Vom Exoten zum anerkannten Künstler

4. Juni 2009, 01:34
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Zwei Styriarte-Projekte über farbige Musiker zur Zeit Mozarts und Beethovens

Noch heute soll sich sein präparierter Leichnam irgendwo im Keller des Kunsthistorischen Museums befinden; bis 1806 war er im kaiserlichen Naturmuseum "als schöne Rarität" ausgestellt, wie es Walter Sauer, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Herausgeber des Buches "Von Soliman zu Omofuma - Afrikanische Diaspora in Österreich 17. bis 20. Jahrhundert", beschreibt.

Unter dem Beinamen "Der Mohr von Wien" war Angelo Soliman indessen zu Lebzeiten mehr als eine exotische Berühmtheit. Ob er, wie überliefert, tatsächlich als Kind geraubt, dann als Sklave an eine reiche Adelige in Messina verkauft und von dieser dem kaiserlichen Gouverneur geschenkt wurde, gilt zwar als ungewiss, 1760 taucht er dann aber als Kammerdiener des Fürsten Joseph Wenzel Liechtenstein auf, den er auch nach Parma und Frankfurt begleitete.

Dort soll er im Glücksspiel eine solche Summe gewonnen haben, dass er sich über Mittelsmänner ein Haus kaufen und trotz des Eheverbots für Bedienstete im Geheimen heiraten konnte. Geheim war auch sein gesellschaftliches Engagement: In der Freimaurerloge "Zur Wahren Eintracht" war er für die Prüfungen für Neulinge zuständig. Und Logenbruder Wolfgang Amadé Mozart soll unter anderem mit ihm Billard gespielt haben.

Unter dem Titel "Der Mohr von Wien" erinnert auf Schloss Eggenberg ein Konzert des London Fortepiano Trios mit einer Lesung zum Leben Solimans von Alexander Mitterer an die Faszination, die von dieser Person ausgegangen sein muss. Und an seine mutmaßliche Bedeutung für Mozarts Zauberflöte. Dass dies mit den Variationen Beethovens über das Duett Bei Männern, welche Liebe fühlen geschieht, schlägt indessen bereits die Klammer zu einem zweiten Projekt, das ins Wien des Jahres 1803 führt - und zum ersten Widmungsträger der Kreutzer-Sonate. Ursprünglich hatte sie Beethoven nämlich ganz anders überschrieben: "Sonata mulattica, composta per il mulatto Brischdauer, gran pazzo e compositore mulattico" ("Mulattische Sonate, komponiert für den Mulatten Brischdauer, einen großen Verrückten und mulattischen Komponisten").

Gemeint war damit der Geiger George Bridgetower, Spross eines farbigen Pagen des Fürsten Esterházy und einer Einheimischen, mit dem Beethoven die Sonate uraufführte und mit dem der Komponist befreundet war - allerdings nur so lange, bis es einer Dame wegen zu einem Streit kam und Bridgetower die Widmung entzogen wurde.

Anton Steck und Marieke Spaans werden im Minoritensaal neben Werken von Mozart die Kreutzer-/ Bridgetower-Sonate spielen und außerdem Musik von Joseph Boulogne aufführen, der vermutlich in der Karibik als Sohn eines Plantagenbesitzers und einer Sklavin geboren wurde, als Chevalier de Saint-George für die Französische Revolution kämpfte und in etlichen Rollen von sich reden machte: als Geigenvirtuose, Komponist und Dirigent, Fechter - und als Frauenheld. (daen / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2009)

 

"Black Power 1800": Minoritensaal, 14. 7., 20.00
"Der Mohr von Wien": Schloss Eggenberg, 19. 7., 11.00

  • Widmungsträger und Kammermusikpartner Beethovens: George Bridgetower
    foto: styriarte

    Widmungsträger und Kammermusikpartner Beethovens: George Bridgetower

  • Spielpartner Mozarts und "Mohr von Wien": Angelo Soliman
    foto: styriarte

    Spielpartner Mozarts und "Mohr von Wien": Angelo Soliman

  • Haudegen mit Florett und Geigenbogen: der Chevalier de Saint-Georges
    foto: styriarte

    Haudegen mit Florett und Geigenbogen: der Chevalier de Saint-Georges

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