Milchbauern denken wieder an Streik

5. Juni 2009, 18:53
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Höhere Strafzahlungen für Bauern, die ständig über Quote liefern, gefordert

Wien - Die IG Milch, eine Vereinigung von 4000 Milchbauern, warnt vor einem neuerlichen Streik. Die Bauern stünden vor einem Desaster, erläutert der Obmann der IG Milch, Ewald Grünzweil. "Der Milchmarkt ist wegen der für Jahre im Vorhinein beschlossenen ständigen Milchquotenerhöhungen, die ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Marktbedürfnisse erfolgen, völlig zusammengebrochen. Wenn nichts passiert, werden wir wieder streiken."

Wie berichtet, ist der Erzeugermilchpreis für die Bauern innerhalb eines Jahres um 30 Prozent gesunken. In Österreich liegt er derzeit zwischen 23 und 26 Cent netto je Kilogramm Milch, Tendenz fallend. "Damit sind die Milchbauern zu Bittstellern degradiert worden" , beschreibt Grünzweil die existenzbedrohende Lage der Milchbauern. Für ihn persönlich bedeute dieser Preisverfall beispielsweise einen Verlust von 25.000 Euro im Jahr, bei einer Quote von 170.000 Liter. In Summe liege der Verlust für die Milchbauern in Österreich bei 270 Millionen Euro. Der Oberösterreicher Grünzweil schätzt, dass deshalb rund 10.000 Milchbetriebe, ein Viertel aller Höfe, in den nächsten Jahren aufgeben werden.

Allerdings sollte gerade in Österreich bei Reformen auch bei den Bauern selbst angesetzt werden. Rund die Hälfte aller Milchbauern in Österreich würden systematisch über Quote liefern, sagt Grünzweil. Um dieser "Zockerei" Einhalt zu gebieten, müssten die Strafzahlungen bei Liefer-Überschreitungen je Hof erhöht werden.

Acht-Milliarden-Liter-Milchsee

Die laut Grünzweil unverantwortliche EU-Milchpolitik habe es mit sich gebracht, dass sich mittlerweile ein "Milchsee" von etwas mehr als acht Milliarden Liter in der EU angesammelt habe. Dieser wird seit Februar teilweise über Exportstützungen am Weltmarkt loszuschlagen versucht. Obwohl die negativen Auswirkungen einer solchen Dumping-Politik auf die Nahrungsmittelmärkte in armen Drittländern Märkte bekannt sind. Und solche Exportstützungen nicht Welthandelskonform sind. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.6.2009)

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    Der Erzeugermilchpreis für die Bauern ist innerhalb eines Jahres um 30 Prozent gesunken.

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