Stil und Substanz

4. Juni 2009, 19:31
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Die Wendung "Friede sei mit ihnen" wäre einem Bush in seinem Leben nicht eingefallen

Noch kein amerikanischer Präsident hat wohl in einer Rede eine Wendung eingeflochten wie "Moses, Christus, Mohammed - Friede sei mit ihnen". Diese für den Kulturkreis, zu dem Barack Obama sprach, typische Wendung "Friede sei mit ihnen" wurde vom Publikum in der Universität von Kairo mit Applaus belohnt. Es wurde offenbar verstanden als Geste eines US-Präsidenten, sich in eine andere, in die islamische Kultur einzufühlen. Das wäre einem Bush in seinem Leben nicht eingefallen - und in dieser Form auch nicht einem Clinton. Es war als Ende der amerikanischen Arroganz, des Hegemoniedenkens und des gewaltsamen Aufzwingens amerikanischer Werte intendiert und kam auch so über die Bühne. Viel Stil, wenig Substanz, könnte man sagen, aber bei einer Rede, die einen neuen Ton zwischen den USA und der muslimischen Welt anstrebt, ist zunächst einmal der Stil wichtig.

Entscheidend war aber wohl, dass Obama alle Defizite dieses Raums offen angesprochen hat - den Terrorismus ebenso wie die israelische Siedlungspolitik, deren Ende er hart forderte, die Größe der islamischen Kultur ebenso wie die Benachteiligung der Frauen in dieser Welt.

 

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