Obama verspricht Muslimen neue Ära

4. Juni 2009, 19:01
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Mehrmals von Applaus unterbrochen, skizzierte der US-Präsident die Vision einer friedlichen Welt, wie sie in Koran, Talmud und Bibel vorgezeichnet ist - mit Video

Diese Rede wird Spuren hinterlassen. Das war der einhellige Tenor nach dem eloquenten Auftritt von US-Präsident Barack Obama an der Universität von Kairo. Die Choreografie des Besuchs war gespickt mit Symbolen. Zuerst der Besuch in der historischen Sultan Hassan Moschee, dann der Beginn der Veranstaltung gleich nach dem Mittagsgebet in einer renommierten Lehranstalt, die allen offensteht, und nicht, wie auch erwogen, in der al-Azhar-Moschee, dem Zentrum der sunnitischen Lehre. Was andere Muslime, zum Beispiel die Schiiten, hätte irritieren können.

Die 60-minütigen Ausführungen des US-Präsidenten wollte dieser als Neubeginn des Verhältnisses mit den Muslimen weltweit verstanden wissen, und zwar auf der Basis von gegenseitigen Interessen und Respekt. Misstrauen und Zwietracht müssten ein Ende haben. Dabei verwies er auch auf seine persönlichen Erfahrungen mit dem Islam, als Sohn eines Kenianers mit islamischen Wurzeln. Eine Tatsache, die ihm in der arabischen und islamischen Welt - wo sein mittlerer Name Hussein meist ebenfalls geschrieben wird - einen Vertrauensbonus gibt.

Kampf gegen Stereotypen

Obama zeichnete ein Bild eines humanen, friedfertigen Islam, das die Visionen eines Bin Laden konterkarierte, und er versprach gegen die negativen Stereotypen des Islam anzukämpfen.

Ganz konkret zählte er ein gutes halbes Dutzend Probleme auf, die gemeinsam angegangen werden müssen; allen voran den Kampf gegen den gewalttätigen Extremismus, wobei er das Wort Terrorismus nicht aussprach.

Dialogangebot an Teheran

Im israelisch-palästinensischen Konflikt unterstrich er das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat und sprach sich dezidiert gegen die Gewalt der Hamas und den Siedlungsbau Israels aus. Er wiederholte sein Angebot zu einem Dialog mit dem Iran und bekräftigte den amerikanischen Einsatz für eine Welt, in der alle Zugang zu friedlicher Nukleartechnologie haben und keine Nation Atomwaffen besitzt. Was in arabischen und iranischen Ohren heißt: auch Israel nicht.

Obamas große, wegweisende Rede erinnere an Martin Luther King, erklärte ein Hamas-Sprecher in Gaza gegenüber Al-Jazeera. Was er zum Islam und den Leiden der Palästinenser gesagt hätte, sei bemerkenswert. Nur die Forderung nach Anerkennung Israels könne man nicht unterschreiben.

Im Kapitel Demokratie wies er darauf hin, dass Menschenrechte allgemein gültig und kein amerikanisches Konzept sind - und Wahlen auch nicht unbedingt mit Demokratie gleichzusetzen seien.

Obama machte keinen Hehl daraus, dass es nicht einfach ist, diese Probleme anzugehen. Dazu brauche es Mut und Kooperation, betonte er in seiner Ansprache, die er vor allem auch an die Jugend richtete. Mit sorgsam ausgewählten Koran-Zitaten versuchte er zu belegen, dass der Islam den gleichen Prinzipien wie das Christen- und das Judentum verpflichtet ist.

Unter der mächtigen Kuppel der Kairoer Universität applaudierte ein ausgesuchtes Publikum, darunter neben Studenten und Politikern auch der israelische Botschafter. Das hatte zu einigen Boykotten geführt. Es waren aber zehn Parlamentarier der Muslimbrüder im Publikum sowie Vertreter anderer oppositioneller Strömungen und Exponenten der Zivilgesellschaft, zum Beispiel Blogger. (Astrid Frefel aus Kairo/DER STANDARD, Printausgabe, 5.6.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auf der gesamten Welt, aber besonders von Muslimen - im Bild in einem arabischen Friseurladen in Jerusalem - wurde die Rede von US-Präsident Barack Obama aufmerksam verfolgt.

  • Die Erwartungen an die Rede Obamas waren hoch. Politische Vertreter wollen nun Taten sehen.

    Die Erwartungen an die Rede Obamas waren hoch. Politische Vertreter wollen nun Taten sehen.

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