"Internet Fuzzis" wollen "Grünes Haus" stürmen

5. Juni 2009, 15:50
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    foto: www.vollwertmedia.at

    Das Podium (v.l.r.): Moderatorin Meinhart, Klaus Werner-Lobo, Angela Stoytchev, Robert Menasse und Markus Rathmayr.

Grüne Vorwähler und Funktionäre versuchten bei einer emotionalen Podiumsdiskussion auf einen grünen Zweig zu kommen - Mit mäßigem Erfolg

Wenn Grün-Sympathisanten sich bei den Grünen einbringen wollen, dann können sie das laut Statut tun - auch ohne Partei-Mitglied der Grünen zu sein. Was auf den ersten Blick eindeutig Schwarz auf Weiß steht, ist in der Praxis anscheinend nicht so leicht umzusetzen. Denn darüber, ob nun Menschen "von Außen" über die Initiative "Grüne Vorwahlen" auch die Kandidaten der Grünen mitbestimmen können, dürfen und sollen, wird in der Partei schon seit Monaten sehr kontrovers diskutiert (derStandard.at berichtete).

Manche Funktionäre hegen die Angst einer "feindlichen Übernahme", andere betonen, dass die Grünen Vorwähler keine Ahnung von echter Politik hätten und die tagtägliche Arbeit zu wenig anerkennen würden. Wie sehr die Meinungen über partizipative Politik auseinander gehen, zeigte sich auch bei einer Podiumsdiskussion

Unter dem Motto "Take over your local Green party" trafen Parteifunktionäre und Grüne Vorwähler aufeinander und wollten die gegenseitigen Vorbehalte aus der Welt schaffen, was aber nicht vollständig gelang. 

Helge Fahrnberger, Blogger und Mitinitiator der "Grünen Vorwahlen", stellte klar, dass es darum gehe, die Grünen "zu zwingen ihr Versprechen einzulösen" und die "Basis-Demokratie" zu stärken. Das Internet sei seiner Meinung nach die ideale Plattform dafür. Das erkläre auch, warum unter den über 200 Vorwählern viele "Internet Fuzzis" zu finden seien, so Fahrenberger.

Klaus Werner-Lobo, Autor und Clown, erklärte sein Engagegement als Grüner Vorwähler so: "Ich war selbst vor 10 Jahren nur für ein paar Wochen Partei-Mitglied der Wiener Grünen und im Zuge dessen bei einer Wahlversammlung. Für mich schien die Wahl damals eine abgekartete Sache zu sein. Das war sehr frustrierend."

Durch die "Grünen Vorwahlen" hätte er sich nun erhofft, das "halboffene Scheunentor" zur Partei wieder aufstoßen zu können. Umso unverständlicher sei für ihn die Reaktion mancher Funktionäre gegenüber dem Projekt gewesen: "Wenn die Grünen etwas gegen die Vorwähler haben, dann sollen sie sich bitte bei den nächsten Wahlen nur mehr selbst wählen."

Angela Stoytchev vom Landesvorstand der Wiener Grünen gestand ein, dass die Partei mit der Fülle an Anträgen von UnterstützerInnen überfordert sei und Zeit brauche, um zu überprüfen, wer sich warum für die Wiener Vorwahlen engagiert. "Teilweise kommen wir uns schon wie der Geheimdienst vor. Für uns ist das nicht angenehm."

Die Diskussion kreiste anschließend um das Selbstverständnis der Grünen als Partei. Immer wieder wurde die Metapher des "Hauses" verwendet. "Die Türen und Fenster dieses Hauses müssen offen sein", sagt auch Markus Rathmayr (Mitglied des Landesvorstands der Wiener Grünen), der den Grünen Vorwahlen eher skeptisch gegenübersteht. Klaus Werner-Lobo möchte allerdings "nicht zum Inventar des Hauses werden, sondern wieder rausgehen können."

Die anwesenden grünen Funktionäre versuchten der Initiative Positives abzugewinnen (Gemeinderätin Sigrid Pilz: "sehe keine Gefahren"), wenngleich es genügend Vorbehalte gab. Aus dem Publikum wurden Vorwürfe darüber laut, dass die "Grünen Vorwahlen" inhaltslos seien und dass einzig und allein die Mitbestimmung über Repräsentanten ohne weiteres Engagement ein zu großes Privileg sei. Helge Fahrnberger: "Am Anfang hat man uns vorgeworfen: Ihr wollt etwas Bestimmtes. Jetzt wirft man uns vor: ihr wollt nichts Bestimmtes." 

Autor Robert Menasse, der sich selbst als Sympathisant der Grünen versteht, bemühte den Vergleich mit Johnny Depp. "Wenn ich ein Fan von Johnny Depp bin, aber ihn nicht genau kenne, dann fällt es mir schwer, nach und nach anzuerkennen, dass auch ein Idol altert. Genauso geht es mir mit den Grünen derzeit."

