Zwischen Auto und Fahrbahn

5. Juni 2009, 16:59
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Technisch besteht bei Reifen ein erhebliches Potenzial zum Kraftstoffsparen, dabei sollte es aber bei der Sicherheit keine Abstriche geben

Zielkonflikte gibt es bei der Entwicklung komplexer technischer Produkte immer, aber kaum woanders sind sie so ausgeprägt wie bei den Reifen. Bei den Umwelteigenschaften denkt man zuallererst an den Rollwiderstand, der ja direkt den Verbrauch des Fahrzeugs beeinflusst. Aber auch der Verschleiß spielt eine wichtige Rolle, denn bei weniger Abrieb schont man natürlich auch Ressourcen. Und nicht zu vergessen das Abrollgeräusch, das ja akustisch auf die Umwelt wirkt. Auch das Material, aus dem Reifen bestehen, kann negative Auswirkungen für die Umwelt haben.

Sicherheit und Umweltschonung stehen sehr oft in Konkurrenz zueinander. So sind kurze Bremswege auf nasser Fahrbahn eine echte Herausforderung für die Entwickler, wenn man dabei auch Abrieb und Rollwiderstand gering halten soll. Dieser Spagat gelingt aber immer neuerdings besser. Trotzdem warnen Reifenexperten vor allzu strengen Vorgaben der EU hinsichtlich eines geringen Rollwiderstands zur Senkung des CO2-Ausstoßes des Fahrzeugs, da sich dies nachteilig auf die Fahrsicherheit auswirken würde.

Lebensdauer verlängern

Immerhin können allein die Reifen einen Verbrauchsunterschied bis zu 0,5 Liter Sprit pro hundert Kilometer verursachen. Weniger Verschleiß verlängert nicht nur die Lebensdauer, auch die Belastung der Umgebung mit Feinstaub nimmt ab. Die Inhaltsstoffe der Reifen bilden unmittelbar betrachtet kein großes Umweltrisiko mehr. Zwar sind immer noch krebserregende polyzyklische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten, aber dieser Gehalt wird von Reifengeneration zu Generation immer geringer und wird von den Autofahrerklubs in ihren Tests gar nicht bewertet - mit der Argumentation, dies spiele vielleicht bei der Produktion noch eine Rolle, nicht aber für die Konsumenten. Ein genereller direkter Zusammenhang zwischen dem PAK-Gehalt und der allgemeinen Qualität oder dem Preis der Reifen ist jedenfalls nicht festzustellen. Hier geht es offenbar tatsächlich nur um den guten Willen der Hersteller.

Ganz allgemein gilt für Reifen das Gleiche wie für das übrige Fahrzeug. Die Auslegung auf sehr hohe Geschwindigkeiten macht die verschiedenen Zielkonflikte noch deutlicher sichtbar, noch schwieriger beherrschbar. Die Empfehlung der Autofahrerklubs, alle vier Jahre die Reifen zu tauschen, erscheint sehr industriefreundlich. Die meisten Möglichkeiten, auf Reifenseite die Umwelt zu schonen, haben aber immer noch die Autofahrer in der Hand und im Gasfuß.

Ein Liter mehr

In der Hand: Die regelmäßige Überprüfung des Reifendrucks ist aus Sicherheitsgründen ohnehin notwendig und wird oft nicht einmal beim Service durchgeführt. Beim Verbrauch bedeutet ein zu geringer Druck schnell einmal einen Liter mehr auf 100 km. Für viele Autos werden Reifendruckkontrollsysteme angeboten. Sie funktionieren entweder über die Drehzahlsensorik des ABS (ungenau, nur als Patschenwarnung) oder mittels aufwendigerer und genauerer Funk-Radsensoren.

Im Fuß: Es gilt das Gleiche wie für das Auto ans sich: Wer vernünftig und spritsparend fährt, schont auch die Reifen und bekommt viel Geld sozusagen durch eine längere Lebensdauer refundiert und hinterlässt im gleichen Zeitraum weniger Gummiwuzeln auf der Fahrbahn. Wer seinen Gasfuß also einigermaßen gut im Griff hat, spart mehrfach und schont die Umwelt obendrein. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/5.6.2009)

  • Die EU nimmt auch die Reifen-industrie in die CO2-Pflicht. Denn: Reifen mit niedri-gem Roll-widerstand können durchaus dazu beitra-gen, bis zu 0,5 l / 100 km beim Sprit-verbrauch einzusparen.
    foto: öamtc

    Die EU nimmt auch die Reifen-industrie in die CO2-Pflicht. Denn: Reifen mit niedri-gem Roll-widerstand können durchaus dazu beitra-gen, bis zu 0,5 l / 100 km beim Sprit-verbrauch einzusparen.

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