Das Elektroauto als Landei

9. Juni 2009, 16:42
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Wenn ein Auto von der Männerwelt nicht ganz ernst genommen wird, bleibt immer noch die Zuordnung "Frauenauto" oder auch "Stadtauto"

Quasi: Was Kleines, eh nur für die Stadt, als Entschuldigung für die Peinlichkeit, dass mann gerade mal nicht den längeren Wagen vorzeigen kann.

Dem Elektroauto geht's ähnlich wie dem Frauenauto: Sofort fällt einem aufgrund der geringen Reichweite "Stadt" ein, was noch nicht falsch ist, allerdings sollte man dann weiter denken. In einer Stadt wie Wien braucht man nämlich kein Auto, außer man ist Taxifahrer oder Schwerlastbote. Und so ist es gut, dass der öffentliche Verkehr den individuellen Mobilitätsbedarf so weit wie möglich abdeckt.

Allerdings: Wenn sich die Bebauungsdichte verdünnt, wird der Einsatz von Massenverkehrsmitteln hochgradig unwirtschaftlich, etwa bei dörflichen Strukturen auf dem Land. Und genau dort kann das Elektroauto wirklich Probleme lösen, als geschickter Zubringer zum öffentlichen Verkehrsmittel. So war die Zulassung der vierrädrigen Mopedautos in der EU ursprünglich die Antwort auf die Einstellung vieler Nebenbahnen in Frankreich im Zuge des horrend teuren TGV-Ausbaus. So wollte man auch für Menschen ohne Führerschein eine gewisse Mobilität retten.

Es ist im Grunde gar nicht wünschenswert, dass das Elektroauto einfach den Benzinwagen ersetzt, es sollte vielmehr Anlass sein, die ganzen Verkehrsstrukturen völlig neu zu überdenken. Die Parkplatzprobleme in der Stadt löst das Elektroauto sowieso nicht. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/5.6.2009)

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    Dem Elektroauto geht's ähnlich wie dem Frauenauto.

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