Die Frage, ob mit dem Recht, KandidatInnen wählen zu dürfen, auch Pflichten verbunden seien, wurde zum Streitfall. Während Klaus Werner Lobo als Vorwähler für sich in Anspruch nahm, dass es hier quasi bedingungslose Offenheit von der Partei geben müsse und eine Abgrenzung durch Pflichten genau den Argumenten rechter Parteien entsprechen würde, wurde aus dem Publikum auch die Frage aufgeworfen, ob es nicht doch eine Art "Gesinnungsprüfung" für etwaige Vorwähler geben müsste.

Der grüne Stadtrat David Ellensohn vermutete ganz andere Motive hinter den Differenzen zwischen manchen Funktionären und der Initiative "Wiener Vorwahlen": "Wir sollten sagen, was Sache ist: es geht hier um die Machtverteilung bei den Grünen. Derzeit sind die Wiener Grünen eher links als liberal. Das ist ein Versuch gegenzusteuern."

"Es gibt keine Verschwörung", stellte Klaus Werner-Lobo am Ende der Diskussion noch einmal klar. "Wir sind eine Intiative für die Grünen und nicht gegen die Grünen." Ob dieser Abend zu einer Entspannung beigetragen hat und die Basis-Demokratie der Grünen eine Chance bekommt, wird sich spätestens am 15. November 2009 bei der Landesversammlung der Wiener Grünen zeigen. Oder schon davor, wenn sich entscheidet, ob sie überhaupt mitstimmen dürfen. (Teresa Eder, derStandard.at, 05.06.2009)

Kommentar posten
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Am Boden der Badewanne ist ein tiefes, dunkles Loch
00
12.6.2009, 21:12

T-Shirt, Blog, fertig ist der Bobolitiker

gegi4
01
11.6.2009, 14:36
Video - Grüne Vorwahlen - Klarstellung

Robert Korbei (Landesgeschäftsführer) und Lukas Wurz (Vorstandsmitglied) geben Einsicht in das Prozedere der Aufnahme von VorwählerInnen.

http://tinyurl.com/l2h87b

woody999
01
11.6.2009, 11:23
wie viele trolle gibts eigentlich unter diesen vorwählern?

trolle oder fakes oder wie auch immer....
es ist aus meiner sicht legitim sich die leute anzusehen, die genaugenommen nur von außen kritisieren, keine tatsächliche arbeit an der basis leisten, außer zu posten....

keine verantwortung übernehmen (wollen), aber sehr lautstark nach mitbestimmung schreien....

wenn ihnen die partei so wichtig ist, dann sollen sie doch bei den bezirksorganisationen tatsächlich arbeit in der basis und das heißt auch auf der straße leisten...

nur posten und in foren schreiben ist eindeutig zu wenig.....

Rosie Hown
00
10.6.2009, 12:28
Bundessprecherin findet die Vorwahlen eh ok..

Man siehe hier, Glawischnig im Interview..>

http://bit.ly/mdLCe

Frobin Jojo
10
10.6.2009, 11:09
Versuch gegenzusteuern - JA BITTE!

David Ellensohn: "Wir sollten sagen, was Sache ist: es geht hier um die Machtverteilung bei den Grünen. Derzeit sind die Wiener Grünen eher links als liberal. Das ist ein Versuch gegenzusteuern."

Passend wäre eher: "Derzeit sind die Wiener grünen total festgefahren und borniert als konstruktiv und offen."

Wenn das ein Versuch ist gegenzusteuern - von Menschen, denen grüne Politik nicht egal ist (eine mögliche Definition von "Basis") - dann: JA, BITTE! Sehr gut, weiter so!

Ich fürchte nur, dass es auch neue Personen braucht, die diese neuen (Vor-)Wähler wählen können. Nur die sehe ich leider nirgends: Hoffe sie zeigen sich bald!

Kelborn
12
dümmliche Aktion (wenn man dabei war kann man das wirklich sagen)

Der Tenor war: WIR wollen mitbestimmen aber wissen nicht worüber und wollen auch keine Verantwortung für unsere Wahl übernehmen...

Warum treten diese Fuzzis nich in die Partei ein wenn sie mitbestimmen wollen?

adjua
00
12.6.2009, 08:36
einfach eintreten ist doch langweilig ...

... da kann man sich nicht mehr erste Reihe fußfrei wichtig machen bzw. ungewählt für angeblich sooo viele Leute sprechen ...

hardy ess
 
11
die türen und fenster

stehen ohnehin immer sperrangelweit offen: aus irgendwelchen öffnungen müssen die grünen ja ihre unliebsamen "parteifreunde" rausstürzen können.

grüße

Saddams Onkel
 
34
Lustig, aber wie wäre es, wenn man sich mal bei der "ältesten Demokratie" der Welt, den USA

umschaut???

Dort kann bei den meisten Vorwahlen jeder mitstimmen! Da kann also auch ein Republikaner zu den Demokraten gehen und umgekehrt.

In manchen Staaten gibt es die sog. "Caucus" und das sind Basisversammlungen, richtig basisdemokratisch, weit basisdemokratischer als es die Grünen je sein werden und nicht sein woll(t)en.

Frobin Jojo
00
10.6.2009, 11:35
Nur...

