Sozialmarkt feiert ersten Geburtstag

5. Juni 2009, 14:15
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18.000 Mitglieder haben bisher Produkte in der Größenordnung von 750 Tonnen erworben - Dritte Filiale sperrt in vier Monaten auf

Wiens erster Sozialmarkt feiert Geburtstag: Der 200 Quadratmeter große Shop in Favoriten, der bedürftigen Menschen günstige Lebensmittel und Haushaltsware anbietet, hat kürzlich sein einjähriges Jubiläum begangen. Laut Betreiber Alexander Schiel, der inzwischen ein zweites Geschäft in Hernals führt, haben bisher rund 18.000 Mitglieder Produkte in der Größenordnung von 750 Tonnen erworben. Ein weiterer Markt sei bereits in Planung.

Eröffnet werden soll die dritte Dependance in den nächsten vier Monaten. Damit sollen die Bezirke Brigittenau, Floridsdorf und Donaustadt abgedeckt werden, wobei der konkrete Standort noch nicht feststeht. "Der Bedarf steigt durch die aktuelle Wirtschaftslage laufend an", ist Schiel jedenfalls überzeugt. Ohne Unterstützung seitens der öffentlichen Hand sei das aber nicht möglich, so der Sozialmarkt-Chef, der ein Gespräch mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) führen will.

Mittlerweile haben auch andere Vereine ähnliche Shops in der Bundeshauptstadt eröffnet. Seit vergangenen September versorgt etwa der "Vinzimarkt" in Mariahilf (Wallgasse 12) bedürftige Menschen mit preisreduzierter Ware. Betrieben wird die Einrichtung von der Grazer "Vinzenzgemeinschaft" des "Armenpfarrers" Wolfgang Pucher. Auf 170 Quadratmetern wird das von Nudelwaren, Konserven und Reis über Milchprodukte und Gemüse bis hin zu Taschentüchern, Krawatten und Keramikgeschirr reichende Sortiment angeboten. Brot gibt es gratis.

Billigladen für Bedürftige

Ein Monat später eröffnete zudem das Hilfswerk einen Billigladen für Bedürftige in der Neustiftgasse in Neubau. Dieser ist mit 400 Quadratmetern Verkaufsfläche das bisher größte derartige Geschäft in Wien. Außerdem ist es das bis dato einzige, das zur österreichweit agierenden Dachorganisation "SOMA Österrreich & Partner" gehört. Unter dieser firmieren landesweit inzwischen mehr als 20 Billig-Shops.

In allen Sozialmarkt-Varianten müssen potenzielle Kunden ihre Bedürftigkeit - etwa mittels Einkommensnachweis - belegen. Danach erhält man einen Mitgliedsausweis, der bis zu einem gewissen Limit zum Einkauf im Geschäft berechtigt. Die Waren werden üblicherweise von der Privatwirtschaft zur Verfügung gestellt. Sie bestehen etwa aus qualitativ gleichwertigen Fehl- oder Überschussproduktionen. Anders als die beiden anderen Betreiber kauft Schiel auch zu, um spendenbedingte Engpässe auszugleichen. Im Vergleich zu anderen Bundesländern haben die Sozialmarktbetrieber Wien als Standort erst relativ spät entdeckt: Der erste Sozialmarkt Österreichs hatte bereits im September 1999 in Linz aufgesperrt. (APA)

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    Die Waren im Sozialmarkt bestehen etwa aus qualitativ gleichwertigen Fehl- oder Überschussproduktionen.

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