Lokal denken, global handeln – zur Kriegslogik der USA

17. März 2003, 20:23
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Die Regierung der USA steht einer zweiten Supermacht gegenüber: der Weltöffentlichkeit - Ein Kommentar von Judith Sauer

Globalisierung – Ja, bitte! Gegen eine Globalisierung wie am 15. Februar, dem europaweiten Aktionstag, haben wir nichts einzuwenden. Weltweit demonstrierten über 10 Millionen Menschen friedlich gegen einen Krieg im Irak. Die Regierung der USA steht einer zweiten Supermacht gegenüber: der Weltöffentlichkeit.

Sind diese Millionen Menschen, die den drohenden Angriffskrieg nicht zu akzeptieren bereit sind, schlicht von purem Antiamerikanismus getrieben?

Deklarierte Patrioten

Keineswegs. Die Friedensbewegung in den USA wird mittlerweile von deklarierten Patrioten und alteingesessenen Republikanern mitgetragen. Selbst New York, für das es nach den Terroranschlägen vom 11. September allen Grund gäbe, einen „Krieg gegen den Terror“ mitzutragen, hat kürzlich eine Resolution gegen den Irakkrieg verabschiedet.

Auch wenn Saddam Hussein ganz zu Recht als grausamer Tyrann beschrieben wird, der besser schon 1991 abgelöst worden wäre, ein Krieg trifft wie eh und je die gesamte Bevölkerung eines Landes. Laut New York Times sollen allein in den ersten 48 Stunden des Krieges 3000 Bomben und Raketen abgefeuert werden. Die UNO geht von 500 000 Verletzten, 2 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen sowie dem Auftreten von Epidemien aus.

Weltpolitisch höchst gefährlich

Das einseitige Vorgehen der USA ist darüber hinaus weltpolitisch höchst gefährlich. Man versucht, den UNO-Sicherheitsrat wahlweise zu erpressen, zu kaufen oder auszuspionieren. Wenn das alles nichts hilft, werden die Falken in der US-Administration auch alleine losschlagen, das haben sie bereits klar gemacht. Damit wäre das bereits wankende internationale Recht endgültig ausgehebelt.

Und sollte es sich der internationale Gerichtshof in Den Haag herausnehmen, einen US-Bürger wegen Kriegsverbrechen anzuklagen, dann marschiert man kurzerhand in den Niederlanden ein und holt ihn da raus (vgl. z.B. „Quantensprung im Recht“, Der Standard, 29.Juni 2002). "Wir brauchen von niemandem eine Erlaubnis", das hat Präsident Bush am 6. März klargestellt. Lokal denken, global handeln – so geht’s nicht.

Doch es gibt noch Hoffnung. Die zweite Supermacht erhebt ihre Stimme, und je lauter die Kriegstrommeln, desto unüberhörbarer die Friedensbewegung. Zum Beispiel diesen Samstag in Wien, beim Sternmarsch für den Frieden.

Nachlese

--> GATS oder der Angriff auf die armen Länder

"Fremde Feder" ist eine Kolumne auf derStandard.at für KommentatorInnen von außen. Unter dem Motto "Globalisierung braucht Gestaltung" schreibt ein Team von ATTAC Austria ab sofort jeden Montag einen Kommentar.

"ATTAC ist ein globales Netzwerk von Globalisierungs- kritikerInnen, das 1998 in Frankreich entstanden und seither in 40 Ländern weltweit aktiv geworden ist. In dieser Kolumne nimmt ATTAC Stellung zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen und stellt Alternativen zur neoliberalen Globalisierung vor."

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