... ist das politische System in den USA ein völlig anderes! Da müsste man gleich eine rundumerneuerte Verfassung basteln ... und selbst dann würde das wahrscheinlich mit der "politischen Kultur" hierzulande nicht so ganz zusammengehen.

Rosie Hown
01
Video der Podiumsdiskussion...

Hier (nochmal) http://bit.ly/gruenevw_1 (Podium)
& http://bit.ly/gruenevw_2 (Publikumsbeteiligungen)

tomy ar...
00

Zerstören sich die Grünen jetzt schon selbst?

Grünspan()
01
aber nein!

Sie haben es schon getan...

Sobieski
00
die ewig schalen basisthemen

Schal und langweilig die Wahlplakate und kämpferisch wenn es um Emanzipation der weiblichen Rolle innerhalb von Prozessen und/oder gesellschaftlichen Auftritten geht. Blind gegenüber vorhandener Strukturen. Ich bin weder radikaldenkend noch handelnd. Aber ich steh ein für: Den einzig radikalen Gedanken zu dem Sie Frau Glawischnig fähig wären - Treten Sie zurück. Und das zweite belastende Thema: Beginnen Sie bitte die Interessen Gesellschaftlicher Randgrupen zu spiegeln. Die gesellschaftliche Randgruppe "Die Grünen" könnten es mit Leichtigkeit gegen die FPÖ-ÖVP-SPÖ-BZÖ aufnehmen. Leider sind Sie nicht die Führungsspitze die die Randgruppe "Die Grünen" wollen. Bitte erkennen Sie dies.
Danke!

Pumuckel Salzstreuer
310
Und Tschüss...

Voggenhuber Abschub - Strike 1

Kein Beitrag zu einer sozialen Wirtschaftspolitik oder Vorschläge gegen die Wirtschaftskrise, vorzugsweise mit ökologischem Ansatz - Strike 2

'dass die Grünen Vorwähler keine Ahnung von echter Politik hätten und die tagtägliche Arbeit zu wenig anerkennen würden.' - Strike 3

Ein Glück, dass ich das noch gelesen habe, bevor ich zur Stimmabgabe gegangen bin. Genau - wir GrünInnen-Sympathisantinnen haben ja keine Ahnung, lasst uns ruhig dumm sterben und klammert Euch an Sessel und Machtklüngel. Und wenn dann die (lukrativen und machtvollen) Parlamentssitze noch weniger werden zerfleischt man sich dann endlich gegenseitig. Evil will turn upon itself.

LadyDoolittle
522
Grüne - quo vadis?

Glawischnik von VdB "ernannt". Unter umgehen der Basisideologie der Grünen.

"Parteilinie" gegen Voggenhuber. Nur einer der Fehler von Glawischnik.

Glawischnik im Vergleich zu Freda Meissner-Blau?
Eine Beleidigung von Freda Meissner-Blau.

Die verdienten Alt-Grünen (Voggenhuber, Christoph Chorherr, etc.) im Keller verschwinden lassen.

Ich bin selbst Frau und Manager, vertrete einige Meinungen der Feministinnen.

Glawischnik ist der Alptraum von Bemühungen der geschlechtliche Gleichberechtigung.

GENAU SO sollten Frauen in Führungspositionen NICHT sein. Sie ist der lebende Beweis für die Gegner der Gleichberechtigung.

Eigentlich empfinde ich Mitleid für die Frauenrunde vor dem Wahlergebnis. Aber neugierig auf die Schuldzuweisungen.

BK W. Shoyssel
22
Glawischnik im Vergleich zu Freda Meissner-Blau

naja, weniger Intellekt und Moral, dafür aber mehr PR und ein News-Mutterkreuz.

farbrauschen
02


hast weitgehend recht.
wobei natürlich grad die beiden genannten herren schon auch immer ihr eigenes süppchen gekocht haben.
und zum beispiel den solidarbeitrag nie bezahlt haben, den die anderen alle abliefern, monat für monat.

aber ich hätte auch viel lieber die möglichkeit gehabt, den voggenhuber höchstpersönlich n i c h t zu wählen, statt ihn mir vor den augen entfernen lassen zu müssen.
ein bisserl bevormundet fühlt man sich da schon..

Beat Hornstein
12

Die Dame heißt Glawischnig, Sie Eingeweihter..

artigiano
13
der eingeweihte ist eine frau.

wenn schon pingelig, dann richtig.

Strom
00

Was macht Sie da so sicher, dass der Eingeweihte eine Frau ist?

Pyotr Alexeyevich
02

Vielleicht hat er das Posting gelesen..

Pumuckel Salzstreuer
11
Was bin ich doch...

beeindruckt von Ihrer makellosen rechts-schreibung. Inhaltlich sehe ich mich jedoch bei dem/der als 'Eingeweihter' denunzierten.

. . .
12
sie haben einen rechtschreibfehler in einem

eigennamen gefunden.
ein dreifaches hip hip hurra!!!

rechtscheipfehler
12
der clown muss zugelassen werden!

niemend verkörpert "grüne politik" so gut wie ein clown.

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