Sechs Erkrankungen in Österreich

5. Juni 2009, 18:37
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Alle zeigten nach USA-Reisen milde Symptome - Frau vom Flughafen Wien ins Spital gebracht

Wien/Genf - "Wir haben einen sechsten Fall der neuen Influenza in Österreich. Eine Frau, die mit dem Flugzeug in Wien ankam, war bereits während des Fluges aus New York nach Österreich auffällig gewesen. Sie wurde direkt vom Flughafen ins Krankenhaus gebracht", erklärte Freitagabend der Generaldirektor für öffentliche Gesundheit, Hubert Hrabcik, gegenüber der APA.

Die Merkblätter, die auf den AUA-Flügen aus Nordamerika verteilt werden, hätten ihre Wirkung und würden von den Reisenden begrüßt, erklärte der Experte. Nun werde man die übrigen Mitglieder der Reisegruppe kontaktieren.

Am Freitag waren fünf Verdachtsproben auf Schweinegrippe untersucht worden. Drei von Kontaktpersonen eines Kranken, der in St. Pölten ins Spital gekommen war, eine von einer Chinesin aus Graz und eine Probe aus Wiener Neustadt. Hrabcik: "Alle Proben waren negativ."

Zuvor hatte sich ein junger Mann als fünfter Österreicher mit der Schweinegrippe (H1N1) infiziert, wie in allen anderen Fällen steckte sich der Patient aus Baden bei Wien offenbar im Zuge eines Aufenthalts in den USA mit dem Virus an. Alle drei betroffenen Niederösterreicher sowie der erkrankte Steirer haben nur milde Symptome. Das galt auch für den fünften Fall: eine Frau, die sich im April infizierte.

Der österreichische Gesundheitsminister Alois Stöger (S) unterzeichnete am Freitag eine neue Verordnung für die Erfassung und Übermittlung von Passagierdaten von Fluglinien. In Kraft tritt diese am Samstag. Bereits am 30. April wurde eine solche Bestimmung aufgrund des Epidemiegesetzes erlassen, diese wurde nun adaptiert. Laut Ministersprecherin Sigrid Rosenberger würden nun die USA und Kanada, wo es immer mehr Betroffene gebe, explizit erwähnt. Laut der Bestimmung werden bei sämtlichen Direktflügen von den beiden Ländern nach Österreich künftig "Passenger Location Cards" verteilt. Auf diesen werden die Kontaktdaten so erfasst, dass eine Ermittlung des Aufenthaltsortes bei Bedarf einfacher sei.

Die Zahl der Schweinegrippe-Toten ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis Freitag auf 125 gestiegen, meldete die Nachrichtenagentur AP am Freitag. Weltweit seien aus 69 Ländern 21.940 Fälle gemeldet worden. Mehr als die Hälfte der Fälle traten nach WHO-Angaben in den USA auf, die meisten Toten waren in Mexiko zu beklagen, wo die Krankheit erstmals diagnostiziert wurde. In den USA zählte man allerdings die Erkrankungen nicht mehr. Dort dürfte die Influenza-Welle weit mehr Menschen krank gemacht haben als in den Statistiken aufscheinen.

Freitagnachmittag gab es auch ein Treffen der Influenza-Pandemie-Experten der WHO in Genf in der Schweiz. Bis zum Abend hielt sich dort die Auffassung, dass es zu keinen gravierenden Änderungen in der Bewertung der Lage kommen werde. Die Weltgesundheitsorganisation hat das Problem, dass die Pandemie-Skala (derzeit Stufe 5, also eine Stufe vor der echten Pandemie) nicht wirklich auf die derzeitige Situation abgestimmt ist. Zwar gibt es jetzt schon anhaltende Infektionsketten in mehreren Weltregionen - was für das Ausrufen einer Pandemie sprechen würde -, doch der überwiegendste Teil der Erkrankungen verläuft offenbar relativ harmlos. Darauf nimmt die Bewertung nicht Rücksicht. Sie wurde vor einigen Jahren unter Eindruck der hoch gefährlichen H5N1-Vogelgrippe mit einer hohen Todesrate geschaffen. Nun wird überlegt, ob man nicht zwischen Stufe 5 und 6 weitere Differenzierungen einführen könnte. (APA)

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