"Die Brücke"-Preis an Hans-Christian Schmid

4. Juni 2009, 15:45
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Vorschau auf das Filmfest München - Kleiner 68er-Schwerpunkt zu Monatsende

München - Der Regisseur Hans-Christian Schmid wird für seinen Film "Sturm" über Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien mit dem Friedenspreis des Deutschen Films ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Bernhard Wicki Filmpreis "Die Brücke" soll ihm während des Filmfests München am 2. Juli im Cuvilles Theater verliehen werden, teilten die Veranstalter am Donnerstag mit. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Das 27. Filmfest München findet in diesem Jahr vom 26. Juni bis zum 4. Juli statt.

Der Schauspielerpreis, der in diesem Jahr erstmals verliehen wird, geht an Ulrich Tukur für seine Rolle des "John Rabe" in dem gleichnamigen und mehrfach preisgekrönten Kriegsdrama von Florian Gallenberger. Tukur spielt darin den Chef des Siemenswerkes im chinesischen Nanking, der 1937 Zehntausende Menschen vor japanischen Angriffen rettete. "Er zieht alle Register seiner Schauspielkunst. Die Fallhöhe und die Wahrhaftigkeit dieses Ausnahmeschauspielers sind atemberaubend", hieß es in der Begründung der Jury.

Kleiner 68er-Schwerpunkt

In München gezeigt werden mehr als 200 Filme aus mehr als 30 Ländern. "Wir haben die Filme bekommen, die wir für die besten der Welt halten", sagte Festivalleiter Andreas Ströhl am Donnerstag bei der offiziellen Vorstellung des Programms in München. "Ein Trend ist auch in diesem Jahr nicht zu erkennen", sagte Ulrich Maass, der im Filmfest-Team für die Sparte "Neue Deutsche Kinofilme" verantwortlich ist. Allerdings gebe es einen Schwerpunkt: Mit dem Dokumentarfilm "Die Anwälte", dem Kinofilm "Es kommt der Tag" und dem Fernsehfilm "Dutschke" beschäftigen sich gleich drei deutsche Filme mit der 68er-Generation. "Die Anwälte" beleuchtet die unterschiedlichen Karrieren der ehemaligen RAF- und APO-Anwälte Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler. Der Erste sei später Innenminister geworden, der Zweite "das politische Gewissen der Grünen" und der Dritte ein "Vordenker der Neonazis", sagte Maass. In "Es kommt der Tag" spielt Iris Berben - in ihrer ersten Kino- Hauptrolle seit Jahren - eine untergetauchte Ex-Terroristin. Diese ist gezwungen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen, als ihre Tochter auftaucht, die sie in den 70ern zur Adoption freigegeben hatte. Der Fernsehfilm "Dutschke" setzt sich halbdokumentarisch mit dem Leben der 68er-Gallionsfigur Rudi Dutschke auseinander.

Weitere Highlights des Filmfestes sind nach Angaben der Veranstalter das Erstlingswerk "Moon" des britischen Filmemachers und David Bowie-Sohnes Duncan Jones sowie "ein Film, den es gar nicht gibt". Der französische Film "L'enfer d'Henri-Georges Clouzot" zeigt bisher unveröffentlichte Aufnahmen eines nicht vollendeten Films des Regisseurs aus dem Jahr 1964, bei dem Clouzot einen Herzinfarkt erlitt. Darin: "Romy Schneider in dem, was wahrscheinlich eine ihrer besten Rollen gewesen wäre."

Die Retrospektive des Festivals ist in diesem Jahr dem britischen Regisseur Stephen Frears gewidmet. Gezeigt werden 18 Filme von ihm, darunter auch sein neuester, "Cheri" mit Michelle Pfeiffer. Zum Eröffnungsfilm und zu prominenten Besuchern des Filmfestes wollten die Veranstalter sich noch nicht äußern. Regisseur Michael Haneke, dessen Film "Das weiße Band" in Cannes ausgezeichnet wurde, werde aber in jedem Fall vorbei kommen und den CineMerit Award entgegen nehmen, sagte Ströhl. (APA/dpa)

 

 

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