Voest auf Milliardensuche

4. Juni 2009, 17:29
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Mit Mega-Kapitalerhöhung und Wandelanleihe will die Voestalpine ihre mit der Böhler-Übernahme explodierte Verschuldung in den Griff bekommen

Wien - Die Voestalpine setzt nun Schritte zur Senkung der auf 88 Prozent gestiegenen Verschuldungsquote (Gearing): Bei der Hauptversammlung am 1. Juli will sich der Vorstand die Genehmigung für eine Kapitalerhöhung um 50 Prozent holen, was nach derzeitigem Börsenkurs 1,8 Mrd. Euro ausmachen würde. Zudem steht die Genehmigung einer Wandelanleihe im Ausmaß von einer Milliarde Euro auf der Tagesordnung.

Voest-Chef Wolfgang Eder betonte bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag, dass akut keine der genannten Maßnahmen anstünde, man sich lediglich den Vorratsbeschluss der Aktionäre holen wolle, um flexibel zu sein. Tatsächlich bezweifeln Insider, dass Kernaktionäre wie die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, die Oberbank oder die Mitarbeiter derartige Beträge stemmen könnten. Eder bekräftigte allerdings, die wegen der Böhler-Übernahme stark gestiegene Verschuldung in Richtung 50 Prozent drücken zu wollen.

Offen ist laut Finanzvorstand Robert Ottel, ob der Stahlkonzern staatliche Garantien für Kredite beantragen wird, für die gerade Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das hänge von den Konditionen ab. Eder bezeichnete die Maßnahme für die österreichischen Betriebe, von denen "viele an der Kippe stehen", als sinnvoll.

Auftragseinbruch

Angesicht der Auftragseinbrüche rüstet sich der Konzern für eine längere Flaute und plant im Rahmen eines "Optimierungsprogramms" Einsparungen von mehreren hundert Millionen Euro quer durch alle Divisionen. Der Stahl-General bemühte sich, Befürchtungen über drastischen Personalabbau zu zerstreuen. Die Voest hat seit Oktober bereits 3500 Beschäftigte abgebaut, davon 2000 Leiharbeiter. Ein Viertel der rund 41.000 Mitarbeiter arbeitet kurz.

In der Autoindustrie rechnet Eder mit "mehreren schwierigen Jahren", das Niveau von 2007 werde erst in fünf Jahren wieder erreicht werden. Die Verschrottungsprämien in der EU hätten nur ein "Strohfeuer" entfacht, das überdies den von der Voest vorrangig belieferten Premium-Herstellern geschadet habe, wie Automotive-Vorstand Franz Hirschmanner beklagte. Auch in traditionell unabhängigeren Bereichen wie dem Energiesektor schlage die Krise jetzt voll durch. Einzig die Bahnaktivitäten (Schiene, Weiche) laufen weiter stabil. "Wir gehören nicht zu den Schönrednern, davon gibt es in Österreich genug", ätzte Eder.

Während der Stahlkonzern im Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende März) mit einem operativen Ergebnis von 1,02 Mrd. Euro nur knapp unter der Vorjahresperiode abschnitt, wird heuer ein ausgeglichener Saldo erwartet. Im ersten Halbjahr werde das Ebit der Voest im zweistelligen Millionenbereich negativ ausfallen. Die Dividende für 08/09 wurde bereits auf 1,05 Euro halbiert. (as, DER STANDARD, Pritausgabe, 5.6.2009)

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