Begriffsverwirrung: "Chinesiolo-wie?"

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    foto: stuart franklin/bongarts/getty images

"K" wie kinesiologisch versus "ch" wie chinesisch

A: "Gestern war ich akupunktieren". B: "Aha, also beim Kinesiologen." Ein oft gehörtes Missverständnis. Der Grund ist simpel: die akustische Ähnlichkeit von "chinesisch" und "kinesiologisch" und ein grundsätzlich rares Wissen über alternativ-medizinische Heilmethoden.

Was ist was

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist tausende Jahre alt und baut auf der asiatischen Philosophie auf, dass alle Prozesse im Leben mit Yin und Yang im Zusammenhang sind und aus dem Wechselspiel die Lebensenergie - das Qui - hervorgeht. Ist dieses Gleichgewicht gestört, können Krankheiten entstehen. Körper, Seele und Umwelt werden in Zusammenhang gesehen. Eine ganzheitliche Sicht der Medizin. Im Unterschied zur westlichen Medizin steht bei der TCM die Unterstützung des Körpers im Vordergrund und greift schon ein, bevor ein Patient ganz krank ist.

Hinter dem Allgemeinbegriff Kinesiologie verbergen sich mehrere Richtungen. Die Kinesiologie setzt sich aus einer Reihe von Arbeitsmethoden zusammen, die alle darauf abzielen, den Menschen in seiner persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Die Angewandte Kinesiologie (wörtl. übersetzt: Bewegungslehre) geht etwa davon aus, dass bestimmte (krankhafte) Vorgänge im Körper von den Muskeln sozusagen abgebildet werden. Ein Muskeltest dient dem Kinesiologen als Indikationsmittel um Informationen über den Zustand der Organe zu bekommen. Kinesiologie kann auch von Laien ausgeübt werden, die eine Ausbildung gemacht haben und ist wissenschaftlich nicht fundiert.

TCM und Mediziner

Traditionelle Chinesische Medizin darf in Österreich nur von ausgebildeten Ärzten ausgeübt werden. Die Wirksamkeit der TCM ist in Europa zwar umstritten, aber vor allem die Akupunktur wird auch in der westlichen Medizin immer häufiger von Ärzten geschätzt und in der Schmerztherapie oder bei Allergien erfolgreich eingesetzt. In der Schulmedizin wird Akupunktur aber fast immer isoliert betrachtet - ohne einen Zusammenhang mit der TCM herzustellen. Weitere wichtige Säulen in der TCM sind die Arzneimitteltherapie, die Tuina, die manuelle Medizin und die Ernährung. Vor allem Zunge und Puls geben dem Arzt Hinweise für eine Diagnose.

Was weniger bekannt ist: Die Ausbildungspalette ist in Österreich weit gefasst. Vom mehrtägigen Kurs bis zur jahrelangen Ausbildung in China - Arzt mit TCM-Diplom darf sich in Österreich auch jemand mit kurzer Ausbildung nennen. Wer sicher gehen will, dass die Qualität der Behandlung für die eigenen Bedürfnisse stimmt, sollte sich informieren wie der Arzt zur Zusatzausbildung gekommen ist. Einen Unterschied gibt es auch zu den TCM-Ernährungsberatern: Sie müssen keine Ärzte sein. Die Kosten für TCM-Behandlungen werden in Österreich nur in begründeten Fällen und meist nur teilweise übernommen, private Kassen bezahlen die komplette Behandlung eher.

Wie man Kinesiologe wird

Die Ausübung des kinesiologischen Berufs ist in Österreich an die Anmeldung des Energetikergewerbes geknüpft. Es gibt derzeit in Österreich und auch international eine Vielzahl von kinesiologischen Ausbildungen.

Kinesiologie

Kinesiologie wird generell nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. In Zusatzkassenverträgen von Privatversicherern sind kinesiologische Leistungen teilweise bis ganz abgedeckt.

Laut dem Österreichischen Berufsverband für Kinesiologie arbeiten Kinesiologen ausschließlich im edukativen Modell und stellen weder Diagnosen, noch verschreiben sie Medikamente oder Behandlungen. "Weil der Mensch prinzipiell in seiner Entwicklung unterstützt wird, wird in den meisten Fällen nicht symptomorientiert - an Beschwerden - sondern prozessorientiert gearbeitet. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit kinesiologische Elemente im Rahmen medizinischer oder psychotherapeutischer Therapien einzusetzen", erklärt Christian Dillinger, Vorsitzender des Östrreichischen Berufsverbandes für Kinesiologie. Wissenschaftlich anerkannt ist die Kinesiologie nicht.

In der kinesiologischen Arbeit werden körperliche, pädagogische, emotionale und ernährungsbedingte Probleme behandelt, Unterstützung im Abbau von emotionalem Stress gegeben und Ziele zur Persönlichkeitsentwicklung und im Sport konkretisiert und bearbeitet. Neben der Arbeit mit Menschen gibt es auch die Arbeit mit Tieren. (mat, derStandard.at, 4.6.2009)

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