Grundlegende Mechanismen entschlüsselt

5. Juni 2009, 10:22
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Immunologisches Gedächtnis spielt zentrale Rolle - Neue Erkenntnis: T-Helferzelle ziehen sich wieder ins Knochenmark zurück und "schlummern"

Berlin - Bei rheumatischen Erkrankungen greift das Immunsystem den Körper an und verursacht schmerzhafte Entzündungen an Knochen, Gelenken und Organen. Dabei stützt sich Rheuma auf das immunologische Gedächtnis, wie zwei Studien des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin belegen. Demnach verläuft der Entzündungsprozess in Wellen. Nach einem Immunschub ziehen sich die Gedächtniszellen der Körperabwehr ins Knochenmark zurück.

Rolle der T-Helfer-Zellen

Eine grundlegende Rolle bei der körpereigenen Abwehr spielen bestimmte weiße Blutkörperchen, die sogenannten T-Helfer-Zellen (TH-Zellen). Dringen Eindringlinge wie etwa Bakterien oder Viren in den Körper ein, sorgen sie für eine sich stufenweise verstärkende Antwort des Immunsystems. Bei Rheuma erkennen die TH-Zellen körpereigenes Gewebe als fremd und veranlassen eine Entzündung, die maßgeblich von dem Protein T-bet gesteuert wird. Forscher des DRFZ zeigten nun, dass die Aktivierung von T-bet in zwei Wellen erfolgt. Erst die zweite Welle stößt die eigentliche zerstörerische Entzündung der Gelenke an.

Immunologisches Gedächtnis

Rheumatische Entzündungen verlaufen typischerweise schubförmig: Nach einer Ruhephase kommt es erneut zu Beschwerden. Auslöser sind sogenannte Gedächtnis-T-Lymphozyten, die die Erinnerung an frühere Angriffe speichern. So lässt sich die Immunantwort wieder abrufen, so dass die rheumatische Entzündung immer wieder aufflammt. 

Während Forscher bisher glaubten, dass die Gedächtniszellen dauernd im Blut kreisen, zeigt die zweite Studie nach Angaben des Forschungszentrums, dass sich 80 Prozent dieser Zellen wenige Wochen nach ihrer Bildung wieder ins Knochenmark zurückziehen. Dort binden sie fest an Bindegewebszellen. Erst ein neuer Kontakt mit einem als fremd erkannten Antigen weckt sie aus dem Ruhezustand. "Je genauer wir die Arbeitsweise der T-Helferzellen kennen, umso näher kommen wir dem von uns verfolgten Ansatz für neue Therapien - der gezielten Ausschaltung dieser Zellen", sagt der Direktor des Zentrums, Andreas Radbruch. "Dem sind wir nun ein gutes Stück näher gekommen." (APA/AP)

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