Österreichs Wirtschaft schrumpft heuer um 4,2 Prozent

4. Juni 2009, 16:45
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Auch 2010 noch Rezession, Deflation im zweiten Halbjahr 2009, Wachstum erst 2011 - Nowotny: Erste Anzeichen für Erholung

Wien - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat ihre Prognose für die österreichische Wirtschaft deutlich zurückgenommen und erwartet infolge des weltweiten Wachstumseinbruchs eine deutliche Rezession für das Jahr 2009: Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde um 4,2 Prozent schrumpfen. Nach einem weiteren leichten Rückgang um 0,4 Prozent im Jahr 2010 werde sich erst 2011 wieder ein positives reales Jahreswachstum im Ausmaß von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einstellen.

"Die Lage für die österreichische Konjunktur ist noch unbefriedigend, es sind aber erste Anzeichen für eine Erholung ersichtlich. Die OeNB rechnet mit einer Stabilisierung der Entwicklung gegen Ende des Jahres 2009", meint OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny heute Donnerstag in einer Aussendung.

Gegenüber der OeNB-Prognose vom Dezember 2008 wurden die Wachstumserwartungen für die Jahre 2009 und 2010 um 3,9 bzw. 1,2 Prozentpunkte zurückgenommen. Diese große Revision spiegle den in der Nachkriegszeit "beispiellos starken Einbruch der Export- und Investitionsnachfrage" wider: Der Abschwung sei so ausgeprägt, dass bis zum Jahr 2011 das Niveau des Bruttoinlandsprodukts des Jahres 2007 nicht wieder erreicht werde.

Niedrige Inflationsrate

Die Preise werden im zweiten Halbjahr sinken, prognostiziert die Nationalbank, für das Gesamtjahr 2009 erwartet die OeNB eine sehr niedrige Inflationsrate. Nach dem historischen Anstieg der Verbraucherpreise 2008 führe der Rückgang der Energie- und Rohstoffpreise "vorübergehend" zu negativen Inflationsraten im zweiten Halbjahr 2009 und einer sehr niedrigen Inflationsrate von 0,4 Prozent für das Gesamtjahr 2009. Trotz sinkender Industrie- und Dienstleistungspreise werde die Inflation 2010 wieder auf moderate 1,1 Prozent steigen, 2011 wird eine marginale Erhöhung auf 1,2 Prozent erwartet.

Obwohl der private Konsum mit einem Rückgang von nur 0,3 Prozent im Jahr 2009 stabilisierend wirke, leiste die Inlandsnachfrage (exkl. Lagerveränderungen) einen negativen Wachstumsbeitrag von 2,3 Prozentpunkten. Das real verfügbare Haushaltseinkommen werde 2009 trotz der erwarteten negativen Entwicklung am Arbeitsmarkt infolge der hohen Lohnabschlüsse und der niedrigen Inflation noch um 0,3 Prozent wachsen.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt werde sich massiv verschlechtern: Das Beschäftigungswachstum werde im Jahr 2009 um 1,3 Prozent schrumpfen, die Zahl der Arbeitslosen werde in den Jahren 2009 und 2010 um insgesamt rund 132.000 steigen. Die Arbeitslosenquote laut Eurostat (saisonbereinigt) erhöht sich auf 5,3 Prozent (2009) bzw. 6,5 Prozent (2010) - ein außergewöhnlich starker Anstieg nach dem Tiefstand der Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent im Mai 2008.

Die Wirtschaftskrise führe zu einer "tiefen Rezession" in Österreich, analysiert die Nationalbank. Der weltweite Niedergang habe Österreich "in vergleichsweise guter Ausgangsposition" getroffen, der internationalen Entwicklung könne sich die heimische Wirtschaft aber nicht entziehen. Der prognostizierte Konjunktureinbruch in Österreich werde vor allem durch einen weiteren Rückgang der Exporte getrieben: Für 2009 erwartet die OeNB eine Schrumpfung der Exporte um 8,9 Prozent. Der Rückgang der Ausfuhren werde sich auch in geringerer Investitionstätigkeit niederschlagen. Auch die erschwerten Finanzierungsmöglichkeiten veranlassten Unternehmen, Investitionen zurückzufahren. (APA)

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