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A: "Gestern war ich akupunktieren". B: "Aha, also beim Kinesiologen." Ein oft gehörtes Missverständnis. Der Grund ist simpel: die akustische Ähnlichkeit von "chinesisch" und "kinesiologisch" und ein grundsätzlich rares Wissen über alternativ-medizinische Heilmethoden.
Was ist was
Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist tausende Jahre alt und baut auf der asiatischen Philosophie auf, dass alle Prozesse im Leben mit Yin und Yang im Zusammenhang sind und aus dem Wechselspiel die Lebensenergie - das Qui - hervorgeht. Ist dieses Gleichgewicht gestört, können Krankheiten entstehen. Körper, Seele und Umwelt werden in Zusammenhang gesehen. Eine ganzheitliche Sicht der Medizin. Im Unterschied zur westlichen Medizin steht bei der TCM die Unterstützung des Körpers im Vordergrund und greift schon ein, bevor ein Patient ganz krank ist.
Hinter dem Allgemeinbegriff Kinesiologie verbergen sich mehrere Richtungen. Die Kinesiologie setzt sich aus einer Reihe von Arbeitsmethoden zusammen, die alle darauf abzielen, den Menschen in seiner persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Die Angewandte Kinesiologie (wörtl. übersetzt: Bewegungslehre) geht etwa davon aus, dass bestimmte (krankhafte) Vorgänge im Körper von den Muskeln sozusagen abgebildet werden. Ein Muskeltest dient dem Kinesiologen als Indikationsmittel um Informationen über den Zustand der Organe zu bekommen. Kinesiologie kann auch von Laien ausgeübt werden, die eine Ausbildung gemacht haben und ist wissenschaftlich nicht fundiert.
TCM und Mediziner
Traditionelle Chinesische Medizin darf in Österreich nur von ausgebildeten Ärzten ausgeübt werden. Die Wirksamkeit der TCM ist in Europa zwar umstritten, aber vor allem die Akupunktur wird auch in der westlichen Medizin immer häufiger von Ärzten geschätzt und in der Schmerztherapie oder bei Allergien erfolgreich eingesetzt. In der Schulmedizin wird Akupunktur aber fast immer isoliert betrachtet - ohne einen Zusammenhang mit der TCM herzustellen. Weitere wichtige Säulen in der TCM sind die Arzneimitteltherapie, die Tuina, die manuelle Medizin und die Ernährung. Vor allem Zunge und Puls geben dem Arzt Hinweise für eine Diagnose.
Was weniger bekannt ist: Die Ausbildungspalette ist in Österreich weit gefasst. Vom mehrtägigen Kurs bis zur jahrelangen Ausbildung in China - Arzt mit TCM-Diplom darf sich in Österreich auch jemand mit kurzer Ausbildung nennen. Wer sicher gehen will, dass die Qualität der Behandlung für die eigenen Bedürfnisse stimmt, sollte sich informieren wie der Arzt zur Zusatzausbildung gekommen ist. Einen Unterschied gibt es auch zu den TCM-Ernährungsberatern: Sie müssen keine Ärzte sein. Die Kosten für TCM-Behandlungen werden in Österreich nur in begründeten Fällen und meist nur teilweise übernommen, private Kassen bezahlen die komplette Behandlung eher.
Wie man Kinesiologe wird
Die Ausübung des kinesiologischen Berufs ist in Österreich an die Anmeldung des Energetikergewerbes geknüpft. Es gibt derzeit in Österreich und auch international eine Vielzahl von kinesiologischen Ausbildungen.
Kinesiologie
Kinesiologie wird generell nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. In Zusatzkassenverträgen von Privatversicherern sind kinesiologische Leistungen teilweise bis ganz abgedeckt.
