Fehlwürfe, Störstoffe und Knicktricks

4. Juni 2009, 17:17
  • Artikelbild
    foto: cremer

    Aus dem Wiener Biomüll wird entweder Fernwärme oder Kompost.

So ein Mist: Der ökologische Fußabdruck im Drei-Personen-Haushalt plus Katzen ist einfach zu groß

So ein Mist: Der ökologische Fußabdruck im Drei-Personen-Haushalt plus Katzen ist einfach zu groß. Eine Ursachenforschung nach fehlerhaftem Wegwerfverhalten und Optimierung der eigenen CO2-Bilanz.

***

Ein Umweltschwein bin ich nicht. Zumindest in der Eigenwahrnehmung. Müll wird getrennt: Papier, Glas, Plastik, Metall, Restmüll. Ich kaufe saisonale Bioprodukte und nutze das Auto selten. Doch mein Internet-Selbsttest ist blamabel: Die Fläche der Erde, die meine Familie für die täglichen Dinge des Lebens verbraucht, also mein ökologischer Fußabdruck, beträgt 7,14 Hektar. Der österreichische Durchschnitt liegt bei 4,9, und das Ziel sollten 1,8 Hektar sein. Wo also sind meine Sünden? Die Erstellung eines Mistprotokolls ist der erste Schritt in der Fehlersuche. So etwas ist eine sehr monotone Sache. Im Rückblick fällt nämlich jeden Tag fast immer dasselbe an. Kaffeetabs in der Früh, vier Dosen Katzenfutter täglich. Die Mülllawinen beginnen abends, und zwar dann, wenn gekocht wird. Kochen macht Mist: Plastikverpackungen, Einpackpapier, leere Tuben. Für den Bioabfall gibt es keinen eigenen Kübel, weil's stinkt und auch aus Platzmangel, ehrlich gesagt.

Die vier Seiten Protokoll kontrolliert dann Volkmar Klouch, Leiter der Müll- und Altstoffsammlung der MA 48 in Wien. "Sie schmeißen einmal in der Woche Lebensmittel weg, Stanniolpapier gehört nicht in den Restmüll, und Plastikflaschen vom Haarshampoo sind mülltechnisch nicht Restmüll", listet er die großen Sünden auf.

Zu viel Verpackung

Mülltechnisch sei das Einkaufen im Supermarkt wegen der vielen Verpackungen sowieso suboptimal, sagt er, und neben dem Biomüll gäbe es zum Sammeln von Altöl übrigens auch noch Wöli, eine orange Box, die in der Problemstoffsammelstelle abzugeben wäre. Und wie wichtig ist Mülltrennen? "Wir kämpfen immer noch gegen das hartnäckige Vorurteil, dass bei der Verbrennung wieder alles zusammengeschmissen wird, das stimmt aber keineswegs. Alles wird verwertet", sagt Klouch. 5000 Tonnen Metall pro Jahr werden sortiert, 130 Tonnen Papier sowie die 25.000 Tonnen Glas und die 5500 Tonnen Plastik werden rezykliert. Aus Biomüll wird Kompost gemacht, und dort, wo er hergestellt wird, werden die Traktoren mit Biodiesel aus der Wöli-Sammlung betrieben. Folgenschwere Fehlwürfe, so nennt die MA 48 falsch weggeschmissenen Mist, seien vor allem falsches Glas in den Glasflaschensammlungen und Buntglas in Weißglas. Eine persönliche Trennsünde: Ich drücke PET-Flaschen nie flach. Klouch zeigt mir den Knicktrick.

Der ganze Wiener Restmüll, das sind übrigens 500.000 Tonnen im Jahr, wird verbrannt, die Schlacken werden mit Zement vermischt, und das sieht dann aus wie Erde. Was in meinem persönlichen Müll nie verbrennt: Katzenstreu, das fällt einmal pro Woche an.

