Magna stellt erste personelle Weichen

4. Juni 2009, 19:45
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Carl-Peter Forster, Europa-Chef der Opel-Mutter GM, soll die neue Gesellschaft aus Opel und Vauxhall führen

Rüsselsheim - Noch vor dem endgültigen Einstieg bei Opel hat der austro-kanadische Autozulieferer Magna mit einer Spitzenpersonalie erste Weichen für den Neuanfang des angeschlagenen Autobauers gestellt. Carl-Peter Forster, Europa-Chef des Opel-Mutterkonzerns GM, soll die neue Gesellschaft aus Opel und Vauxhall führen, sagte der Co-Chef des kanadisch-österreichischen Zulieferers, Siegfried Wolf, nach Angaben von Teilnehmern einer Betriebsversammlung in Rüsselsheim vom Donnerstag. Dort hatte Wolf am Mittwoch gemeinsam mit dem Opel-Betriebsratsvorsitzenden Klaus Franz gesprochen.

Forster hat sich bereits hochgesteckte Ziele gesetzt und will mit Opel vor 2013 wieder Gewinn machen. Forster sagte der "Bild"-Zeitung (Donnerstag-Ausgabe): "Da ist mein voller Ehrgeiz geweckt, Herrn Stronach das Gegenteil zu beweisen. Wir werden alles daran setzen, schon vor 2013 Gewinn zu machen." Magna-Chef Frank Stronach hatte zuvor erklärt, er rechne damit, dass Opel erst in vier Jahren wieder Gewinn mache.

Geschäfte laufen gut

Forster unterstrich, dass der staatliche Überbrückungskredit für Opel auf jeden Fall bis zur Unterzeichnung eines Übernahmevertrags reichen werde: "Der Kredit wird mindestens so lange ausreichen, bis die Verträge mit den Investoren unterschrieben sind. Das kann bis zu sechs Monate dauern." Die Geschäfte liefen gut, der Marktanteil steige und vom neuen Modell Insignia seien bereits 120 000 verkauft.

Bisher steht Hans Demant an der Spitze von Opel. Forster ist Europachef des bisherigen Mutterkonzerns General Motors (GM). Der frühere BMW-Manager saß bereits von 2001 bis 2004 am Opel-Steuer und hat sich damals einen Namen als harter Sanierer gemacht, bevor er 2004 an die Spitze von GM Europe wechselte.

Neben Opel und Vauxhall gehört zu GM Europe noch die schwedische Marke Saab. Diese ist allerdings insolvent und soll getrennt verkauft werden. Um die Personalie Forster habe es keine Diskussionen gegeben, hieß es aus Unternehmenskreisen, schließlich sei die neue Gesellschaft vom Umfang her eher mit GM Europe als mit der Adam Opel GmbH vergleichbar.

Einstieg noch nicht perfekt

Der Einstieg von Magna ist allerdings noch nicht perfekt. Es besteht nur eine vorläufige Vereinbarung mit General Motors. Die Bundesregierung hatte auf eine schnelle Entscheidung gedrängt, um den deutschen Hersteller vor dem Strudel der GM-Insolvenz zu bewahren. Magna selbst hatte am Montag ausdrücklich erklärt, dass die Übernahme noch scheitern könnte. GM, der einst unangefochten größte Autobauer der Welt, hatte am Montag Gläubigerschutz anmelden müssen und will sich nun von zahlreichen Töchtern trennen.

Opel zahlt Milliarden für Patente an GM

Der insolvente US-Autohersteller General Motors (GM) gibt einem Zeitungsbericht zufolge die Kontrolle über Opel nur gegen milliardenschwere Zahlungsverpflichtungen des Käufers ab. Das "Handelsblatt" (Freitagsausgabe) berichtete am Donnerstag im Voraus unter Berufung auf Regierungs- und Unternehmenskreise, GM gewähre Opel nach einer Abkopplung zwar Zugang zu allen geistigen Eigentumsrechten von GM. Opel müsse dafür aber weiter Lizenzgebühren zahlen. Diese addieren sich nach Berechnungen der Zeitung in den nächsten zehn Jahren auf fast 6,5 Milliarden Euro.

Dem Bericht zufolge birgt auch das Thema Pensionslasten noch Zündstoff. In dem von Magna unterzeichneten Vorvertrag zur Übernahme von Opel werde die Frage, wer in welcher Höhe für die Pensionslasten von insgesamt 4,5 Milliarden Euro aufkomme, nicht erwähnt. Ausgeschlossen sei, dass Magna die Pensionslasten auf den deutschen Bund abwälze, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Informationen aus dem Kanzleramt

Fiat und BAIC buhlen weiter um Opel

Unterdessen buhlen der italienische Autohersteller Fiat und der chinesische Rivale BAIC nach einem Pressebericht weiter um Opel. Sollte der Magna-Einstieg doch noch scheitern, sei man bereit, wieder über einen Einstieg zu reden, zitiert die "Süddeutsche Zeitung" (SZ/Donnerstag-Ausgabe) aus Fiat-Kreisen. In Regierungskreisen sei dies bestätigt worden.

Demnach gehört auch BAIC weiter zu den Bietern. Das Angebot der Chinesen lasse aber noch viele Fragen offen. Eine BAIC-Delegation hatte sich nach Angaben der Zeitung am Dienstag mit Vertretern des Wirtschaftsministeriums und des Kanzleramts in Berlin getroffen. Ursprünglich hatte auch der US-Finanzinvestor Ripplewood um Opel mitgeboten. (APA)

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    Carl-Peter Forster

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