In der (Erd-)Mitte liegt die Kraft

4. Juni 2009, 17:34
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    Visionär mit Vorliebe für schnelle Motorräder: John Ohneangst will die drängenden Energiefragen lösen.

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John Ohneangsts Energievisionen und Granny Smiths grüner Daumen in Linda Bildas Comics "Die goldene Welt"

Wien - Die Lösung zum Energieproblem liegt in einer Tiefe zwischen 2900 und 5100 Kilometern, ist flüssig und hat eine Temperatur von circa 2900 Grad Celsius. John Ohneangst träumt davon, die unendlichen Energien, die unser Planet birgt, auch "ausschöpfen" zu können.

Ohneangst, einer der Helden in Linda Bildas Comics "Die goldene Welt", schwebt vor, mittels Magmabohrungen zu jenen Höllentemperaturen im äußeren Erdkern vorzudringen. Auch kosmische Elektrospannung und Meeresströmungen will der junge, langhaarige Physiker (Harvard-Absolvent) mit Motorrad-Faible zur Stromgewinnung nutzen und in seinem Unternehmen "Alternative Powers Unlimited" vermarkten. Visionär auch die pflanzenbesingende, smarte Gwendolyn "Granny" Smith. Die setzt ihren grünen Daumen gewinnbringend in der Pharma-Branche ein.

Bildas "ökologische" Protagonisten sind aber keine Reaktion auf Zeitgeist oder den fürs Filmbiz festgestellten Hipness-Faktor, stellt die Künstlerin fest, sondern durch das Thema ihres, den Kapitalismus als Idee hinterfragenden Comics, bedingt: Um die alleinige Erbschaft eines riesigen Vermögens anzutreten, müssen sieben Personen versuchen, aus 100.000 Dollar Startkapital den höchsten Gewinn zu schlagen: "Die dargestellten Unternehmen decken eher verschiedene Fragestellungen im wirtschaftlichen Spektrum ab. Energie und Landwirtschaft als Kernpunkte jeder Produktion."

Im Spiel ums Erbe bleibt es aber auch nicht aus, dass die Helden der Goldenen Welt brüchig werden, ihre hehren Ziele verraten. Kein fiktives Szenario, sondern im Grunde sehr real. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.6.2009)

 

 

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