Der nächste Schritt in der Selbstbetrachtung: Die Lektüre eines CO2-Zählers (Pendo-Verlag, 2007, € 6,90): Das geht dann auch richtig an die Substanz. Die meist beruflichen Flugreisen sind eine CO2-Bombe und lassen sich durch noch so korrektes Alltagsverhalten nicht wettmachen. Zudem isst unsere Familie zu viel Butter, zu viel Fleisch, wir kochen meistens ohne Kochtopfdeckel, haben es im Winter zu warm und generell zu viel Licht in der Wohnung. Unser Fernseher ist zu alt, wir duschen zu lange und zu heiß, und außerdem würden mehr Öffis und Bahn die persönliche CO2-Bilanz auffrisieren.

Öko macht gesund

Das hilft nicht nur der Erde, sondern schlussendlich auch der Gesundheit: Wer mehr Gemüseals Fleisch isst, am Markt regio-nal einkauft und dann selbst kocht, tut dem Körper etwas Gutes, um-so mehr wenn man sich eher mit dem Fahrrad als motorisiert fort-bewegt.

Nur die Katzen bleiben, ökologisch betrachtet, ein Klotz am Bein. Allein: Sie schnurren so sanft. Ich werde ab sofort auch Biomüll sammeln, um ihre Sünden zu kompensieren. (Karin Pollack, DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2
Rolanda von Gilead
 
00
mülltrennung

wir trennen zu hause seit jahren den müll.
ich dachte ich verhör mich, als mir der herr vom recyclinghof letztens gesagt hat, ich könne den plastikmüll eigentlich zum restmüll werfen, weil das bei ihrer verbrennungsanlage (und vielen anderen) sowieso wieder zusammengeworfen wird.

Michael Bakunin
00
stimmt nicht

die plastikflschen werden recycled und wieder zu plastikflaschen u.a. verarbeitet.
anderen plastikmüll wie folien, jogurtbecher etc. kannst aber wirklich zum restmüll werfen, denn damit kann man nichts mehr anfangen.

plage
00
achtung!

es gibt leider auch bei den plastikflaschen verschiedene arten von plastik. nur die pet-flaschen werden sortenrein gesammelt und wiederverwerted.
der grösste unsinn bei getränken: tetrapak! da ist kein recyceln möglich.

Michael Bakunin
01

wieso werden die tetrapaks dann mit so viel aufwand getrennt gesammelt? wennn davon niemand einen nutzen hätte, würden sie das ja nicht tun:
http://www.oekobox.at

Rolanda von Gilead
 
00

ok.. dann hab ich das mit dem plastikmüll wohl falsch verstanden. danke für die auskunft =)

samba cat
00
zum katzenfussabdruck

eine co2-freundliche werbeeinschaltung: es gibt katzenstreu aus sägespänen. funktioniert wie das bentonit-zeug, riecht aber besser :-) und brennt vermutlich wie zunder.

Am Boden der Badewanne ist ein tiefes, dunkles Loch
00

7,14 ha? Bei dem depperten Test komme ich als bekennende Umweltsau nur auf 7,54. Und ich hab alles angekreuzt, was den Ökos die Dreadlocks aufstellt.

Tante Herbert
00
Wer fürs Kilo Kaffee 43 Euro zahlt...

...sollte sich nicht wundern dass da mehr Müll dabei ist!

johnsp
00
Plastik im Hausmüll

Vor nicht allzulanger Zeit wurde geschrieben, dass dem Hausmüll in Wien bei der Verbrennung aufgrund des zu niedrigen Plastikanteiles Öl zugesetzt werden muß, um die richtige Temperatur zu erreichen. Dies macht Trennen zu einer Absurdität.

Michael Bakunin
00
schwachsinn

wo hast du denn diesen schwachsinn her?
das stimmt natürlich nicht. der restmüll brennt wunderbar.

monkeyboy
00
130 t Papier

in Wien? Das muss doch wohl eine Tages-Zahl sein und keine Jahres-Ziffer?

