"Die Hisbollah wird eine geringere Rolle spielen"

5. Juni 2009, 17:20
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Der Libanonexperte Nicholas Noe sieht nach den Wahlen ein große Chance auf eine Entwaffnung der Hisbollah

Der Libanonexperte Nicholas Noe sieht nach den Wahlen ein große Chance auf eine Entwaffnung der Hisbollah. Dazu müssen aber die EU und die USA den Dialog mit den pro-syrischen Schiiten suchen, sagte Noe zu András Szigetvari.

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STANDARD: Das politische System des Libanon ist so kompliziert, dass selbst Experten den Durchblick verlieren. Einfach gefragt: Worum geht es bei den Parlamentswahlen?

Noe: Da gibt es mehrere Sichtweisen: Polemisch ist die Darstellung, wonach bei den Wahlen in Wahrheit der Iran und Syrien auf der einen Seite gegen die USA, einige moderate arabische Staaten und Israel auf der anderen Seite antreten. Das ist Unsinn, auch wenn diese Mächte tatsächlich verschiedene Kandidaten unterstützen. Tatsächlich tritt eine Allianz unter Führung der Hisbollah gegen die vom Westen unterstützten Kräfte an, wobei sich auf beiden Seiten Kräfte finden, die für Frieden im Nahen Osten plädieren. Die Allianz unter der Hisbollah eint nur eines: Die Ablehnung der US-Nahostpolitik der vergangene Jahre.

STANDARD: Was würde es bedeuten, wenn die Hisbollah die Wahlen gewinnt?

Noe: Hisbollah wird im neuen Parlament jedenfalls weniger Abgeordnete haben als bisher, denn sie mussten mehrer ihrer Kandidaten zurückziehen um bei der Direktwahl der Kandidaten ihren Verbündeten eine Chance zu geben. Die Hisbollah wird im neuen Parlament also eine geringere Rolle spielen. Aber gemeinsam mit ihren schiitischen und christlichen Partnern könnte sie gestärkt werden. Fest steht, dass jene Parteien, die eine Entwaffnung der Hisbollah wünschen eine absolute Mehrheit stellen werden. Für die USA und Europa bietet sich damit eine große Chance.

STANDARD: Die Entwaffnung der Hisbollah war ein zentrales Thema der letzten Jahre. Aber sehen Sie eine Chance, dass das tatsächlich geschieht?

Noe: Absolut. Jedem klar ist, dass eine Zwangsentwaffnung nicht in Frage kommt. Nach der Wahl wird alles vom regionalen Kontext abhängen: Wenn die US-Administration und die EU ihre Hilfe für den Libanon zurückfahren und den Aufbau der libanesischen Armee nicht weiter verstärken, wird es schwer. Im Gegenteil muss die Hisbollah in eine Diskussion darüber eingebunden werden, wie eine starker Staat geschaffen werden kann, der die Menschen auch zu verteidigen vermag. Dann könnte die Hisbollah einer Entwaffnung beziehungsweise einer Eingliederung in die nationale Armee zustimmen. Sollte die Hisbollah mit ihren Verbündeten die Wahlen gewinnen, und daher aus einer Position der Stärke heraus agieren können, dürfte das ihre Entwaffnung sogar erleichtern.

STANDARD: Im Libanon gibt es kaum Rohstoffe, das Land ist klein und wirtschaftlich unbedeutend. Warum bemühen sich die USA, Syrien, Saudi-Arabien und die EU dennoch um Einfluss?

Noe: Weil der Libanon der einzig schwache Staat ist, der eine Grenze mit Israel hat, aber keinen Friedensvertrag mit Jerusalem. Das ist die Arena, in der heute der arabisch-israelische Konflikt ausgetragen werden kann. Das zweite ist: Die Hisbollah verfügt über 20.000 bis 30.000 Raketen, also ein ganz beachtliches Arsenal; das bereitet Israel und seine Verbündenten große Sorge.

STANDARD: Im Mai 2008 stand der Libanon am Rande des Bürgerkrieges. Kann es wieder Gewalt geben?

Noe: Nein, nicht im Vorfeld der Wahlen. Die politischen umkämpftesten Bezirke sind die christlichen, und dort verfügt niemand über ausreichende Waffen. Viel wichtiger ist aber, dass Mehrheitsblock wie Gruppen rund um Hisbollah an ihren Sieg glauben, also an friedlichen Wahlen interessiert sind. Nach den Wahlen besteht aber die Gefahr, das Konflikte wieder aufbrechen.

Zur Person:
Der Libanon-Experte Nicholas Noe leitet unter anderem den Nachrichtendienst Mideastwire.com, der Nachrichten aus dem gesamten arabischen Raum filtert und für führende ausländische Medien ins Englische übersetzt. Daneben hat er zahlreiche Publikationen zum Libanon veröffentlicht, unter anderem das Buch „Voice of Hezbollah: The Statements of Sayyid Hassan Nasrallah".

