Katholische Elternvereine fordern Ende der "Schulversuchsorgien"

5. Juni 2009, 15:38
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Hauptverbandspräsident Mandahus gegen Neue Mittelschule - Fordert von Schulpolitik Konzentration auf Lehrinhalte statt Rahmenbedingungen

Wien - Anlässlich der 60-Jahr-Feier des Hauptverbands Katholischer Elternvereine hat dessen Präsident Stefan Mandahus Forderungen an die Schulpolitik gestellt. Er pochte auf die Beibehaltung des differenzierten Schulsystems und übte scharfe Kritik am Modell "Neue Mittelschule", bei dem er "Gleichmacherei" der Schüler befürchtet. Generell forderte Mandahus bei der Pressekonferenz: "Schluss mit 30 Jahren Schulversuchsorgien"; bei diesen seien "Millionen Euro den Bach runtergegangen", doch nur die wenigsten "sinnvoll evaluiert" worden.

"Inhalte wichtiger als Rahmenbedingungen"

Von der Bildungspolitik wünschte sich Mandahus, nicht mehr "nur an Nebenschauplätzen" zu kämpfen wie zuletzt beim Streit um die von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) geplante Ausweitung der Unterrichtsverpflichtung um zwei Stunden. "Inhalte sind wichtiger als Rahmenbedingungen", sagte er und trat für eine "zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Lehrpläne" und "Berücksichtigung der Anforderungen in der realen Wirtschaft" ein. Er verwies etwa darauf, dass heute in den Lehrplänen kaum noch Vernetzungen von Fächern vorgesehen seien. Der Unterricht sei zudem zu wenig an den tatsächlichen Bedürfnissen orientiert: So würden Schüler etwa komplexe mathematische Berechnungen lernen, hätten aber "kein Gespür für Relationen". Er kritisierte auch, dass etwa an berufsbildenden höheren Schulen Lehrer Business-English unterrichten würden, die "noch nie auf Englisch eine Verhandlung geführt haben".

Eltern hätten sich nicht genügend eingebracht

In der Bildungsforschung müssten Eltern künftig stärker eingebunden werden, betonte Mandahus. Die Privatsphäre müsse gewahrt, Zusatzfragebögen sollten vorab einer Ethikkommission vorgelegt werden. Die Aussagekraft internationaler Bildungsstudien stellte er wegen "intransparenter Auswahl" von Schulen und Schülern in Frage.

Doch auch die Eltern selbst nahm Mandahus in die Pflicht: Diese hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht genug in die Schulbildung eingebracht. Lehrer müssten heutzutage schon derart viel Erziehungsarbeit leisten, dass sie oftmals kaum noch die eigentlichen Fachkenntnisse vermitteln könnten. (APA)

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