Journalistinnen sind noch immer die Minderheit

18. März 2003, 11:37
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Erstmalig wurde exakt erhoben, wie und wo Frauen in den österreichischen Tageszeitungen arbeiten

Dass Frauen in den Medien noch immer die Minderheit sind, ist wohl allen klar. Woran das liegen mag, in welchen Bereichen in den letzten Jahren die interessantesten Entwicklungen stattgefunden haben und ob und wenn ja, welchen weiblichen Schreibstil es gibt, hat sich eine Germanistikstudentin und selbst Journalistin bei der Kleinen Zeitung als Diplomarbeitsthema auserkoren.

Minderheit, Mehrfachbelastung und Auswirkungen auf Inhalt der Berichterstattung

Die Arbeit von Doris Gerngroß-Hirt hat leider nicht viele positiven Entwicklungen an den Tag gebracht. Frauen stellen weiterhin eine Minderheit in der Journalismusbranche dar, und nicht nur zahlenmässig. In der öffentlichen Diskussion, in der Auseinandersetzung mit dem Berufsbild des/der Journalisten/Journalistin fehlen sie genauso, ist doch immer von Journalisten, Reportern oder Moderatoren die Rede.

Ebenso fehlen die Frauen fast gänzlich in der Gestaltung und Entwicklung von Medien. Das produziert und reproduziert sowohl den Mann als typischen Angestellten im Journalismus und dessen Arbeitsumstände an seine Bedürfnisse angepasst sind. Sind mittlerweile zwar "schon" zwischen 23,8% und 40% der JournalistInnen der österreichischen Tageszeitungen weiblich, befinden sich nur 0,0% im ChefredakteurInnensessel.

Bessere Ausbildung, schlechtere Karrierechancen und geringeres Einkommen

Warum so wenig Frauen in die Führungsebene der Tageszeitungen gelangen, liegt an unterschiedlichsten Faktoren. Woran es nicht liegen kann, ist der Grad der Bildung und Kompetenz. Journalistinnen haben zu einem grösseren Teil ihr Studium abgeschlossen, ebenso ist ihr Anteil bei den AbsolventInnen unterschiedlichster Journalismusausbildungen weitaus höher.

Aber nicht nur vertikal, auch horizontal ist eine Segregation der Geschlechter erkennbar. Sind Männer vordergründig in politiknahen Ressorts tätig, betreuen Frauen weiterhin eher Bereiche wie Kultur/Lifestyle/Leben/Wellness/Medizin. Aber ein Anstieg des weiblichen Anteils in einem Ressort muss nichts Gutes verheissen, folgt er medienwissenschaftlichen Analysen zufolge oft einem Prestigeverlust des Ressorts.

Teilzeitbeschäftigung und hoher Anteil an weiblichen freie Mitarbeiterinnen

Einen weiteren Grund für das Fehlen von Frauen in den Chefetagen (die ihren Namen nicht zu unrecht tragen) sieht Gerngroß-Hirth auch in der unterschiedlichen Beschäftigungslage von Frauen und Männern. Liegt doch der Anteil der festangestellten Frauen bei 30%, bei den Teilzeitbeschäftigten erreichen sie zwischen 50% und 100%. Und betrachtet mensch dann die Sahnehauben der Redaktionshierarchie, zeigt sich die implizite Diskriminierung der Frauen am deutlichsten. Die wenigen, die es in die Führungsriege geschafft haben, sind zu einem überwiegenden Teil festangestellt...

Hierzu wäre nur noch aus dem Schlusswort der wirklich interessanten Diplomarbeit zu zitieren, ein Zitat von Elisabeth Beck-Gernsheim, in dem sie meint: "... es bleibe diejenige Benachteiligung der Frau erhalten, die daraus resultiert, dass sie weniger als der Mann die "Fähigkeit" zu beruflichem Konkurrenzverhalten, Aggressivität und Härte besitzt. Eine "Chancengleichheit" der Frau im Beruf ist deshalb so lange nicht zu erwarten, wie etwa die im weiblichen Arbeitsvermögen angelegte Personen- und Bedürfnisorientierung, die Bereitschaft zu eher klienten- als karriereorientierter Aufgabenbereitung im Berufssystem mit sozial-hierarchischer Unterprivilegierung "honoriert" wird."

Mehr wäre da wirklich nicht mehr hinzu zu fügen. Ausser dass diese Diplomarbeit als Buch sicher ein Gewinn für Journalistinnen aller Altersstufen darstellen würde.

(e_mu)

(Nachlese zum Kongress 2001)
  • Frauenanteil in der Tagespresse bei fest angestellten JournalistInnen
    gerngross
    Frauenanteil in der Tagespresse bei fest angestellten JournalistInnen
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