300 Jobs bei AT&S in Leoben weg

4. Juni 2009, 19:03
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Der steirische Leitbetrieb lagert seine Massenproduktion nach Asien aus. Aufsichtsratschef Androsch gibt auch für die in Leoben verbliebene Produktion keine Garantie ab

Leoben - Der rote Großindustrielle Hannes Androsch muss sich in diesen kühlen Junitagen nicht nur der Temperatur wegen warm anziehen: Es hagelt von allen Seiten Proteste gegen die Entscheidung seines Unternehmens AT&S - dessen Aufsichtsratschef er ist -, die Leiterplatten-Massenproduktion von Leoben-Hinterberg nach Schanghai zu verlagern. 300 der noch verbliebenen 890 Beschäftigten werden gekündigt.

SPÖ, ÖVP, ÖGB, AK und auch der Wirtschaftsbund ("AT&S - das ist die Heuschrecken-Politik der SPÖ") wetterten am Donnerstag gegen den Stellenabbau, nachdem bereits im November des Vorjahres ein Drittel der Belegschaft, 300 Mitarbeiter und 150 Leiharbeiter, entlassen worden waren.

Das Unternehmen begründete die jetzige Auslagerung des Volumsgeschäftes nach Asien mit dem dramatischen Geschäftseinbruch. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr fuhr AT&S rote Zahlen ein, das Ebit drehte ins Minus, und auch das Konzernergebnis war mit minus 5,8 Mio. Euro negativ. Die Prognosen für das laufende Jahr sind nach Konzernangaben düster. Aufsichtsratschef Hannes Androsch wollte im Standard-Gespräch auch keine Garantie für die verbleibende Produktion in Leoben - sie soll auf Hochtechnologie für die Mobiltelefon- und Handheldindustrie konzentriert werden - abgeben. Androsch: "Unsere Chance in Leoben ist es, die Hochtechnologieschiene zu fahren. Wir hoffen, dass wir damit durchkommen, es gibt aber keine Garantie."

Der steirischer AK-Präsident Walter Rotschädl sprach von einem "fatalen Signal" für den Industriestandort Steiermark. Es drohe jetzt tatsächlich eine "scheibchenweise Demontage" dieses obersteirischen Leitbetriebes.

ÖGB-Chef Horst Schachner sagte zum Standard, er sei "sehr enttäuscht von Androsch, das ist Neoliberalismus pur, was er da macht".

Hannes Androsch verteidigt seine Unternehmenspolitik: "Das ist nicht Neoliberalismus. Von Verlusten können wir nicht leben, sonst begehen wir fahrlässige Krida, das müssen endlich alle einmal kapieren. Wir können nicht untätig hinnehmen, wie unsere Massenware wegbricht."

Den Vorwurf des ÖGB, AT&S hätte zumindest um Kurzarbeit verhandeln sollen, lässt Androsch nicht gelten: "Kurzarbeit löst nicht das strukturelle Problem, dass die Aufträge verlorengegangen sind. Wenn wir ganz Österreich in Kurzarbeit schicken, ist das Land in kurzer Zeit pleite. Wenn man glaubt, man kann einen ökonomischen Naturschutzpark von Verlustbetrieben machen - dann ist der Wohlstand Österreichs bald Geschichte."

Seine Kritiker aus der SPÖ sollten sich "erinnern, was mit der Verstaatlichten, dem Konsum oder der Bawag" passiert sei, und daher "keine Ratschläge geben". (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2009)

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    AT&S verlagert seine Massenproduktion nach Asien. In Leoben-Hinterberg sollen nur noch Spezialprodukte hergestellt werden.

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