Wahlkampf, vom Winde verweht

3. Juni 2009, 19:35
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Ulrike Lunacek kämpft in grünen Hochburgen gegen die Ignoranz

Ulrike Lunacek kämpft. Gegen den Wind, den Straßenlärm und das Desinteresse. Unverdrossen redet die Kandidatin ins Mikrofon, legt einen engagierten Auftritt hin, dem nur eines fehlt: Das Publikum. Fast ausschließlich grüne Mitarbeiter sind es, die Lunaceks Plädoyer für eine bessere Verkehrspolitik lauschen. Journalisten haben sich, der Standard inklusive, zwei erbarmt.

Mittwoch Morgen an der Wiener Ringstraße, Auftakt eines langen, zähen Wahlkampftages. Bis spät in die Nacht hat Lunacek am Badeschiff zu den Beats lesbisch-schwuler DJs getanzt, doch Müdigkeit kann sich die Politikerin nicht leisten. Sie muss heute noch Öko-Unternehmer besuchen, mit Umweltschützern fachsimpeln, Passanten Zettel in die Hände drücken. Es sind grüne Stammwähler, die Lunacek in den Wiener Innenbezirken ködert. Bei dieser Wahl, die auf derart breite Ignoranz stößt, wären die Grünen schon froh, wenn wenigstens eingefleischte Sympathisanten zur Urne gingen.

"Da muss sich die Ulrike vor eine Straßenbahn legen, um für Action zu sorgen", witzelt ein Grüner, als sich der Tross der nächsten Station, dem Parlament, nähert, wo ein Häufchen Aktivisten gegen verwässerte Umweltgesetze demonstriert. Geschimpft wird über Transitrouten, Müllverbrennungsanlagen und auch die verfehlte Förderungspolitik der EU. Doch Lunacek verkneift es sich, billige Treffer auf Kosten Brüssels zu landen. "Die EU könnte da hilfreich sein", sagt sie und warnt davor, die Falschen "zum Sündenbock" zu stempeln.

Differenzierte Antworten hat Lunacek auf europäische Fragen parat - sofern Wähler diese stellen. In Tirol wollten sie wissen, warum Brixentaler Bauern nicht an Hofer liefern dürfen, in Wien, warum die U1 nicht nach Rothneusiedl fahren soll. Fehlende Parkplätze ärgern die Leute, und immer wieder die Ausländer. "Ich kann vielleicht 20, 30 Prozent überzeugen", sagt Lunacek. Aber niemand könne behaupten, sie hätte es nicht versucht. (DER STANDARD, Printausgabe, 4.6.2009)

 

  • Viel Engagement, wenig Publikum
    foto: standard/cremer

    Viel Engagement, wenig Publikum

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