Zwei Festnahmen beim FPÖ-Wahlkampfabschluss

4. Juni 2009, 19:52
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Strache sprach von "rotem Naziproblem" - Gegendemonstranten warfen Eier und Erdäpfel - mit Video

Wien - Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf war am Donnerstagabend Gast am Viktor Adler-Markt bei der EU-Wahlkampf-Abschlusskundgebung der FPÖ. Parteichef Heinz Christian Strache holte Graf während seiner Rede auf die Bühne und verteidigte dessen Attacken, zuletzt auf den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant. Ansonsten gab es die übliche Regierungs- und Europa-Kritik.

Bei der Gegendemonstration sind zwei Personen festgenommen worden. Beide seien dem rechten Lager zuzuordnen, teilte die Polizei mit. Vorgeworfen wird ihnen Widerstand gegen die Staatsgewalt. Die Polizei hatte versucht, eine Auseinandersetzung zwischen linken Demonstranten und FPÖ-Sympathisanten zu schlichten, als es zu den Vorfällen kam.

Auch zwei Anzeigen gegen Personen, die die Abschlusskundgebung gestört hatten, wurden erteilt. Dabei handelt es sich um einen jungen Mann, der angeblich einen Knallkörper in Richtung Bühne, wo FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache seine Rede hielt, geworfen hatte. Ein weiterer FPÖ-Gegner hatte versucht, mit einem Transparent in Richtung Bühne zu stürmen. Beide Anzeigen wurden aufgrund von Ordnungsstörung erstattet.

Strache: Graf "aufrechter Demokrat"

Laut Polizeiangaben rund 1.200 FPÖ-Anhänger hatten sich auf dem in Wahlkampfzeiten beliebten Platz in Wien-Favoriten eingefunden. Sie wurden zwei Stunden lang von der "John Otti Band" auf den Auftritt Straches und des FPÖ-Spitzenkandidaten Andreas Mölzer eingestimmt.

"Wir stehen zu Dir, weil Du ein aufrechter Demokrat immer gewesen bist", holte Strache während seiner mehr als einstündigen Rede Graf auf die Bühne. Dieser sagte allerdings kein Wort und ließ sich von der Menge bejubeln. Strache weiter: "Martin Graf ist ein Mensch, der Demokratie lebt." Zum Streit mit Muzicant forderte der FPÖ-Chef abermals eine offene Aussprache.

Auch sonst verteidigte Strache den von den anderen Parteien als hetzerisch kritisierten Wahlkampf der FPÖ. "Man will uns offenbar zu Freiwild erklären, man will uns offenbar zu den Verfolgten der Neuzeit machen", sah er sich und seine Partei abermals in der Opferrolle. "Es gibt wirklich ein Naziproblem, ein rotes Naziproblem", sagte er.

Erneut Israel Thema bei Straches Rede

Strache bekräftigte auch seine Ablehnung eines EU-Beitritts der Türkei: "Ich schätze und respektiere das türkische Volk und die türkische Kultur, aber die Türkei ist kein Teil Europas." Auch für andere Länder, die angeblich der europäischen Union beitreten wollen, gelte dies. Erneut sprach der FPÖ-Chef von Israel. Hier gelte es, eine "ehrliche, sachliche und offene Debatte" zu führen.

Strache versuchte den Spagat, massive EU-Kritik zu üben und gleichzeitig seine Anhänger zur Wahl zu bewegen. "Die EU ist ja nicht Europa, sondern ein fehlgeleiteter Verein", meinte er, plädierte aber im nächsten Atemzug für ein "Europa der Vaterländer". Auch versuchte er, beim roten und schwarzen Wählerpotenzial zu fischen, indem er meinte, SPÖ und ÖVP hätten gar nichts mehr mit ihren ursprünglichen Traditionen zu tun und seien abgehoben. Schon bald könne die FPÖ stärkste Partei in Österreich werden.

Mölzer verurteilte News-Cover

Auch der eigentliche EU-Spitzenkandidat Mölzer kam kurz zu Wort. Er verurteilte das Cover der jüngsten Ausgabe der Info-Illustrierten "News", auf dem in einer Fotomontage Strache und Graf im Reichsparteitag zu sehen sind. Es sei ein Skandal, mit einem "Verbrecher wie Hermann Göring" und einem "Jahrhundertverbrecher" wie Adolf Hitler verglichen zu werden. Die Gegendemonstranten auf dem Platz bezeichnete er als "gewaltbereites Gesindel" und Anarchisten. Zuvor hatte schon Generalsekretär Harald Vilimsky gemeint, dass diese zwei Stationen weiter in Richtung Südbahnhof gehörten, "dann mögen sie sich ein anderes Land suchen".

Der offizielle FPÖ-Wahlkampfabschluss endete mit dem Absingen der Bundeshymne und dem Abspielen des aktuellen Strache-Raps. Für Freitag hat die FPÖ allerdings noch zu einer abschließenden Kundgebung ins oberösterreichische Frankenburg, den langjährigen Wohnort der Familie Zogaj, geladen.

Gegendemonstration endete mit Wurfgeschoss-Attacken

Die Demonstration ging nicht so friedlich zu Ende, wie sie begonnen hatte. Während Straches Rede wurden Eier, Erädpfel und Bierdosen in Richtung der blauen Kundgebungsteilnehmer geworfen, trafen allerdings großteils die Polizisten. Diese hatten angesichts der auf der FPÖ-Seite in Stellung gegangenen Jugendlichen weitläufig Absperrungen zwischen den beiden Demonstrantengruppen errichtet.

Nach der über einstündigen Ansprache des FPÖ-Chefs setzte kurzzeitig ein regelrechter Wurfgeschoss-Hagel zwischen beiden Seiten ein. Auf der FPÖ-Seite postierte kahlköpfige, selbst erklärte "Jungmannen" reagierten mit "Ausländer raus"- und "Zick-Zack-Zigeunerpack"-Sprechchören. Ein anwesender FPÖ-Funktionär bemühte sich um Beruhigung, da sich der Unmut der Jugendlichen zunehmend auch gegen die Polizei richtete: "Die Bullen schützen uns vor unserer eigenen Aggression."

Demonstration begann friedlich

Die Demonstration war zunächst friedlich. Die Sozialistische Linkspartei (SLP) hatte die Demonstration gegen die FPÖ-Abschlusskundgebung für die EU-Wahl in Wien angemeldet. Rund 200 großteils junge Aktivisten zogen gegen 16.30 Uhr vom Reumannplatz zum von der Polizei abgesperrten Viktor Adler-Markt in Wien-Favoriten und versuchten in Sichtweite der blauen Bühne auf sich aufmerksam zu machen. Mit Slogans wie "Arbeitsplätze statt Ausländerhetze" und "Nieder mit der FPÖ" versuchten die Gegendemonstranten gegen die Tonanlage der FPÖ-Vorgruppe "John Otti Band" anzugehen. (APA)

 

  • Strache bei der Kundgebung Donnerstag am Victor-Adler-Markt in Wien-Favoriten.
    foto: standard/cremer

    Strache bei der Kundgebung Donnerstag am Victor-Adler-Markt in Wien-Favoriten.

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    Die Menge beklatscht Strache

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    Die Polizei versuchten die Gegendemonstration und die Wahlkampfveranstaltung zu trennen. Es kam auf beiden Seiten zu Wurfgeschoss-Attacken.

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    Die Polizei muss auf beiden Seiten eingreifen. Zwei Demonstranten, die dem rechten Lager zuzuordnen sind, wurden festgenommen.

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