Laut dem Österreichischen Berufsverband für Kinesiologie arbeiten Kinesiologen ausschließlich im edukativen Modell und stellen weder Diagnosen, noch verschreiben sie Medikamente oder Behandlungen. "Weil der Mensch prinzipiell in seiner Entwicklung unterstützt wird, wird in den meisten Fällen nicht symptomorientiert - an Beschwerden - sondern prozessorientiert gearbeitet. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit kinesiologische Elemente im Rahmen medizinischer oder psychotherapeutischer Therapien einzusetzen", erklärt Christian Dillinger, Vorsitzender des Östrreichischen Berufsverbandes für Kinesiologie. Wissenschaftlich anerkannt ist die Kinesiologie nicht.
In der kinesiologischen Arbeit werden körperliche, pädagogische, emotionale und ernährungsbedingte Probleme behandelt, Unterstützung im Abbau von emotionalem Stress gegeben und Ziele zur Persönlichkeitsentwicklung und im Sport konkretisiert und bearbeitet. Neben der Arbeit mit Menschen gibt es auch die Arbeit mit Tieren. (mat, derStandard.at, 4.6.2009)
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es gibt keine schulmedizin, und es gibt keine alternativmedizin.
es gibt medizin, und es gibt quacksalberei.
und kinesiologie, TCM, homöopathie und wie der wildwuchs an esoterischen und durchaus geschäftsträchtigen quacksalbermethoden sonst noch so heissen, gehören nunmal nicht zur medizin.
... und die Grenze verläuft quer durch Schulmedizin und Alternativmedizin! Ich bin mir nicht ganz sicher, wo der Prozentsatz höher ist, bzw. die Breitenwirkung 'gefährlicher'.
Das lässt sicher aber wissenschaftlich untersuchen.
gibt es menschen, die - wenn wie so oft die Schulmedizin nicht wirkt, zu den "Quacksalbern" gehen und geheilt werden. fast jeder von den militanten esoterik-bekämpfern und homöopathie-hassern kommen eines tages darauf zurück, ist immer wieder lustig zu betrachten :-)
pharma-quacksalbern ist schon sehr lange ziemlich fad.
angefangen mit contergan bis zur krebsforschung die millarden verschlingt und außer chemotherapie wo die leute an den folgen sterben haben sie genau nichts bewirkt. schulmediziner die bei hammerzehen die zehen brechen wollen, bei beckenschiefstand eine scheibe vom oberschenkel herausschneiden usw. impfungen die außer impfschäden nichts bringen. vorsorgeuntersuchungen die mensch eher krank vor sorgen machen als helfen... im chronischen bereich versagt die schulmedizin völlig. die ärzte sollten doch bitte einen kinesiologen fragen bevor sie schaden anrichten. in vielen bereichen hat die schulmedizin schon ihre berechtigung aber was heilung betrift haben sie noch sehr wenig verstanden.
Und die Alternativmedizin kennt natürlich zu jedem Symptom die Ursache.
Lepra? Da sind keine Bakterien, da hat's was mit dem Qi.
Aids? Da sind keine Viren, da ist was nicht in Ordnung mit dem Qi.
Herzinfarkt? Hat nichts mit Blutdruck, Cholesterin, Insulinresistenz zu tun. Da hat's was mit dem Qi. Fressen's ein paar herzförmige Blätter, dann passt das wieder mit dem Qi.
...also...ich bitte um ein bißerl nüchternheit (ohne hier eine der erwähnten lager/parteien/behandlungs"szenen" bis auf's gröbste, also bis zum exitus, verteidigen zu wollen)...
