NGO's nehmen kritische Journalistin gegen Angriffe in Schutz

5. Juni 2009, 11:19
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Regierungsnahes Boulevardblatt führt Kampagne gegen Redakteurin einer investigativen TV-Sendung

Neun nichtstaatliche kosovarische Organisationen haben die Redakteurin einer kritischen wöchentlichen TV-Sendung in Pristina (Prishtina) in Schutz genommen, nachdem sie von einem regierungsnahen Boulevardblatt wiederholt als serbische "Spionin" bezeichnet wurde und auch direkte Morddrohungen erhielt. Jeta Xharra leitet im staatlichen TV-Sender RTK die vom BIRN (Balkan Investigative Reporting Network) vorbereitete Sendung "Jeta ne Kosova" (Leben im Kosovo), die sich auch mit zahlreichen Tabu-Themen befasst. Sie reichen von der Homosexualität bis hin zur Korruption der Staatsbeamten, aber auch den von der "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) während des Krieges (1998-99) angerichteten Verbrechen.

"Jeta hat selbst entschlossen, ein kurzes Leben zu führen", berichtete das von der Regierung des Premiers Hashim Thaci gesponsorte Blatt "Infopress" am Donnerstag. "Jeta ne Kosova" brachte kürzlich einen von BIRN und dem britischen TV-Netz BBC gemeinsam vorbereiteten Bericht über die mutmaßliche Misshandlung festgenommener kosovarischer Zivilisten in Albanien seitens der UCK. Letzte Woche brachte sie auch einen Bericht über Drenica, die ärmliche Region des Zentral-Kosovo. Das BIRN-Journalistenteam, das die Drenica-Ortschaft Srbica (albanisch Skenderaj) besuchte, wurde von einem bewaffneten Mann gezwungen, sie wieder zu verlassen. Infopress griff die Sendungsredakteurin Xharra an, mit dem Bericht die Drenica-Region erniedrigen zu wollen.

"Auch ein Angriff der Regierung"

Die Praxis, Menschen, die mit den Machthabern nicht übereinstimmten, als Verräter und serbische Spionen zu bezeichnen, existiere seit den 90-er Jahren, stellten die NGOs in ihrem öffentlichen Schreiben fest. Die Medienkampagne gegen Xharra kann nach Meinung der nichtstaatlichen Organisationen auch als ein Angriff der Regierung angesehen werden, die bemüht sei, die populäre Sendung abzuschaffen.

"Jeta ne Kosova" sei bemüht, im Einklang mit den professionellen Normen des Journalismus die Fakten wichtiger Geschichten zu enthüllen, die das Leben aller Bürger des Kosovo beträfen, unterstrichen die NGOs. Das Schreiben wurde unter anderem vom Kosovarischen Rechtsinstitut, der Jugendinitiative für Menschenrechte, dem Kosovarischen Frauen-Netz, der Anti-Korruptions-Initiative COHU und anderen nicht staatlichen Organisationen unterzeichnet. (APA)

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