich das Programm ändern.
    foto: glu

    Nicht auszudenken was passieren würde, würde der Monitor des Citybike-Stands in der Wiener Innenstadt plötzlich das Programm ändern.

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