Wie biologisch ist eigentlich "bio"?

4. Juni 2009, 17:06
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Die schwierige Etikettierung von Nahrung und Kosmetik

Für Handel und Industrie ist "bio" ein Wachstumsmarkt. Wo die drei Buchstaben draufstehen, können Lebensmittel und Kosmetika teurer verkauft werden. Die bange Frage der Konsumenten:Wie verbindlich ist dieses Etikett? Über Nahrungsmittel weiß Karl Plsek aus dem Gesundheitsministerium und Mitglied des Ausschusses Biologische Produktion bei der Europäischen Kommission: "Biologische Landwirtschaft ist EU-weit geregelt. Wer ,bio‘ auf ein Nahrungsmittel schreibt, muss konform mit der Bioverordnung produzieren." Konkret schließt diese den Einsatz von chemisch-synthetischen Substanzen, wie etwa Pestizide oder Dünger, aus. Das wird von Kontrollinstanzen geprüft, Etikettenschwindel findet nur sehr selten statt.

Das EU-Logo ist aber bei weitem nicht das einzige Qualitätssiegel am Markt. Im Gegenteil. Jeder Verband und jede Handelsmarke darf heute ein Qualitätssiegel mit Bio-Garantie etablieren. "Viele davon rühmen sich dann, strenger als die EU zu sein" , sagt Plsek. Das Verbandszeichen "Bio Austria" oder die Handelsmarke "Ja, natürlich" sind Beispiele dafür.

Creme und Konsorten

Noch um einiges schwieriger gestaltet sich die Lage im Bereich Kosmetik. Auch da boomt "Naturkosmetik" , wobei diese Bezeichnung in Österreich nicht näher spezifiziert war.

Unter der Federführung des Instituts für nachhaltige Techniken und Systeme am Joanneum-Research-Zentrum wurde im Jänner das österreichische Naturkosmetikgütezeichen entwickelt und vorgestellt. Es garantiert, dass entsprechend des Codex ausschließlich pflanzliche Inhaltsstoffe in einem Produkt enthalten sind. Mit einer Ausnahme: Konservierungsstoffe, sie dürfen auch gewisse naturidente Stoffe enthalten . "Dieses geprüfte Gütesiegel ist das strengste EU-weit und übertrifft bestehende Etikettierungen wie BDIH, Eco-cert oder NaTrue bei weitem" , erklärt Projektleiter Herbert Böchzelt. Was in Österreich noch fehlt:eine einheitliche Regelung zu Biokosmetik, die gibt es noch nicht. (Karin Pollack, DER STANDARD - Printausgabe, 5. Juni 2009)

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