Auffangnetz für Industrie im Gespräch

4. Juni 2009, 11:48
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Auch erste VP-Experten machen sich für Vehikel für vorübergehende Not-Teilverstaatlichungen stark

Wien - Der Staat werde nicht umhinkommen, auch für unverschuldet krisengeschüttelte Unternehmen aus Industrie und Großgewerbe eine Auffanglösung zu finden, wenn Banken oder Beteiligungsfonds als Kapitalgeber weiter auslassen, meinen Wirtschaftsexperten von SPÖ und ÖVP. Die privaten Beteiligungsgesellschaften und Private-Equity-Firmen hätten mit ihren bestehenden Portfolios genug zu tun, heißt es. Und Hedgefonds seien gerade keine ersten Adressen. Der Markt werde deshalb noch einige Zeit am Boden liegen. Deshalb müsste es zwischenzeitig eine gesetzlich verankerte Übergangslösung gehen, hinter der letzten Endes der Staat stünde.

Ob das nun eine "ÖIAG-neu" oder eine "IMBAG" (nach dem Muster der Kommunalkredit-Mutter Fimbag/"Banken-ÖIAG) wäre oder eine Erweiterung der bisherigen Staatsholding ÖIAG, sei zweitrangig, meint man mittlerweile auch im Wirtschaftsflügel auch der ÖVP.

Im Finanzministerium verlautete dazu, es sei niemand mit derartigen Vorschlägen an die Regierung herangetreten. Und es gäbe dazu wohl auch keine Zustimmung, sagte ein Ministeriumssprecher.

Geändertes Umfeld

Bei den Befürwortern vorübergehender Staatsbeteiligungen an gesunden, aber krisengeplagten Unternehmen wird auf das dramatisch geänderte Umfeld verwiesen: Wenn vor zwei Jahren nicht-börsenotierte Firmen auf der Suche nach frischem Kapital waren oder neue Eigentümer gefunden werden mussten, habe es immer Käufer gegeben. Anders jetzt. Bei den Banken käme dazu, dass sie wegen der Rezession vor massenhaften Abschreibungen von Unternehmenskrediten stünden und teure stille Ausgleiche zu stemmen hätten.

Der Staat hätte, so glaubt ein Insider, nun die Wahl, entweder in ein paar Monaten Banken weiter Geld nachzuschießen oder gleich einer Auswahl von relevanten Industrie- oder sonstigen Firmen der Realwirtschaft direkt mit vorübergehendem Beteiligungskapital unter die Arme zu greifen.

Mit solchen Überlegungen öffentlich anfreunden konnten sich bisher maßgebliche Vertreter der Gewerkschaften und SP-Wirtschaftsvertreter oder SP-nahe Wirtschaftsforscher. In ÖVP-Kreisen werden solche Pläne bisher nur hinter vorgehaltener Hand goutiert. Eine Neuauflage einer "Pleitenholding" am Muster der früheren GBI (Gesellschaft des Bundes für Industriepolitische Maßnahmen) sollte es aber nicht mehr werden, ist man sich anscheinend einig.  (APA)

 

 

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