Pilot könnte Umkehr versucht haben

4. Juni 2009, 10:38
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Airbus ist knapp außerhalb der Flugroute gesichtet worden - Absturzstelle liegt in berüchtigter Gewitter-Zone - Stürme treten so plötzlich auf, dass Piloten oft kein Ausweg bleibt, als hindurch zu steuern

Rio de Janeiro -  Nach Informationen der französischen Tageszeitung "Le Monde" soll das Flugzeug in der Gewitterzone über dem Meer nicht mit angemessener Geschwindigkeit geflogen sein. Der Airbus sei mit falschem Tempo unterwegs gewesen, zitierte die Website des Blattes am Donnerstag einen nicht genannten Experten aus dem Umfeld der Ermittlungen.

Flugzeug flog in Strurmfront

In der Nacht auf Montag flog das Passagierflugzeug der Air-France-Airbus in eine 650 Kilometer lange Sturmfront mit Blitzen, Hagel und bis zu 160 Kilometer schnellen Böen und Aufwinden. Die Region über dem Atlantik gilt als Gegend, in der die stärksten Stürme der Welt entstehen können.

In der Gegend wie der nordöstlich der Inseln Fernando de Noronha könnten Stürme so plötzlich auftauchen, dass dem Piloten kein Ausweg mehr bleibe, als hindurch zu steuern. Experten vermuten, dass die zwar Piloten versucht haben, sich mit ihrem Radar durch die Gewitter zu navigieren, einen Weg durch "Löcher" in den Unwetterwolken zu finden - aber dabei in eine Falle gerieten, aus der keinen Ausweg mehr gab.

Dann gibt es keine Umkehr mehr

Joe Mazzone, ein Pilot, der 23 Jahre für die US-Gesellschaft Delta Airways flog, sagt, die Flugkapitäne beobachteten in der Nacht routinemäßig ihr Radar, um sich durch Gewitter zu fädeln. Die Gewitterwolken werden auf dem Radar als rote Flecken angezeigt. "Du gehst rein, wo man ein Loch vermutet, dann bist du drin und siehst, das alles um dich herum rot ist - da musst du nun durch", erklärt Mazzone. An einem solchen Punkt gebe es keine Rückkehr mehr, weil eine Wende das Flugzeug in dieselben Wetterbedingungen brächte. 

Hagel pustet die Triebwerke aus

Falls der Airbus in eine Unwetterfalle geraten sein sollte, könnte das katastrophal gewesen sein: Aufwinde und Böen dürften das Flugzeug hoch und runter gesogen und mit Hagel regelrecht beschossen haben. "Der Hagel pustet die Triebwerke aus, so wie bei Vogelschlag", so Mazzone.

Pilot könnte Umkehr versucht haben

Trümmerteile des Airbusses, die weit verstreut liegen könnten in der Tat darauf hindeuten, dass der Pilot eine Umkehr versucht habe, so ein Sprecher der brasilianischen Luftwaffe: Der Air France-Airbus sei knapp außerhalb der Flugroute gesichtet worden, nahe dem Ort, von dem das letzte Funksignal der A330 gesendet worden sei.

Band kollidierender Wettersysteme

Trümmerteile wurden mitten in einem Gebiet gefunden, die Wissenschaftler die Intertropical Convergence Zone (ITCZ; Intertropische Konvergenz-Zone) nennen: Ein fast durchgehendes, 40.200 Kilometer um die Erde herumgehende Band kollidierender Wettersysteme am Äquator. Hier prallen die Stürme der nördlichen und südlichen Hemisphäre zusammen und lassen Gewitterfronten entstehen, die sich bis zu 18.000 Meter auftürmen - viel höher, als ein kommerzielles Passagierflugzeug fliegen kann. Wetterberichten zufolge bildeten sich am Sonntagabend in der Region schwere Gewitter auf einer Länge von 650 Kilometern, die in der Route von Flug 447 lagen.

Die ITCZ ist keine gerade Linie wie der Äquator; sie windet sich wie eine Schlange um die Erde und kann sich mehrere hundert Kilometer weit ausdehnen. Sie kann ruhig und friedlich sein - aber auch "Geburtsort unserer stärksten Stürme auf der Erde", wie ein leitender Meteorologe von AccuWeather.com, Henry Margusity, erklärt.

Hurrikan-Spezialist Richard Pasch erklärte, die ITCZ gelte als gefährlich, aber nicht als lebensgefährlich.  Tausende Flüge passieren die Äquatorzone jedes Jahr ohne Zwischenfall. "Ein Pilot fliegt nicht direkt in ein Gewitter", so auch Larry Burch, Direktor eines Flugwetterzentrums. "Was Sonntagnacht geschehen ist, könen er durch das Wetter allein nicht erklären." (APA)

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