"chemotherapie, wo die leute an den folgen sterben" > also nix für ungut; chemotherapien sind einerseits sicher eine ganz heikle und physiologisch gesehen auch extreme therapieform (für körper und geist), aber andererseits haben sie ihre absolute berechtigung (wenn sie richtig eingesetzt werden und werden können); ich trau mich jetzt mal wetten, dass diese therapieform mehr leben rettet, als leute unbringt
> "krebsforschung, die milliarden verschlingt" - leider ist halt fundiertes arbeiten nicht billig und braucht zeit; lieber genau, langsam und teuer, als...
quacksalberei. darunter würde dann die grippeimpfung fallen oder die HPV-impfung und ein großteil der ernährungsberatungen beim hausarzt auch.
ja, es gibt sie: die schulmedizin, die in vielen bereichen nicht wissenschaftlich arbeitet und die alternativmedizin, die in vielen bereichen wissenschaftlich geprüft und als wirksam erachtet wurde.
was ich allerdings gerne hätte: evidenzbasierte medizin (heute sogar eine titelstory!)!
therapien und medikamente sollten tatsächlich sicher und wirksam sein.
nach meiner Erfahrung fallen gut 85% der Ärzte mit schulmedizinischer Ausbildung (also klassischer Medizin) darunter...
Pfuscher die nur auf Geld aus sind. Können gerade mal zuverlässig Grippe diagnostizieren und das war es schon...
das Problem für diese Quacksalber ist, daß ein talentierter TCM-Fachmann (also nicht nur auswendig lernen an der Uni sondern empathisch mit dem kränklichen Umgehen können) wesentlich mehr an Wohlbefinden erreichen kann als sie...
dass die Bevölkerung es so langeals "Quacksalberei" sieht, bis die Krankenkassen dafür bezahlen, aber da stecken auch die Pharmafirmen dahinter, dass alternative heilmethoden nicht finanziert werden - da könnte man ja gesund werden und nie mehr Tabletten brauchen...
Patients’ Guide to magic medicine in the Financial Times
http://www.dcscience.net/?p=1606
danke, liebe r..., für das zusammenhauen von tcm mit kinesiologie. jetzt kriegt die akupunktur auch gleich mit eins auf den deckel, ungerechtfertigt, auch wenn sie hier logischerweise besser dasteht.
"In der Schulmedizin wird Akupunktur aber fast immer isoliert betrachtet - ohne einen Zusammenhang mit der TCM herzustellen."
Wohl eher mit der taoistischen Philosophie von Qi und Yin/Yang, die zwar sehr interessant ist, die aber heute in der Medizin keinen Stellenwert mehr hat.
Es mag schon sein dass für die Akupunktur ein Stückchen mehr Evidenz da ist als für die (x-fach erwiesen) komplett wertlose Kinesiologie, und es gibt zumindest ein bisschen mehr plausible Erklärungsansätze....aber auch bei der Akupunktur sind beeindruckende Erfolge nur in Anekdoten zu finden.
Beeindruckend an Akupunktur ist eher, wie sie im Vergleich zu diversen Varianten von Pseudo-Akupunktur abschneidet: nämlich ungefähr gleich gut. Nichtstechende "Nadeln", Zahnstocher, Stechen an den laut TCM-System falschen Stellen...ziemlich egal. Anscheinend ist die Kombination aus leicht exotischem Ritual und (vermeintlich) invasivem Verfahren recht wirkungsvoll als Placebo.
Literaturtipp dazu: Bausell, "Snake Oil Science".
"Die Angewandte Kinesiologie (wörtl. übersetzt: Bewegungslehre) geht etwa davon aus, dass bestimmte (krankhafte) Vorgänge im Körper von den Muskeln sozusagen abgebildet werden."
Eine perfekt falsifizierbare Idee .. die schon x mal und jedesmal auf's neue wieder falsifiziert wurde. Der "Kinesiologische Muskeltest" ist in Doppelblindstudien genauso zuverlässig wie raten, würfeln, oder Strohalme ziehen. Die Kinesiologen können dabei nicht mal ihre eigenen Testergebnisse von vor 10min bestätigen.
Vormoderner esoterischer Schmarrn, der in einer aufgeklärten Gesellschaft nichts zu suchen hat, und in einer guten Zeitung höchstens in der Rubrik "popular delusions" vorkommen sollte.
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