Wieder etwas höhere Volatilität wahrscheinlich

5. Juni 2009, 14:05
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Hans Engel

Steigende Ölpreisnotierungen, fallende Kurse von Staatsanleihen und eine abschwächende
Dynamik beim breiten europäischen Aktienindex DJ Stoxx 600 waren die augenscheinlichsten
Entwicklungen der vergangenen Woche. Die EZB bzw. die Bank of England ließen, was eigentlich keine Überraschung war, ihre Leitzinsen weiterhin auf niedrigem Niveau. Damit bleibt der Leitzins im Euroland bei 1% und in Großbritannien bei 0,5%.

Die Aussichten für das Wachstum im 2. Halbjahr bleiben weiter eingetrübt, wobei allerdings der Rückgang vermutlich geringer ausfallen wird als davor. Die Einschätzung der EZB, dass die Wirtschaft im Euroraum dann um etwa 4 - 5% schrumpfen wird, scheint realistisch zu sein. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn die Anzahl der Investoren, die jetzt allmählich zu Gewinnmitnahmen neigen, in den kommenden voraussichtlich Wochen zunehmen wird. Diese anstehenden Verkäufe werden vermutlich jedoch zum größten Teil von jenen Zuflüssen institutioneller Anleger kompensiert, die erst jetzt bereit sind, ihre zumeist noch niedrigen Aktienquoten etwas zu erhöhen.

Nach einigen Wochen relativ geringer Volatilität an den Aktienmärkten werden die täglichen
und wöchentlichen Schwankungen wahrscheinlich wieder etwas zunehmen, aber aus  heutiger Sicht nicht extrem werden. Moderate Einbussen bei den europäischen Aktienindizes wären jetzt nicht ungewöhnlich, allerdings ist es vorhersehbar, dass dann wahrscheinlich die
Stimmung der Marktteilnehmer schlechter sein wird als es der Situation entspricht. Allerdings
sollte man als besonnener Investor seine Furcht in den Griff zu kriegen versuchen, solange
wichtige Unterstützungsniveau bei den breiten Indizes, wie beispielsweise ca. 180 Punkte beim DJ Stoxx 600 nicht unterschritten werden. Die Gefahr, dass es zu einem noch weiteren
Rückgang dieses Leitindex kommt, ist angesichts der aktuellen Geldmengenausweitung als
gering einzustufen. Deshalb sollte man als Investor auf diese kurzeitigen, noch moderaten
Rückgänge nicht unbesonnen agieren. So ist es voraussichtlich sinnvoll, die sich bietenden
Gelegenheiten für eher kurzfristiges Trading zu nutzen. Langfristige Buy- and Hold-Strategien sind in den kommenden Jahren vermutlich weit weniger sinnvoll als in der Vergangenheit. Angesichts der bereits abgelaufenen Berichtssaison gibt es aktuell auch relativ wenige wichtige Unternehmensmeldungen. 

Arcandor kämpft mit Liquiditätsproblemen

Der deutsche Handelskonzern Arcandor bemüht sich weiterhin um eine staatliche Unterstützung, konnte bisher aber noch keine definitiven Zusagen erhalten. Die Lage ist hier
sehr kritisch, angesichts einer Mitarbeiteranzahl von ca. 68.000 wird es nach den Vereinbarungen mit Opel für die deutsche Bundesregierung schwer werden, dieses Unternehmen nicht zu unterstützen. Als langfristiges Investment ist die Aktie keinesfalls
geeignet, kurzfristiges Traden hat ohne eine definitive Unterstützung durch den deutschen Staat keinen Sinn.

Die schweizerische Technologiefirma Oerlikon konnte mit ihren Banken eine Vereinbarung
über weitere Finanzierungen treffen und hofft, im kommenden Jahr wieder aus der Verlustzone zu kommen. Die Aktie hat von den Hochpunkten im Jahr 2007 bis zum Tief im März 97% verloren, seither aber bereits wieder 230% zugelegt. Der Titel ist nur für spekulativ ausgerichtete, kurzfristige Trader geeignet. Den langfristigen Wachstumschancen steht die sehr hohe Verschuldung entgegen.

In einer wesentlich besseren Situation ist der deutsche Softwarehersteller SAP, der eine
Summe von EUR 2,5 Mrd. für Akquisitionen sofort zur Verfügung hat und diesen Betrag ohne
Probleme deutlich erhöhen könnte. Angesichts nur moderater Wachstumsperspektiven und
einer hohen Bewertung (KGV 20) drängt sich ein Investment in SAP allerdings nicht auf.

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