"Umweltpolitik ist heute Energiepolitik"

4. Juni 2009, 16:51
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Die größten Umwelterfolge verdankt Österreich inzwischen der Europäischen Union

Auf den ersten Blick ist die Umweltsituation im Lot: Die Flüsse sind sauber, der Wald ist nicht gestorben. Gerhard Heilingbrunner, der 1984 als Umweltreferent der Hochschülerschaft die Besetzung der Hainburger Au organisierte, mahnt allerdings dazu, näher hinzuschauen: "Optisch sind die Gewässer ja in Ordnung, genauer gesagt: Chemisch ist der Zustand bis auf auffällige Ausnahmen wie das Schäumen der Raab durchaus okay. Was dabei untergeht, ist aber, dass 65 Prozent der großen Flüsse in Österreich nicht ausreichend strukturiert sind - die befinden sich in einem ökologischen Risikozustand, weil Stauhaltungen und Regulierungen den Lebensraum vieler Arten zerstört haben."

Heilingbrunner, der inzwischen Präsident des Umweltdachverbands ist, betont, dass die EU-Vorgaben inzwischen die wichtigsten Instrumente für den Umweltschutz sind.

So zwingt die Wasserrahmenrichtlinie dazu, bis 2027 die Flussökosysteme zu renaturieren; die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und die Vogelschutzrichtlinie haben dazu geführt, dass 15 Prozent der Landesfläche unter mehr oder weniger strengen Schutz gestellt sind und dass sogar noch weitere Ökosysteme (wie die obere Isel in Osttirol) von der EU zur Nachnominierung eingemahnt werden.

Viele Fachbereiche

Umweltschutz als solcher sei kaum mehr ein Thema, räumt Heilingbrunner ein - weil sich der Schutz in viele Fachgebiete aufgespaltet hat: Da ist einerseits der klassische Naturschutz, dann der technische Umweltschutz zur Vermeidung von Emissionen und schließlich der Klimaschutz - wobei alle drei Bereiche durch die Energiepolitik geklammert sind.

"Umweltpolitik ist heute Energiepolitik, weil es da um Treibhausgase aus Verkehr, Industrie und Kraftwerken geht, weil es um die Begehrlichkeiten geht, Wasserkraftwerke in schützenswerten Landschaften zu errichten - was ganz aktuell von der Bundesregierung vorangetrieben wird" , kritisiert Heilingbrunner.

Positiv bewertet er das - auf Druck der EU vereinbarte - Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien auszubauen. Und er lobt den Zustand der Wälder: Dass seit den frühen Achtzigerjahren die waldverwüstenden Immissionen abgenommen haben, sieht er als Erfolg der Umweltorganisationen, die Druck auf Politik, E-Wirtschaft und Industrie gemacht haben. Zu tun gäbe es aber noch genug: Viele Schutzwälder seien in bedenklichem Zustand. (Conrad Seidl, DER STANDARD-Printausgabe, 5.6.2009)

 

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