Wien startet Kampagne gegen Homophobie

4. Juni 2009, 13:06
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Sujets zeigen sich küssende homo- und heterosexuelle Paare - Soll vorwiegend Jugend ansprechen

Wien startet eine neue Kampagne gegen Homophobie. Unter dem Titel "Liebe verdient Respekt" werden insgesamt 3.000 Plakate vorwiegend in Schulen und Jugendeinrichtungen, aber auch in U-Bahn-Stationen und auf Werbeflächen affichiert. Die Sujets zeigen jeweils ein küssendes schwules, lesbisches oder heterosexuelles Paar. Es gehe um den Abbau irrationaler Ängste vor gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen, erklärte Johannes Wahala, Vorsitzender des Vereins "Courage", der die Aktion initiiert hat.

Hinter den Plakaten stehe die Grundhaltung, dass es Homo- und Heterosexuellen um die selben Gefühle und Wünsche gehe - nämlich um Geborgenheit, Liebe und Zuneigung, betonte Wahala in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Lesben und Schwule, aber auch Bisexuelle und Transgender-Personen würden noch immer mit Diskriminierung sowie körperlicher und struktureller Gewalt konfrontiert werden.

Österreichweit sei bei gleichgeschlechtlich Liebenden die Selbstmordversuchsrate siebenmal so hoch wie beim Rest der Bevölkerung. Besonders dramatisch sei die Situation bei Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren, "also während des oft schmerzhaften Outing-Prozesses", so der "Courage"-Chef. Mehr als 90 Prozent aller Suizidversuche von Homosexuellen fielen in diese Altersgruppe.

Botschaft auch auf Türkisch, Bosnisch, Serbisch und Kroatisch

Deshalb richtet sich die Plakatserie, die sich an ein Vorbild aus Berlin anlehnt, in erster Linie an Jugendliche. Um auch die migrantische Community zu erreichen, ist die zentrale Botschaft "Liebe verdient Respekt" auch auf Türkisch sowie Bosnisch, Serbisch und Kroatisch zu lesen. Die Kosten dafür betragen 3.200 Euro, wobei 2.000 Euro von der Stadt getragen werden, hieß es.

Hier handle es sich um ein wichtiges Thema, das den öffentlichen Raum in Beschlag nehme, freute sich Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger. Wien sei eine Stadt der Vielfalt, in der Intoleranz in keiner Form geduldet werden dürfe. Zugleich appellierte sie an Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, einen Erlass für eingetragene Partnerschaften zwischen Gleichgeschlechtlichen zu erlassen. "Was die völlige Gleichstellung betrifft, sind wir in Wien fertig damit. Wir warten nur noch auf den Bund", so Frauenberger. Die Kampagne läuft vorerst bis Jahresende.

Bereits am kommenden Samstag, 6. Juni, lädt der Bezirk Mariahilf ab 13.00 Uhr zum vierten "lesbischwulen" Straßenfest. Unter dem Motto "Andersrum in Mariahilf ist nicht verkehrt" treten in der Otto-Bauer-Gasse unter anderem Austrofred, The Gablitzers und Dandies & Darlings auf. Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann (S) hatte den 6. einmal als "schwulsten Bezirk Wiens" bezeichnet. (APA)

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    foto: homophobie.at
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