Keine Erfolgsformel für die Revolution

4. Juni 2009, 14:20
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Zajfman: Wissenschaftliche Revolution aber durch freie Forschung und Risikobereitschaft - Diskussion in Maria Gugging

Klosterneuburg/Wien - In welchem Forschungsfeld die nächste wissenschaftliche Revolution ansteht, kann niemand vorhersagen. Daniel Zajfman, Präsident des renommierten Weizmann-Institut in Israel, weiß aber, "wer sie machen wird": Es würden jene Wissenschafter sein, die multidisziplinär arbeiten, in Freiheit forschen und auch Risikobereitschaft zeigen, sagte Zajfman bei einem Symposium am Mittwochnachmittag anlässlich der Eröffnung des Institute of Science and Technology (IST) Austria in Maria Gugging bei Klosterneuburg (NÖ).

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, ob es eine Erfolgsformel für Grundlagenforschungsinstitute wie das IST Austria gebe. Die Experten waren sich einig, dass es die eine Erfolgsformel nicht gebe. Es existierten viele Wege zur Weltspitze, als eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen nannten die Teilnehmer das Anziehen der besten Wissenschafter, ihre Forschungsbereiche sind dabei zweitrangig. Ein Grundsatz, der ja auch das oberste Gebot beim Aufbau des IST war und auch weiter sein soll.

Diskussion

Eine autonome Organisation, bei der "die Wissenschafter über die Wissenschaft entscheiden" und sie auch Verantwortung übernehmen, ist nach Worten von Vize-Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in Deutschland, Herbert Jäckle, auch ein "Trick hinter dem Erfolg" im eigenen Haus. Zudem müsse bei Entscheidungen auch viel diskutiert werden: im Falle der MPG etwa zwischen den eingerichteten Sektionen und dem Präsidenten, der nicht ohne eine Zustimmung "von untern" mit bestimmten Angelegenheiten vor den Senat treten könne. "Wir brauchen sowohl einen Top-down- als auch Bottom-up-Ansatz", so Jäckle in der neu errichteten "Raiffeisen Lecture Hall" des IST.

Der frühe "Brain Gain" sei auch essenziell, so Jäckle. Die MPG betreibt etwa seit 1999 "International Max Planck Research Schools", derzeit bestehen bereits rund 50 davon in Deutschland u.a. in Kooperation mit rund 70 Universitäten. Hier können sich "besonders begabte" deutsche und ausländische Studenten im Rahmen einer strukturierten Ausbildung auf die Promotionsprüfung vorbereiten. Zudem wird jenen Jungforschern, die das MPG wieder verlassen, im Rahmen von "Max Planck Partner Groups" geholfen, in ihrem Heimatland ihre Karriere weiterzuentwickeln.

Zusammenarbeit

"Kein Institut kann in Isolation überleben", sagte Barry Dickson, Chef des Wiener Instituts für Molekulare Pathologie (IMP). Das eigene Haus habe etwa sehr davon profitiert, dass es Uni-Institute in unmittelbarer Nachbarschaft gibt. Über die Zusammenarbeit mit den Unis sei "mehr möglich, und es gibt ein lebhaftes Umfeld". Das IST habe eine "attraktive Anlage" und "eine gute Basis für die betriebsinterne Kooperation". Eine Interaktion mit anderen Einrichtungen sei auch wichtig, auch außenstehende Institute könnten dabei einen "enormen Gewinn" davontragen.

Evaluation

Der IMP-Chef verwies auch auf gewisse Herausforderungen, jene Personen, die man als "beste Leute" engagiert habe, zu evaluieren. Man habe ja keine Garantie dafür, dass sich die Forscher auch entsprechend entwickeln. Wenn man dabei das in den USA verwendete System mit dem europäischen System vermische, müsse man aufpassen, "das man am Ende nicht mit dem Schlimmsten dasteht". So würden in den USA die Forscher viel zu oft evaluiert, während das europäische Universitätssystem nicht genug wettbewerbsorientiert sei. Grundsätzlich sei eine kontinuierliche Beurteilung der Forschungsarbeit von Bedeutung.

Wille und Grenzen

Hohe Gehälter für die Wissenschafter "führen nicht automatisch zum Erfolg", so Hubert Markl, dem ehemaligen Präsidenten der MPG: "Mann muss erreichen, dass die Leute auch zu einem kommen wollen". Dabei spiele vor allem auch das Umfeld für die Forschungsarbeit eine Rolle. Die Forschungsfreiheit der Wissenschafter bei guter finanzieller Ausstattung und die "von Neugier getriebene Forschung" ohne den Einfluss von kommerziellen Interessen hob auch Zajfman hervor. Zwischen der Industrie und der Forschung stehe insofern eine "dicke Mauer", als dass es nicht gut wäre, Leute aus beiden Bereichen mittel- bis langfristig "zu vermischen". Grundlagenforscher sollten nicht gleichzeitig in Unternehmen tätig sein und "man muss Ingenieure, CEOs, Geschäftsleute aus der Forschung draußen lassen". Es ginge alleinig um den Wissenstransfer. (APA)

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