Suche nach Geld für Online-Amtsschimmel

17. März 2003, 22:43
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Der Umbau öffentlicher Dienste auf eine Onlineschiene kostet zuerst einmal Geld...

"Die Projekte im Rahmen von E-Government waren bisher eher darauf ausgerichtet, dass der Staat schneller seinen Aufgaben nachkommen kann. Sie waren nicht so sehr darauf ausgerichtet, dass für den Bürger der Umgang mit der Verwaltung vereinfacht wird", sagt Gareth MacNaughton, Project Officer bei der Direktion C der Europäischen Kommission bei einem von HP veranstalteten Seminar über "Governmental Solutions". Nur über Bequemlichkeit sei aber eine breitere Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen.

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Bisher haben sich in den EU-Mitgliedsstaaten die Bemühungen für E-Government meist darin erschöpft, Informationsangebote ins Web zu stellen und punktuell Internetservices anzubieten, sagt Naughton. Nun gehe es darum, "Transaktionsservices" bereitzustellen. Also "End-to-End-Services", worunter man sich ein komplettes Angebot via Internet - Information, Formulare, Einreichung, Bezahlung - vorzustellen hat.

Die Direktion C ist bei der Umsetzung des "Aktionsplans eEurope 2005" bereit, auch Geld in die Hand zu nehmen. 3,6 Milliarden Euro können im Rahmen des Aktionsplans für Grundlagenprojekte und Forschung rund um Standards und Protokolle in den nächsten vier Jahren vergeben werden. Voraussetzung: Es müssen sich mindestens drei Mitgliedsländer zusammenfinden, dann werden die Projekte in Höhe von 50 bis 100 Prozent gefördert. Derzeit wird beispielsweise mit Beteiligung von Nokia an einem mobilen "E-Payment-Standard" für solche Anwendungen gearbeitet.

Private Beteiligungen

Nicht unterstützt werden im Rahmen des Aktionsplans konkrete Umsetzungen in den Ländern. Allerdings werden die EU-Strukturentwicklungsfonds zunehmend für solche Projekte herangezogen, beobachtet Rudi Richter, HP-Manager für den Public Sector.

Auch das Interesse an Public-Private-Partnership-Finanzierungen wachse, so Richter. Bei solchen PPP-Projekten finanziert die Wirtschaft eigentlich staatliche Projekte mit und wird dafür an den Erträgen der Gebühren beteiligt. "Das funktioniert bei Informationstechnologie immer dort, wo Teile der Daten des staatlichen Unternehmens verkauft werden können", erklärt Richter. Deshalb eignen sich Grundbuchs-, Kataster-und Firmenbuchlösungen, Identifikationsdaten im Tierbereich oder Zollverwaltungssysteme besonders. Gängig sind Projektvolumina zwischen 30 bis 100 Millionen Euro, "mit theoretisch keinem Limit", so Richter. (ruz / DER STANDARD Printausgabe, 17. 3. 2003)

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