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Posting 1 bis 25 von 40
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troob
00
21.2.2010, 19:11
Die Monate zogen ins Land...

Welche Aussagen des sogenannten Libanon-Experten haben sich bisher bestätigt?

1) "Fest steht, dass jene Parteien, die eine Entwaffnung der Hisbollah wünschen eine absolute Mehrheit stellen werden." Nicht eingetroffen, und Hezbullah hat in jedem Fall Vetorecht.

2) "Sollte die Hisbollah mit ihren Verbündeten die Wahlen gewinnen, und daher aus einer Position der Stärke heraus agieren können, dürfte das ihre Entwaffnung sogar erleichtern." Unsinn pur, keine Spur davon.

3) "Weil der Libanon der einzig schwache Staat ist, der eine Grenze mit Israel hat, aber keinen Friedensvertrag mit Jerusalem." Damals falsch, heute falsch. Syrien ist vielleicht militärisch nicht ganz so schwach wie der Libanon, aber relevant ist der Unterschied kaum. Und es hat ebenfalls a) Grenze und b) keinen Friedensvertrag.

Was bleibt von den Aussagen des ach so klug dahinfabulierenden Libanon-Experten? Er hat sich bloß in Allem geirrt.

Dafür gibt es ja auch Experten. Jetzt bekommen wir sicher einen ebenso Kompetenten, der erklärt, wieso es logisch war, daß sich der vorige Experte geradezu irren mußte, ja gar nicht anders konnte...

Dagegen hat ja die Wettervorhersage im April eine höhere Trefferquote!

Georg Schütt
00
Eine einfache Frage hätte man Herrn Noe schon stellen sollen:

"Warum sollte die Hisbollah ihrer eigenen Entwaffnung zustimmen wollen?"

seapoint
10

Die Schlagzeile soll wohl Leser anlocken. Mit der Realiltät hat sie wenig zu tun.

Waldgaenger
00

Abwarten die FAZ vom Samstag sieht die Dinge nicht so

Elfmeter
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Gibt es für diesen Nahen Osten überhaupt jemals Frieden?

Ich glaube, nein. Seit Generationen kennen die Menschen dort nur Krieg und Zerstörung. Auch junge Generationen wachsen mit dem Gewehr in der Hand auf und lernen, dass man "die bösen Anderen" umbringen muss. Die einzige Chance, die ich sehe, ist, diese Gewaltbereitschaft durch eine neue, gebildete Generation soweit zu redzieren, sodass jede Tötung eines Menschen Mord ist, egal unter welchen Vorzeichen.

shalala1
00
Frieden?

Nur wenn sich endlich Amerikaner, Iraner, Saudis, Israelis, Europäer und Syrer aus der libanesischen Politik heraushalten und die Politiker aller Seiten durch peace counselers angleitet werden, den Gegner zu respektieren und das von der "anderen" Seite erfahrene Leid ebenso anerkennen wie das selbst erfahrene. Politische Lösungen habend die Schraube der Feindschaft nur immer weiter angeheizt, weil sie bestimmte "Darlinge" belohnt haben.

der pachatz
11
Nur dann, wenn das Öl den Amerikanern gehört

troob
11
Äh, wieviel Öl genau hat der Libanon?

@Pachatz

Frantisek Blasil
00

Zur heutigen Sitaution gebe ich ihnen Recht. Jeder wächst mit den Koflikten der Region auf und viele werden mit hinein gezogen. Aber das war in Europa auch lange Zeit so und es hat damals nach zwei Weltkriegen auch keiner daran geglaubt dass wir eines Tages ein gemeinsames Parlament wählen werden.

Das ist auch in Nahen Osten möglich. Aber da wird noch viel Wasser den Jordan herunterfliessen.

shalala1
00
Wahlen

In Libanon wird heute in demokratischen Wahlen ein neues Parlament gewählt. Von den 128 Abgeordnetenplätze stellt sich die Hisbollah für 11 Sitze der Wahl. Die Libanesen haben die Nase voll von korrupten Politikern, die sich am Volk bereichern. Vielleicht gewinnt die Opposition und vielleicht ändert sich die Lage der Bevölkerung zum Guten.

Frantisek Blasil
01
Ein richtiger Einwand

Gewinnt die Hisbollah Freundliche Opposition, dann ist die Situation eher mit der Zeit vor den Weltkriegen zu vergleichen als Rattenfänger, ausgestattet mit Patentlösungen für jederlei Problem, die jungen Leute für den Krieg begeistern konnte. Es hat zu großen Katastrophen geführt. Was daran gut sein soll wenn Hasserfüllte Fundamentalisten, die den totalen Krieg anstreben an die Macht kommen, das kann ruhig ihr Geheimnis bleiben.

Stephan Schaefer
 
00
28.4.2010, 12:48

Wen meinen Sie eigentlich?

USA und Israel?

Denn die Hisb Allah hat es mittlerweile geschafft, dass das "bunte" Parlament eines ist und in den Grundfragen absolut einig ist!

