"Hauptnutznießer ist der Konsument"

18. März 2003, 09:26
85 Postings

Eine Liberalisierung bringt kaum neue Jobs oder höhere Umsätze - IHS-Wirtschaftsforscher Christian Helmenstein im STANDARD-Gespräch

"Hauptnutznießer liberalisierter Ladenöffnungszeiten wird der Konsument sein", sagt Christian Helmenstein vom Institut für Höhere Studien (IHS) im STANDARD-Gespräch. Wertschöpfungseffekte - mehr Umsätze und Jobs - schätzt er hingegen als gering ein.

***

Wien - "Es ist ein sehr geringer Wertschöpfungseffekt zu erwarten, sehr wohl aber eine messbare positive Auswirkung auf den Konsumentennutzen", sagt Wirtschaftsforscher Christian Helmenstein vom Institut für höhere Studien (IHS) in Hinblick auf die voraussichtlich ab Juli geltenden neuen Ladenöffnungsregelungen (siehe Artikel rechts).

Sprich: Umsätze und Jobs im Handel dürften durch die Bartenstein-Pläne nur unmerklich vermehrt werden. Die Konsumenten würden hingegen profitieren - etwa durch geringere Transaktionskosten, die der Volkswirt beispielsweise durch Parkplatzsuchen oder Schlangestehen vor der Kassa verursacht sieht, aber auch durch verbesserten Service. Helmenstein erwartet aber ein "leichtes Steigen des Preisniveaus" - da höhere Lohnzuschläge zu zahlen sein werden. Dies sei ein internationaler Erfahrungswert.

"Stellvertreterdiskussion"

Fraglich sei, ob "optimale" betriebswirtschaftliche Maßnahmen "suboptimale" volkswirtschaftliche Folgen haben - etwa wenn ein Unternehmen "überlange" Öffnungszeiten in Kauf nimmt, um Mitbewerber zu verdrängen. Insgesamt, mutmaßt Helmenstein, werde eine "Stellvertreterdiskussion" geführt, denn einer - gerechnet nach Grenzkos- ten und -erträgen - sinnvol- len Öffnungszeitenerweiterung stünden vielmehr die Arbeitsruhegesetze entgegen.

Basis der Aussagen ist eine IHS-Studie für die Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, in der die volkswirtschaftlichen Effekte der Liberalisierung ein Thema unter vielen sind. Die gesamte Studie wird in den kommenden Wochen präsentiert. "Die Ladenöffnungszeiten werden in ihrer Wichtigkeit für den Handel überschätzt", so Handelssyndikus Hannes Mraz auf STANDARD-Anfrage, "der Hauptanreiz für Konsumenten liegt in den Preisen." (Leo Szemeliker, DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.3.2003)

  • Christian Helmenstein
    foto: der standard/semotan

    Christian Helmenstein

Share if you care.