Erinnern im Flakturm

4. Juni 2009, 15:19
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Historische Ausstellung rund um die Geschichte des Flakturms im Wiener Esterhazypark eröffnet

Wien - "Erinnern im Inneren": Im Flakturm im Wiener Esterhazypark ist am Donnerstag von Susanne Brandsteidl, der Präsidentin des Stadtschulrats Wien, eine historische Ausstellung rund um die Geschichte des Gebäudes eröffnet worden. Die Schau soll über die Rolle des Betonbaus, der auch das "Haus des Meeres" beherbergt, während der NS-Zeit informieren. Im zehnten Stock wurden zu diesem Zweck mit Originalexponaten eine "militärische" Kommandozentrale und ein Luftschutzraum eingerichtet. Im Anschluss werden die Besucher auf die neue Dachterrasse geführt.

Ziel der Ausstellung ist es, die historisch-technische Funktion des Flakturms zu beleuchten sowie die Atmosphäre der dunklen Epoche während des Zweiten Weltkriegs spürbar zu machen: "Die schreckliche Zeit von damals soll nachempfunden werden", erklärte Marcello La Speranza, Kurator der Ausstellung. Dies sei im Flakturm sehr gut möglich, da es sich um einen "authentischen" Schauplatz handle. "Authentische Orte haben eine besondere, eindringliche Kraft", betonte der Kurator.

Funksprüche

Über eine graue Betonstiege geht es hinauf in den zehnten Stock des "Haus des Meeres". Im originalgetreuen Nachbau eines Kommandoraums bekommen die Besucher einen Eindruck davon, wie die Technik damals, während des Krieges, funktioniert hat. "In diesem Raum befinden sich die Utensilien des Krieges: eine alte Schreibmaschine, ein Feldtelefon und ein Volksempfänger", so der Historiker. Über einem alten Schreibtisch in der Ecke tönen Funksprüche aus einem Lautsprecher, welche die Positionen der "feindlichen" Flieger durchgeben, die sich Richtung Wien bewegen.

Luftschutzkeller

Im danebenliegenden Raum wurde ein Luftschutzkeller nachgestellt, wie er laut La Speranza "zu hunderten zu finden war" - ausgestattet mit Belüftungsgerät und Erste-Hilfe-Utensilien. In einer Vitrine ist außerdem ein Gasbettchen zu sehen, in das kleine Kinder gelegt wurden, die noch keine Gasmasken tragen konnten. In diesem Raum werden zudem alte Wochenschauberichte abgespielt, die der audio-visuellen Untermalung der Ausstellung dienen.

Räume im Originalzustand erhalten

Die Schau umfasst rund 100 Exponate, die im Bunker gefunden wurden, Leihgaben sind oder zusammengekauft wurden. Bevor die Ausstellung in den zehnten Stock des Flakturmes einziehen konnte, mussten die Räume erst einmal saniert werden. "Vorher war hier nur Schutt und Taubenkot", erinnerte sich La Speranza. Die Wände waren undicht, die Leitungen alt. Bei der Renovierung wurde darauf geachtet, die Räume im Originalzustand zu erhalten.

Trotz der Ausstellung, die sich intensiv mit der NS-Vergangenheit des Flakturms auseinandersetzt, betonte die Führung des "Haus des Meeres", dass es sich bei dem Gebäude um kein "Mahnmal", sondern immer noch um einen "Zoo" handle. Besichtigt werden kann die Ausstellung "Erinnern im Inneren" ab Samstag, 6. Juni - allerdings nur gegen Voranmeldung. Die Führung dauert rund 45 Minuten und ist nur in Verbindung mit einem Besuch des "Haus des Meeres" möglich. Der Kommandoraum ist als Dauerschau geplant, der Luftschutzraum wird dem geplanten Dachausbau weichen müssen. (APA)

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    Archivbild des Flakturms im Esterhazypark

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