Einfach öfter mal den Stecker ziehen

5. Juni 2009, 08:14
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Kleinvieh macht auch Mist: Stand-by-Modus und Ladegeräte von Elektronikgadgets sind heimliche Energiefresser. Die Hersteller arbeiten an Sparkonzepten, doch auch der Nutzer kann seinen Teil beitragen.

Hier ein Mobiltelefon und ein MP3-Player, dort ein Flachbildfernseher, ein Drucker, eine Spielkonsole, und ein Laptop. In jedem Haushalt häufen sich Elektronikgadgets, die nützlich und unterhaltsam sind, aber auch Stromverbrauch und -rechnung in die Höhe treiben.

Verbrauch

Elektronische Geräte, darunter fast eine Milliarde Handys und zwei Milliarden Fernseher weltweit, zeichnen laut Erhebung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) derzeit für 15 Prozent des privaten Stromverbrauchs verantwortlich. Bis 2022 soll sich ihr Energiekonsum verdoppeln und dann auf 1700 Terawattstunden (TWh) verdreifachen - so viel wie Haushalte in den USA und Japan derzeit insgesamt an Strom verbrauchen.

Doch auch die IEA-Experten sind überzeugt, dass bei den elektronischen Stromfressern noch viel Einsparpotenzial besteht, etwa bei der Energieeffizienz. Denn auch wenn es wie das klassische Argument eines Verkäufers klingt, sind alte Geräte meist stromhungriger als ihre Nachfolgegeneration.

Stand-by

War ein erster Schritt in Richtung energiesparendere Geräte zum Beispiel die seit vielen Jahren gängige "Bereitschaftsfunktion" (Stand-by-Modus), erfolgt der zweite Schritt in dieser Hinsicht jetzt mit sanftem Druck der Politik. Die steigende Zahl der Stand-by-Geräte verursacht nach Schätzungen der EU-Kommission allein in Europa einen jährlichen Stromverbrauch von mehr als 50 TWh pro Jahr (im Vergleich: Der gesamte Stromverbrauch Österreichs lag im Vorjahr bei knapp 70 TWh).

Die EU hat dieser Stromvergeudung den Kampf angesagt. Ab kommenden Jahr dürfen nur noch solche Computer, Waschmaschinen, Fernsehgeräte und andere Büro- und Haushaltsgeräte verkauft werden, die ein bis maximal zwei Watt im Stand-by-Betrieb verbrauchen. 70 Prozent des Stromverbrauchs im Bereitschaftsmodus sollen so bis 2020 reduziert werden.

Komplett

Dass es technisch möglich ist, bei Geräten auch im Bereitschaftszustand noch Strom zu sparen, führen zum Beispiel PC- und Monitorhersteller vor. Fujitsu-Siemens etwa hat seit dem Vorjahr einen Monitor mit einem Netzteil auf dem Markt, der sich im Stand-by-Modus automatisch komplett ausschaltet. Im Sommer soll ein sogenannter Null-Watt-PC folgen.

Nach wie vor wenig im Bewusstsein der Konsumenten ist die Tatsache, dass Handy-Ladegeräte, die nach dem Aufladen aus Bequemlichkeit in der Steckdose bleiben, weiterhin Strom ziehen. Auch wenn die Menge gering ist: Die Summe macht's aus. Nokia machte den Auftakt, weitere Mobiltelefonhersteller zogen nach und fordern den Nutzer auf, das Ladegerät vom Netz zu trennen, sobald der Akku gefüllt ist. Der nächste Stromspar- und Umweltschutzstreich steht bei Mobiltelefonen übrigens kurz vor der Vollendung: Die koreanischen Unternehmen Samsung und LG haben Anfang des Jahres Öko-Handys vorgestellt, die mit Solarzellen auf der Rückseite des Telefons aufgeladen werden können. (Karin Tzschentke / DER STANDARD Printausgabe, 05.06.2009)

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