Bittere Pillen

4. Juni 2009, 19:31
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Die Wiener Ärztekammer lädt am Samstag zur Fortbildung über Doping.

Die Ärztekammer ist selbstverständlich gegen Doping und klärt über "Doping - eine unendliche Geschichte" auf.

Vor rund elf Jahren wurde der ehemalige DDR-Arzt Bernd Pansold in Deutschland wegen Dopings von Minderjährigen verurteilt. Er arbeitet seit vielen Jahren in Österreich. Jetzt erzählt die heimische Ärzteschaft eine "unendliche Geschichte". Welche? Der informelle Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit Pansold bezeichnete 1976 seinem Stasi-Führungsoffizier gegenüber Doping als "kriminelles Vergehen". Dreißig Jahre später stellt sich die Wiener Ärzteschaft öffentlich dem Problem. Der Arzt Pansold referierte Jahre nach seiner Verurteilung auf der Website der Sporthilfe über Kondition. Ein Grund mehr, hierzulande endlich mit der kritischen Aufarbeitung der Geschichte anzufangen. Einer Geschichte von DDR-Trainern und Ärzten, die nach dem Zusammenbruch des Zwangsdopingparadieses nach Österreich auswanderten und manchem Sportler auf die Beine halfen.

Falls die Ärztekammer die Sache tatsächlich ernst nimmt, ist der Titel der Fortbildung irreführend. Er legt nämlich Assoziationen zu Märchen nahe. Lisa Hütthaler, Walter Mayer, Stefan Matschiner oder der Red-Bull-Leistungsdiagnostiker Bernd Pansold sind aber keine Märchenfiguren. Doping ist eine fundamentale Verirrung und ohne Hilfe von Ärzten unmöglich. Die Mediziner sollten keine "Geschichte" erzählen, sondern sich wie Vereine und Verbände ihrer Verantwortung stellen. Alles andere ist ethische Quacksalberei.

 

 

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