Michael Bakunin
00

stimmt, das ist ein tippfehler. es muss wahrscheinlich 130.000 t heißen.

DITC101
00

was mir auffällt: der meiste restmüll ist plastikverpackung. sei es die plastikschale vom obst, oder vom fleisch, joghurtbecher, etc. den rest trenne ich eh fleißig (papier, glas, plastikflaschen, metall).

.MS.
00
Der Test vom WWF ist leider sehr schlecht gemacht

Mein Ökologischer Fußabdruck liegt laut deren Berechnung knapp über 4 Hektar. Wenn ich nicht alleine wohnen würde, würde das im Ergebnis defacto nicht berücksichtigt, obwohl es einen extremen Unterschied macht, ob für eine Person oder ganze Familie geheizt, gekocht, gekühlt usw wird. Auf www.fussabdruck.at wäre nur der Miskübel öfter voll und die Ökobilanz angeblich schlechter...

bum jacques
00

diese art von berichterstattung ist teil des problems.

es geht doch viel weniger um qualität (liste von "darfst nichts") - als um quantität. wo kann ich mit geringem aufwand viel einsparen?

30 sekunden kürzer duschen macht doch viel mehr aus als mülltrennen.

Michael Bakunin
00

der sinn deines postings ist mir trotz mehrfachen durchlesen immer noch nicht klar geworden.
was willst du uns damit sagen? ;-)

johann potakowskyj
 
00
es gibt so

wassersparbrausen. ich hab so etwas gekauft, weil ich einen elektrischen durchlauferhitzer verwenden möchte.

fallen sie nicht über mich her. Wenn man allein lebt ist das rationeller als ein boiler. Warum soll man 50-100l wasser warmhalten, wenn man höchstens 10l braucht.

derzeit verwende ich eine kübeldusche, weil meine bude immer noch nicht fertig ist. für die 8l, die in den kübel gehen brauch ich im winter 1l im sommer 3/4l heisses wasser zu reinmischen.
da kann ich duschen (mit der kanne) und mit dem rest wasser das frühstücksgeschirr abwaschen.

man soll der ökoindustrie nicht reinfallen und teure anschaffungen machen. immer erst prüfen, ob das überhaupt relevant ist. oft ist das ganze nur eine elegantere form des taschlziehens.

Am Boden der Badewanne ist ein tiefes, dunkles Loch
00

Und anschließend in jedem Fall schämen. Das hilft auch.

Claidheamh Mòr
02
2 x /Jahr duschen

ist auch eine Moeglichkeit.

johann potakowskyj
 
10
sie fahren auch manchesmal in der U6

?

Karlibua
01
Nur blöd, dass Müll heutzutage bereits Rohstoff ist.

In kalorischen Kraftwerken wird unser Hausmüll verbrannt, für den wir zu hohe Gebüren zahlen, und welcher uns anschließend den zu hoch bezahlten Strom liefert.
Und wenn jetzt irgend jemand sagt, Müllverbrennung ist unwirtschaftlich, wie kann dann ein Kraftwerk, welches teures Öl verbrennt, wirtschaftlich sein!
Für Eisen hat man bis vor einem halben Jahr noch 10 Cent beim Eisentandler bekommen.
Vor kurzem hat in der Branche noch keiner gesudert, dass sie zu fette Gewinne machen!

Michael Bakunin
00

wenn etwas verbrannt wird, ist es kein rohstoff mehr.

the artist formerly known as ==McMurphy==
00

wenn etwas verbrannt wird,
kann es ein rohstoff sein,
bis es verbrannt ist.


;-)

living reef
00
ein alter röhrenferneher verbraucht weniger strom als ein neuer mit plasmaschirm!

the artist formerly known as ==McMurphy==
00

mythos;

je nach größe, plasma, lcd, röhren, 150 bis 250 Watt pro Stunde - kaum ein unterschied bei vergleichbaren größen.

http://www.haushaltsgeld.net/energieve... leich.html

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.