Ein Jahr DVB-H: Betreiber zu­frieden, aber zu wenig Endgeräte

4. Juni 2009, 13:51
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Mobilfunker "3" hofft auf internationalen Druck in Richtung Endgeräte-Industrie - Keine Angaben über Kundenzahlen

Vor einem Jahr wurde ein neues Kapitel in der TV-Technologie aufgeschlagen: Am 6. Juni 2008 fiel der Startschuss für das Handy-Fernsehen via DVB-H. Österreich nahm mit der Einführung dieser Technologie eine Vorreiterrolle innerhalb der EU ein. Nach zwölf Monaten ist die Zahl der DVB-H-Nutzer dem Vernehmen nach überschaubar - die Handynetzbetreiber veröffentlichen allerdings keine genauen Kundenzahlen. Dennoch ist die Media Broadcast, die die Handy-TV-Plattform betreibt, "zufrieden", sagt Österreich-Geschäftsführer Henrik Rinnart im APA-Gespräch.

Zu wenig Endgeräte

Eine Schwachstelle liege noch bei der Auswahl der Endgeräte. Laut Rinnart werden am Markt derzeit nur drei Modelle angeboten, was für einen Massenmarkt definitiv zu wenig sei. Die Endgeräte-Hersteller seien "dringend gefordert, attraktive und massenmarktfähige Endgeräte auf den Markt zu bringen", findet auch Andreas Martin vom Mobilfunkbetreiber Hutchison 3G. Er hofft darauf, dass der Druck in Richtung Endgeräte-Industrie steigen wird, sobald auch große Märkte in Europa DVB-H anbieten werden.

52 Prozent

Derzeit werden in Österreich rund 52 Prozent der Bevölkerung mit dem DVB-H-Signal versorgt. Zu empfangen sind neben den ORF-Sendern, ATV und Puls 4 auch mehrere deutsche Privatprogramme sowie - mit einem Standbild vertreten - verschiedene Radiosender. Dieses Basispaket ist gegen eine Gebühr von drei bis fünf Euro monatlich mobil empfangbar. Welcher Sender am Handy am besten ankommt, ist laut Martin schwer zu sagen, weil es noch keine Messung gibt. Obwohl die Media Broadcast angekündigt hatte, auf eine rasche Aufnahme in den Teletest drängen zu wollen, wird DVB-H bis dato hier nicht erfasst.

Aus der Erfahrung mit Streaming könne aber laut Martin abgeleitet werden, dass "speziell Sender mit einer Fokussierung auf Inhalte für Kinder und Jugendliche die Nase vorne haben", wie etwa Nickelodeon. "Aber natürlich sind auch etablierte TV-Marken wie ORF, ATV und Puls 4 sehr beliebt", so Martin. Auch die Werbeindustrie hat das Handy-Fernsehen bereits für sich entdeckt. Laut dem Mobilfunkbetreiber "3" habe sich die Buchungssituation gerade in den vergangenen Monaten "extrem positiv" entwickelt.

Kein Glück in Deutschland

In Deutschland ist der Versuch, Handy-Fernsehen via DVB-H kommerziell einzuführen, im Vorjahr allerdings vorerst gescheitert. Das Konsortium Mobile 3.0 musste Ende Oktober 2008 die Sendelizenzen an die Landesmedienanstalten zurückgeben, weil es nicht gelungen war, Vertriebspartner für das kostenpflichtige Handy-TV zu finden. In Österreich ist Rinnart hinsichtlich der Zukunft von Handy-TV zuversichtlich. Der TV-Konsum nehme auch heute noch immer weiter zu, genau wie die Handynutzung. "Fernsehen auf dem mobilen Endgerät ist daher nur logisch." Martin fasst das Zukunftsszenario weiter: "Wir sehen das Thema unter dem Dach 'TV in mobilen Situationen'. Und TV in einer mobilen Situation muss nicht notwendigerweise auf einem Handy, sondern kann durchaus auch auf einem mobilen Laptop oder anderen Devices erfolgen." (APA)

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