Finstere Zeiten fürs Klima-Argument

4. Juni 2009, 17:23
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Brüssels Energiesparlampen-Beschluss emotionalisiert den EU-Wahlkampf

Wien - Mirko Bernhard, Beleuchtungsexperte beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), hält "die künstliche Aufregung nicht mehr aus". Am 5. Dezember 2008 hat die EU-Kommission das unionsweite Aus für Thomas Edisons Erfindung aus dem 19. Jahrhundert, die Glühbirne, besiegelt und einen Stufenplan für ihren flächendeckenden Ersatz durch Energiesparlampen beschlossen. Seither - und knapp vor den EU-Wahlen am Sonntag, dem 7. Juni 2009, besonders laut - töne die "haltlose Klage" über angeblich kaltes Licht sowie Quecksilber- und Elektrosmogverbreitung durch die Leuchtkörper der neuen Generation.

"Das ist reiner Populismus. Zwar gibt es mit der Energiesparlampe noch Startprobleme: etwa dass viele Typen bei großer Kälte eine kürzere Lebensdauer als angegeben haben. Doch wer es mit dem Klimaschutz ernst meint, muss damit irgendwo anfangen", sagt Bernhard. Wahlwerber wie Hans-Peter Martin, der den Energiesparlampenbeschluss kritisierend und Glühbirnen verteilend durch die Lande zieht - aber auch SPÖ, FPÖ und BZÖ - ignorierten die Realitäten.

Realitäten, die da etwa seien: "Die klassische Glühbirne setzt nur fünf Prozent der Energie in Helligkeit um. Mit dem Rest heizt sie die Luft auf. Werden in Österreich 80 Prozent aller Birnen durch Sparlampen ersetzt, wird der gesamte klimaerwärmende CO2-Ausstoß um zehn Prozent reduziert". Zudem, ergänzt Helmut Weixler, Sprecher der österreichischen EU-Grünen, sei der Kommissionsbeschluss durch den EU-Umweltausschuss bestätigt worden. Warum die Sache nicht gleich vors Europaparlament kam? "Das ist bei solchen Komitologieverfahren nicht üblich."

Verzettelte Kompetenzen

Konkret zu spüren wird die Brüsseler Vorschrift ab 1. September 2009 sein, wenn die 100-WattLeuchten aus dem Verkauf kommen. Wer damit - oder mit der Sparlampe an sich - Probleme hat, kann hierzulande unter vielen Ansprechparntnern wählen, die alle nur teilzuständig sind: für das Produkt das Wirtschafts-, für die Entsorgung das Landwirtschafts-, für gesundheitliche Einwände das Gesundheitsministerium. (Irene Brickner, DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2009)

  • Ab September gibt es EU-weit keine 100-Watt-Glühbirnen (hier in der
Schale liegend) mehr zu kaufen. Das tut laut Experten Umwelt und Klima
gut, doch knapp vor der EU-Wahl hören das nur wenige.
    foto: cremer

    Ab September gibt es EU-weit keine 100-Watt-Glühbirnen (hier in der Schale liegend) mehr zu kaufen. Das tut laut Experten Umwelt und Klima gut, doch knapp vor der EU-Wahl hören das nur wenige.

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