So ein Mist: Der ökologische Fußabdruck im Drei-Personen-Haushalt plus Katzen ist einfach zu groß
So ein Mist: Der ökologische Fußabdruck im Drei-Personen-Haushalt plus Katzen ist einfach zu groß. Eine Ursachenforschung nach fehlerhaftem Wegwerfverhalten und Optimierung der eigenen CO2-Bilanz.
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Ein Umweltschwein bin ich nicht. Zumindest in der Eigenwahrnehmung. Müll wird getrennt: Papier, Glas, Plastik, Metall, Restmüll. Ich kaufe saisonale Bioprodukte und nutze das Auto selten. Doch mein Internet-Selbsttest ist blamabel: Die Fläche der Erde, die meine Familie für die täglichen Dinge des Lebens verbraucht, also mein ökologischer Fußabdruck, beträgt 7,14 Hektar. Der österreichische Durchschnitt liegt bei 4,9, und das Ziel sollten 1,8 Hektar sein. Wo also sind meine Sünden? Die Erstellung eines Mistprotokolls ist der erste Schritt in der Fehlersuche. So etwas ist eine sehr monotone Sache. Im Rückblick fällt nämlich jeden Tag fast immer dasselbe an. Kaffeetabs in der Früh, vier Dosen Katzenfutter täglich. Die Mülllawinen beginnen abends, und zwar dann, wenn gekocht wird. Kochen macht Mist: Plastikverpackungen, Einpackpapier, leere Tuben. Für den Bioabfall gibt es keinen eigenen Kübel, weil's stinkt und auch aus Platzmangel, ehrlich gesagt.
Die vier Seiten Protokoll kontrolliert dann Volkmar Klouch, Leiter der Müll- und Altstoffsammlung der MA 48 in Wien. "Sie schmeißen einmal in der Woche Lebensmittel weg, Stanniolpapier gehört nicht in den Restmüll, und Plastikflaschen vom Haarshampoo sind mülltechnisch nicht Restmüll", listet er die großen Sünden auf.
Zu viel Verpackung
Mülltechnisch sei das Einkaufen im Supermarkt wegen der vielen Verpackungen sowieso suboptimal, sagt er, und neben dem Biomüll gäbe es zum Sammeln von Altöl übrigens auch noch Wöli, eine orange Box, die in der Problemstoffsammelstelle abzugeben wäre. Und wie wichtig ist Mülltrennen? "Wir kämpfen immer noch gegen das hartnäckige Vorurteil, dass bei der Verbrennung wieder alles zusammengeschmissen wird, das stimmt aber keineswegs. Alles wird verwertet", sagt Klouch. 5000 Tonnen Metall pro Jahr werden sortiert, 130 Tonnen Papier sowie die 25.000 Tonnen Glas und die 5500 Tonnen Plastik werden rezykliert. Aus Biomüll wird Kompost gemacht, und dort, wo er hergestellt wird, werden die Traktoren mit Biodiesel aus der Wöli-Sammlung betrieben. Folgenschwere Fehlwürfe, so nennt die MA 48 falsch weggeschmissenen Mist, seien vor allem falsches Glas in den Glasflaschensammlungen und Buntglas in Weißglas. Eine persönliche Trennsünde: Ich drücke PET-Flaschen nie flach. Klouch zeigt mir den Knicktrick.
Der ganze Wiener Restmüll, das sind übrigens 500.000 Tonnen im Jahr, wird verbrannt, die Schlacken werden mit Zement vermischt, und das sieht dann aus wie Erde. Was in meinem persönlichen Müll nie verbrennt: Katzenstreu, das fällt einmal pro Woche an.
Der nächste Schritt in der Selbstbetrachtung: Die Lektüre eines CO2-Zählers (Pendo-Verlag, 2007, € 6,90): Das geht dann auch richtig an die Substanz. Die meist beruflichen Flugreisen sind eine CO2-Bombe und lassen sich durch noch so korrektes Alltagsverhalten nicht wettmachen. Zudem isst unsere Familie zu viel Butter, zu viel Fleisch, wir kochen meistens ohne Kochtopfdeckel, haben es im Winter zu warm und generell zu viel Licht in der Wohnung. Unser Fernseher ist zu alt, wir duschen zu lange und zu heiß, und außerdem würden mehr Öffis und Bahn die persönliche CO2-Bilanz auffrisieren.
Öko macht gesund
Das hilft nicht nur der Erde, sondern schlussendlich auch der Gesundheit: Wer mehr Gemüseals Fleisch isst, am Markt regio-nal einkauft und dann selbst kocht, tut dem Körper etwas Gutes, um-so mehr wenn man sich eher mit dem Fahrrad als motorisiert fort-bewegt.
Nur die Katzen bleiben, ökologisch betrachtet, ein Klotz am Bein. Allein: Sie schnurren so sanft. Ich werde ab sofort auch Biomüll sammeln, um ihre Sünden zu kompensieren. (Karin Pollack, DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2009)