Nicht hinter dem Mond

4. Juni 2009, 02:36
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Haydns "Il mondo della luna" als Kinderoper

Eine ausländische Haushaltshilfe, ein mondsüchtiger Universitätsprofessor und seine aufgeweckten Töchter - das sind die Hauptfiguren in einer Version von Haydns Oper Il mondo della luna in einer Version für Kinder, die von der Sopranistin Johanna von der Deken angeregt und gestaltet wurde. Wie im Original, das auf einer Komödie von Carlo Goldoni basiert, wird der übellaunige Egomane Buonafede zum Opfer eines Scherzes, indem ihm seine Kinder einreden, er könne sich seinen Traum, auf den Mond zu fliegen, tatsächlich erfüllen.

Während ihr Vater schläft, bauen die Mädchen den Garten in eine Mondlandschaft um, verkleiden sich mit bunten Kostümen, und als Buonafede aufwacht, glaubt er, tatsächlich auf dem Mond zu sein. In seiner Begeisterung lässt er sich bedienen und beklatscht sogar die Hochzeit eines Mädchens, das ihn entfernt an seine eigene Tochter erinnert. Als er endlich erkennt, dass er hinters Licht geführt wurde, ist es bereits zu spät: Reumütig gelobt er, sich in Zukunft zu bessern.

Haydns für eine Prinzenhochzeit entstandene und zu Lebzeiten des Komponisten nur ein einziges Mal in Eszterhazá aufgeführte Oper, die im Original fast drei Stunden dauert, hat Johanna von der Deken auf eine gute Stunde gekürzt. Die Grazer Sängerin, die auch die Rolle der Clarice verkörpert, besitzt bereits einige einschlägige Erfahrung in der Arbeit mit Kindern im Wiener "Theater der Jugend" oder als Moderatorin von Kindersendungen im Fernsehen. Auch drei Kinderopern hat sie schon gemacht. Allerdings ist, wie sie sagt, "das Stück von Haydn der dickste Brocken bisher. Ich habe die ernsthafteren Erwachsenenfiguren gestrichen und nur die lustigen übrig gelassen. Und die sprechen und singen auf Deutsch, nur zweimal dürfen sie auch ein bisschen italienisch singen. So können die Kinder wirklich alles genau verstehen."

Bei der Produktion, die bereits mit Erfolg in der koproduzierenden Philharmonie Luxemburg gezeigt wurde, hat sich von der Deken "bei der Übersetzung der Dialoge viele Freiheiten gestattet, um das Stück zeitgemäßer und für Kinder witziger zu machen. Aber die Musik habe ich nicht angetastet - es gibt ein richtiges Orchester - und alle Sänger singen eine Übersetzung, bei der ich genau auf das Original geachtet habe. Und so kommen sicher nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene voll auf ihre Kosten. Denn ich finde, so eine Oper sollte Kinder ansprechen, aber auch für Erwachsene kurzweilig sein." (daen / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2009)

 

Graz, Remise Mariatrost, 11./12. 7., 17.00

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