"Nahtod-Erfahrung" dank Opel-Deal

5. Juni 2009, 22:21
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In den Verhandlungen zwischen General Motors und Magna über die Opel-Zukunft stoßen die Beteiligten an ihre Grenzen. Es geht unter anderem um Milliarden an Lizenzzahlungen

Rüsselsheim/Detroit/Wien - "Nachdem eine sehr lange und schwierige Periode von Verhandlungen, um die Vereinbarung mit der deutschen Regierung und Magna International zu sichern, nun beendet worden ist, kann ich vertrauensvoll sagen, dass ich sowohl physisch als auch emotional erschöpft bin. Es liegt in der Natur solcher intensiven Verhandlungen, dass man zumindest durch einige wenige Nahtod-Erfahrungen geht. In diesem Fall gab es viele." Dies schrieb Carl-Peter Forster, Chef von GM Europe und designierter Chef bei Opel neu in seinem Internet-Blog drivingconversations.gmblogs.com am Freitag. Die Pein werde aber seiner Ansicht nach, lässt er weiters wissen, bis Juli ein Ende haben, bis dahin solle die Sache stehen, rechtlich sollte die Übernahme durch Magna und deren russischen Partner Sberbank bis September abgeschlossen sein.

Fiat und der chinesische Hersteller BAIC machen sich laut jüngsten Berichten zwar noch Hoffnungen darauf, dass der Magna-Deal platzt und sie noch einmal ins Spiel kommen, doch GM zeigt sich entschlossen, mit dem vom gebürtigen Steirer Frank Stronach gegründeten kanadischen Zulieferkonzern zu einem tragfähigen Abschluss zu kommen.

Der insolvente US-Autokonzern trennt sich indessen nach dem Verkauf seiner Geländewagen-Marke Hummer von einer weiteren Marke. Die Rechte an der Marke Saturn sollen an die US-Autohandelskette Penske gehen. Eine entsprechende Absichtserklärung sei bereits unterzeichnet, teilte GM mit. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Durch den Saturn-Verkauf würden 350 Autohandelsniederlassungen und 13.000 Stellen bei Penske gesichert werden, hieß es.

Der wichtigste Punkt der Verhandlungen sind die gegenseitigen Aufrechnungen von Lizenzgebühren und die Kosten der laufenden Entwicklungsarbeiten zwischen GM und Opel. Das Handelsblatt schreibt von 6,5 Milliarden Euro, die das deutsche Unternehmen an General Motors in den kommenden zehn Jahren aus dem Titel Lizenzgebühren für GM-Technologie zu bezahlen habe.

Aus Unternehmenskreisen hörte der Standard, dass dies nur die halbe Wahrheit sein könnte, auch Opel entwickle für die Amerikaner und vice versa. Die monetäre Bewertung aller Aktivitäten sowie der Saldo daraus sei eben Gegenstand der aktuellen Verhandlungen zwischen Magna-Boss Siegfried Wolf und der GM-Führung.

Weiters diskutiert wird in Deutschland die Frage, ob der Staat auch für Opel-Pensionszahlungen geradestehen müsste, sollte sich jene Magna nicht leisten können. Die Regierung lehnt es ab, öffentliche Gelder für die Pensionszahlungen fließen zu lassen. Nach Angaben des Arbeitsministeriums belaufen sich die Pensionslasten auf bis zu fünf Milliarden Euro.

Trennlinien gefragt

Laut einem Interview mit dem Magazin Format will Wolf darauf schauen, dass der Bereich Zulieferung und der Bereich Automobilfertigung strikt getrennt werden. Konkurrenten haben sich bereits kritisch zur künftigen Doppelrolle des Konzerns geäußert. VW bekrittelte vor einigen Tagen, es gebe einen "Interessenkonflikt bei Magna" , die eigene Tochter Opel könnte gegenüber anderen Kunden bevorzugt werden. Wolf sagte, er habe positive Signale von Hauptkunden (zuletzt neben GM noch Ford, BMW, Chrysler) bekommen.

Die Opel-Beschäftigten haben die Weichen für ihre künftige Zehn-Prozent-Beteiligung gestellt. Der Anteil der Mitarbeiter soll über eine eigens gegründete Aktiengesellschaft verwaltet werden. Die Sberbank ließ zuvor wissen, ihr 35-Prozent-Anteil könnte nach der Restrukturierungsphase an einen russischen Autohersteller - also Oleg Deripaskas GAS, steht derzeit selbst knapp vor der Pleite - weitergereicht werden. (szem, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.6.2009)

  • Die zwei aus der Opel-Gang (beim Treffen in Oschersleben) stehen zu
ihrer Marke, so wie GM zu Magna als Käufer des deutschen
Traditionsherstellers steht.
    foto: epa

    Die zwei aus der Opel-Gang (beim Treffen in Oschersleben) stehen zu ihrer Marke, so wie GM zu Magna als Käufer des deutschen Traditionsherstellers steht.

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