Selbst die erbittersten Hisb Allah-Feinde Hariri und Jumbulatt machen gemeinsame Sache mit der Hisb Allah und Jumbulatt nannte seine US-Verbundenheit mittlerweile als Fehler!

Mfg

shalala1
33
politische Rolle der Hisbollah

All jenen, die die Hisbollah nur als Marionette Irans sehen, die Terror in Libanon gegen Andersdenkende verbreitet und zur Destabilisierung des Landes (durch Terror nach innen und außen) beiträgt sei gesagt, dass ein solches Denken nur Auskunft darüber gibt, dass man über Dinge schreibt, die ziemlich weit von der Realität entfernt sind und nur dem eigenen Wunsch dienen, die Welt schwarz-weiß zu sehen. Auf KEINEN Fall darf eine politische Partei, die von Israel und den USA (Europa ist da geteilter Meinung) als Terrororganisation gesehen werden auch nur irgendeinen positiven Aspekt in ihrem Programm oder in ihrem Vorgehen haben. Habt ihr überhaupt eine Vorstellung wie die politische Landschaft Libanons aussieht? Liest "The Daily Star".

matschavelli
11
wird sogar bald eine größere Rolle spielen

die Verlagerung des Irak-Krieges nach Afghanistan
und den zu erwartenden Zivil-Opfern ist Wasser auf der Hisbollah-Mühle.
3 Millionen Menschen sind an der paksitanischen Grenze schon auf der Flucht. Und der Schuldige in der pakistanischen öffentlichen Meinung: die USA

shalala1
00

Verwechselt die Hisbollah net mit Al Quaida.

gert poelzl1
57

Die Hizbollah Armee, das sind dch diese Feiglinge die sich in Wohnblöcken hinter Kindern verstehen und dann plärren wenn es die kinder trifft und nicht die mutigen Kämpfer....

Wann wird die Welt solche Schufte endlich einmal los ?

shalala1
23

Sie haben keine Ahnung und geben nur hetzerisches unreflektiertes Zeug von sich. Ich habe mir Dohey (südlicher von Schiiten bewohnter Teil Beiruts) also sozusagen "Hisbollahland", ein Jahr nach dem israelischen Vergeltungskrieg angesehen und es hat ausgesehen wie am "Ground Zero". Und, haben sich die Hisbollahkämpfer auch bei den UNIFIL versteckt weshalb diese bombardiert werden mussten, wobei auch ein österreichischer Unosoldat starb?

Pefo
10

Natürlich, shalala,

wissen Sie es besser. Gehen Sie mal auf die Uni-Wien und sprechen Sie mit einigen Studenten aus dem Libanon.

Dann werden Sie wohl wieder behaupten, diese Studenten gäben "nur ein hetzerisches unreflektiertes Zeug von sich".

Stephan Schaefer
 
00
29.7.2011, 16:01

Sie fragen also diejenigen, die NICHT im Libanon zur Zeit des Kriegs waren ueber den Verlauf des Krieges.

Sehr, sehr clever.....

Pefo
00
29.7.2011, 17:07

Ich frage, Schaefer,

diejenigen, die das Volk kennen.

Über das Leben im Zweiten Weltkrieg befrage ich schließlich auch nicht den in Stalingrad fierenden und hungernden Soldaten, denn der glaubte an die Nazi-Propaganda, er verteidige dort seine Heimat, sondern Historiker, die eine andere Perspektive des Geschehenen haben.

Aber, es stört mich nicht, wenn Sie hinfliegen und und einen dem Sulaiman oder dem Miqati dienenden Soldaten befragen.

Pyotr Alexeyevich
911
Hisbollah entwaffnen? Viel Spaß wünsch ich!

Solange die Alternative eine staatliche Armee ist, die brav in den Kasernen sitzen bleibt, während die IDF das Land mit Clusterbomben eindeckt (siehe Sommer 2006), so lange wird sich ein großer Teil der Libanesen sich für ihre Verteidigung auf die Hisbollah verlassen.

Eidechse
00

damals wurde der Libanon aber auch von der Hisbollah "verteidigt"

Stephan Schaefer
 
00
28.4.2010, 12:55

Letztendlich erfolgreich, denn sämtliche vorgegeben Ziele Israels nicht im entferntesten erreicht!

Siehe Winograd-Bericht, der übrigens über die "Erfolge" der IDF auch noch übertreibt.
Z.B. wird behauptet, dass sie nicht von Anfang an versucht hatten mit Bodentruppen in den Libanon zu gelangen.


Mfg

gert poelzl1
42
@ Pyotr Alexeyevich

wer bezahlt Sie eigentlich für Ihren Holler ?

Seymour Skinner erklärt Ihnen warum Ihr Posing ein Holler ist, um es nicht als Schäbigkeit zu bezeichnen.

Pyotr Alexeyevich
01

"wer bezahlt Sie eigentlich für Ihren Holler ? "

Iran und Syrien.

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