Solidarität mit Arbeitern, Politiker sind unten durch

4. Juni 2009, 16:44
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Arbeiter sind laut einer Befragung die größten Verlierer der Wirtschaftskrise - Fast 60 Prozent glauben, dass sie zu wenig verdienen - Umfrage: Werden Sie leistungsgerecht entlohnt?

Die Wirtschaftskrise entpuppt sich zwar (noch) nicht als gesellschaftlicher Spaltpilz, sie verschärft aber die Trennlinien zwischen den einzelnen Berufsgruppen. Neben dem Verteilungskampf werden neue Fronten in der Gesellschaft evident. Das Grassieren der Arbeitslosigkeit bekommt vor allem eine Gruppe zu spüren: Die Arbeiter. Sie werden auch als die größten Verlierer der Turbulenzen an den Finanzmärkten gesehen. 59 Prozent sind der Meinung, dass Arbeiter ein zu geringes Einkommen haben; gemessen an der beruflichen Härte und ihren erbrachten Leistungen.

Das ist ein Ergebnis einer vom IMAS-Institut durchgeführten Umfrage, die das Thema Einkommensgerechtigkeit unter die Lupe genommen hat. Die repräsentativen Daten basieren auf Befragungen von rund 1.000 Personen im April 2009.

Landwirte auf Platz zwei

In puncto zu geringes Einkommen rangieren die Landwirte hinter den Arbeitern an der zweiten Stelle. 44 Prozent der Österreicher glauben, dass sie zu wenig verdienen. Danach folgen Verkäufer sowie Beschäftigte im Tourismus mit jeweils 42 Prozent. Unter unangemessen geringer Bezahlung leidet auch das Pflegepersonal in den Krankenhäusern. Knapp 40 Prozent würden höhere Löhne befürworten. Vier Prozent meinen, dass Polizisten und Bahnbedienstete zu wenig lukrieren.

Politiker haben mieses Image

Wenig überraschend findet sich die Berufsgruppe der Politiker am anderen Ende der Skala. 68 Prozent der Österreicher haben das Gefühl, die Volksvertreter würden eher mehr bekommen, als sie eigentlich verdienen, wenn man ihre berufliche Leistung als Maßstab nimmt. Auch die im Zuge der Wirtschaftskrise immer wieder thematisierte monetäre Abgeltung der Manager spiegelt sich im Ranking wider: 61 Prozent empfinden das Einkommen von Bankdirektoren als überdimensioniert. Bei Industriemanagern beträgt die Ablehnung 52 Prozent.

Mit notorischer Missgunst sind auch Beamte konfrontiert: 22 Prozent erachten ihren Lohn als zu hoch. Weiters befinden sich auch Freiberufler wie zum Beispiel Rechtsanwälte und Architekten unter den vermeintlich Privilegierten. 20 Prozent sind der Meinung, dass deren Entlohnung in keiner Relation zur Leistung steht. Ablehnung erfahren auch Bühnenkünstler (15 Prozent), Wissenschaftler an Universitäten (11 Prozent), Ärzte und Mediziner (9 Prozent) sowie Journalisten (8 Prozent).

Unterschiede bei Lehrern

Differenziert wird die Berufsgruppe der Lehrer wahrgenommen. Bei Mittelschulprofessoren und Gymnasiallehrer vertreten zwölf Prozent die Ansicht, dass diese zu viel verdienen. Ein besseres Bild haben die Österreicher von Pädagogen in Volks- und Hauptschulen (5 Prozent). Werte, die nicht so negativ sind wie erwartet. Im Rahmen der Verhandlungen um zwei zusätzliche Unterrichtsstunden für Lehrer waren noch fast zwei Drittel der Meinung, dass Lehrer nur ihre Meriten verteidigen und mehr arbeiten sollten.

Arbeiter als größte Verlierer der Krise

Neben dem Thema "Einkommensgerechtigkeit" widmete sich die Studie auch der Frage, welche Berufsgruppen von der Krise ganz besonders stark betroffen sind. Genauso wie bei der Verdienstschere werden auch hier die Arbeiter als die am meisten Gebeutelten gesehen (72 Prozent). Danach kommen die Handwerker und Gewerbetreibenden mit 48 Prozent, gefolgt von Verkäufern und Angestellten in der Privatwirtschaft mit jeweils 43 Prozent. Im vorderen Drittel der am stärksten Betroffenen zu finden sind außerdem noch Landwirte (39 Prozent), Personal im Gastgewerbe (33 Prozent) und Postbedienstete (32 Prozent), die wohl vom Mitgefühl möglicher Postämterschließungen profitieren.

Beamte, Politiker, Mediziner

Bei Industriemanagern und Bankdirektoren glauben 17 bzw. neun von hundert Österreichern, dass ihnen die Wirtschaftskrise besonders zugesetzt hat. Jene Berufsgruppen, denen die Befragten zu viel an Einkommen bescheinigen, finden sich auch unter den am wenigsten Krisengeschädigten. Laut gängiger Meinung gehören Beamte (6 Prozent), Politiker (5 Prozent), Bühnenkünstler (4 Prozent), Soldaten (4 Prozent), Ärzte (4 Prozent), Journalisten und Wissenschafter mit jeweils drei Prozent zu den privilegierten Berufsgruppen.

Die Studienautoren interpretieren anhand der Daten, dass es jetzt "nicht mehr um das klassische Oben-Unten-Schema des 19. und 20. Jahrhunderts" gehe, sondern um die Einkommensgerechtigkeit innerhalb der Berufsgruppen. Das Resümee: "Der Konflikt um Einkommen, verbunden mit dem Abwägen von beruflicher Leistung und sozialer Absicherung, verläuft also nicht nur vertikal, sondern auch horizontal." (om, derStandard.at, 4.6.2009)

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    Arbeiter werden als die größten Verlierer der Wirtschaftskrise wahrgenommen.

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