Entscheidung über Rosenthal-Zukunft steht an

5. Juni 2009, 08:50
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Die Angebotsfrist für Interessenten am Traditions-Porzellanhersteller läuft am Montag ab

Selb - Die Verhandlungen über die Zukunft des traditionsreichen deutschen Porzellanherstellers Rosenthal gehen in die entscheidende Phase. Neun Wochen nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist die italienische Sambonet-Gruppe nach wie vor der Wunschpartner von Insolvenzverwalter Volker Böhm und von Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Bis nächsten Montag (8. Juni) haben drei weitere potenzielle Käufer Zeit, verbindliche Angebote für eine Übernahme der Rosenthal AG in Selb abzugeben.

Namen "der weiteren ernsthaften Interessenten" halten die Beteiligten unter Verschluss. Laut Böhm handelt es sich sowohl um strategische Investoren als auch um branchennahe Financiers. Die Zeit drängt. Auch der Hauptgläubiger der ehemaligen Waterford Wedgwood-Tochter, die Bank of America, will in der kommenden Woche ihr weiteres Verhalten im Insolvenzverfahren des mit 130 Mio. Euro verschuldeten Porzellanherstellers festlegen.

Die Haltung der Amerikaner ist auch für die Verhandlungspartner nicht hundertprozentig klar. "Es besteht das Risiko, dass die Bank of America, die Fortführung von Rosenthal nicht weiter begleitet und Liquidität abzieht", betont der Insolvenzverwalter. Das heißt aber noch lange nicht, dass in den Rosenthal-Werken in Selb und Speichersdorf (Landkreis Bayreuth) die Lichter ausgehen.

Trotz rückläufiger Umsätze auch infolge der weltweiten Wirtschaftskrise sieht Böhm gute Chancen, Rosenthal eigenständig fortzuführen. Bis Ende Juni müssen weitere 300 der zuletzt noch 1.300 Beschäftigten im Inland ihre Arbeitsplätze räumen. Die Palette von mehr als 6.000 Produkten wird um 20 Prozent reduziert. Im Werk Speichersdorf wurden mehr als 30 Mio. Euro in die Automatisierung der Produktion investiert. Dadurch wurden schon vor dem Insolvenzantrag am 9. Jänner 2009 etwa 300 Arbeitsplätze abgebaut.

Expansionspläne

"Die Restrukturierung des operativen Geschäftes bei Rosenthal ist bereits weit fortgeschritten, Rosenthal ist ohne Zweifel fortführungsfähig", fasst Böhm zusammen. Mit seinen hochwertigen Produkten will der Porzellanhersteller vor allen in den schnell wachsenden Märkten in China und Indien sowie im Mittleren Osten und in Osteuropa expandieren. Rosenthal baut dabei auf mittlerweile 4.700 Handelspartner im In- und Ausland.

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Zeil ist zuversichtlich, dass es in Kürze zu einer langfristig tragfähigen Lösung für die Fortführung des Unternehmens kommt. Der Freistaat will die angestrebte übertragene Sanierung mit dem höchstmöglichen Satz fördern. Nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag.

Die Verhandlungen mit dem Topf- und Besteckhersteller Sambonet Paderno über die Übernahme von Rosenthal sind nach Angaben des Insolvenzverwalters weit fortgeschritten. Wirtschaftsminister Zeil stuft die Italiener als hervorragenden Partner ein. "Die Sambonet-Gruppe ist ein leistungsstarkes, innovatives Unternehmen", betont der Minister. Ob auch die drei anderen Interessenten ein tragfähiges Konzept für Rosenthal zu bieten haben, muss sich erst noch zeigen. "Wir werden die Angebote in Absprache mit der Bank of America prüfen", sagte Becks Sprecher Christoph Möller. Mit einem Ergebnis ist Mitte des Monats zu rechnen.

Angesichts der schleppenden Verhandlungen wird auch die verbliebene Belegschaft langsam ungeduldig. "Ich kann nicht so richtig nachvollziehen, wieso das so lange dauert", erklärt die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Marianne Wopperer. "Es wird langsam Zeit, dass das Hoffen und Bangen zu Ende geht." (APA/dpa)

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