Mit dem "Schweizer Offiziersmesser" ins XML-Schema

18. März 2003, 10:46
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Neues Buch stellt Strukturen und Datentypen vor - Nachdenken über die "negative Null"

Jede Art von Dokument kann mit dem Standard der Extensible Markup Language (XML) präzise beschrieben werden. Anfangs geschah dies meist mit einer Dokumententypdefinition (DTD). Inzwischen aber haben XML-Dokumente zumeist ein "Schema" als Grundlage. Diese Schablone enthält alle Bestimmungen für die innere Ordnung eines Dokuments, seine Struktur. Sie legt darüber hinaus im Unterschied zur DTD auch bis in alle Einzelheiten die Art des Inhalts fest, den Datentyp für die einzelnen Elemente eines Dokuments.

Schriftlich

XML-Fachmann Eric van der Vlist ist jetzt in einem Buch über das XML-Schema in die letzten Tiefen dieses Standards vorgedrungen, der auch für die Entwicklung von Software immer wichtiger wird. Für die Beschreibung der Struktur eines XML-Dokuments gibt es verschiedene Ansätze, die gleichermaßen eingängig sind.

Organisation

Entweder werden die Elemente und ihre Attribute erst einmal am Anfang alle vorgestellt - dann können diese auch in allen Bestandteilen des Dokuments verwendet werden. Oder das Schema wird so angelegt, dass es die vernestelte Baumstruktur von XML spiegelt - Van der Vlist spricht hier vom "Russian Doll Design", von der Puppe in der Puppe, und erklärt die mitunter etwas trockene Theorie am Beispiel von Bucheinträgen für eine Bibliothek.

Weitaus vielfältiger als die Strukturfragen sind die Datentypen für die einzelnen Elemente des Dokuments. Hierfür können bis ins letzte Detail Zeichenfolgen oder Zahlenwerte bestimmt werden, was Datenbank-Entwickler im Prinzip von der Definition von Feldern kennen. Das geht so weit, dass der XML-Schematiker es sogar mit einer "negativen Null" zu tun bekommen kann: "Dieser Wert ist kleiner als die 0, aber größer als jeder negative Wert." Analog gibt es in der XML-Philosophie dann natürlich auch eine "positive Null".

Angepasst

Nach der Vorstellung vordefinierter Datentypen zeigt der Autor auf, wie man diese nach eigenen Bedürfnissen weiter einschränken kann - wenn etwa für den Inhalt eines bestimmten Dokumentelements nur einzelne Werte zugelassen werden sollen. Um maßgeschneiderte Datentypen zu konstruieren, bedient sich der Schema-Designer verschiedener "Facetten", die detailliert vorgestellt werden. Wenn diese Möglichkeiten nicht ausreichen, kann man sich zuletzt auch reguläre Ausdrücke überlegen, die Van der Vlist wegen ihrer Vielseitigkeit als "Schweizer Offiziersmesser" bezeichnet.

Schließlich stellt das Werk die Bedeutung des XML-Schemas zu anderen XML-Konzepten wie XPath oder XLink vor. Abgerundet wird das Kompendium von einer Schnellreferenz mit der Übersicht zu allen Bestandteilen eines XML-Schemas und einem Glossar von Fachbegriffen.

Eric van der Vlist: XML Schema. Verlag O'Reilly, Köln 2003. 415 Seiten. 40 Euro

(APA)

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